Sagt man's später dem Kind?
Jetzt muß auch ich einmal meinen Senf dazugeben, denn das Thema gehört wirklich zu den brisantesten Fragestellungen überhaupt im Kontext der Repro-Medizin.
1.) Daß ein Mensch das Recht hat, über seinen Ursprung Bescheid zu wissen mag aus moralisch-sittlicher Perspektive so sein, juristisch betrachtet ist dem jedoch nicht so (laut einem EuGH-Urteil, das sich u.a. mit der Frage beschäftigte, ob die anonyme Geburt in Österreich aus selbigem Grund überhaupt zugelassen bleiben darf).
2.) Trotzdem halte ich es mittlerweile für illusorisch, eine dauerhafte Nicht-Informations-Politik in diesem Punkt dem Kind gegenüber zu betreiben. Ich weiß, wie wichtig die Blutgruppe, als Indikator für etwaige genetische Abstammung ist und deshalb schauen auch alle Ärzte darauf, daß es da keine Probleme gibt, damit den Eltern überlassen bleibt, bezüglich der hier gestellten Frage die Entscheidung zu treffen. Trotzdem (gut gemeint) ist das nur eben ein Erbmerkmal von weiß Gott wieviel noch.....
Gerade in Zeiten wie diesen, wo der genetische Fingerabdruck ebenso Allgemeingut zu werden beginnt wie z.B. die Sozialversicherungsnummer, wird sich vermutlich in absehbarer Zeit ohnehin nichts mehr diesbezüglich verheimlichen lassen (faktisch) und dann stünde man irgendwie nicht wirklich gut da, soferne man sich im Sinne des Nicht-Sagens verhalten hätte. Wir klammern uns alle an die Blutgruppe, weil die als genetischer Indikator so offensichtlich ist, nicht wissen (wollend), daß es tausende Erbmerkmale gibt, die angesichts zunehmend einfacher werdender Feststellbarkeit hinsichtlich der Indikatorfunktion als gleichrangig anzusehen sind - hier vertuschen zu wollen wird nicht funktionieren. Das ist Illusion.
Auf der anderen Seite denke ich auch, daß angesichts der immer häufiger angewendeten, ausgefeilteren, etc. Methoden der Repro-Medizin, die auch immer mehr Allgemeingut werden, die Bedeutung der genetischen Elternschaft zunehmend unwichtig werden wird.
Also: Aus rein moralischer Sicht und weil eine Nicht-Informations-Politik dem Kind gegenüber faktisch die nächsten 10 Jahre sowieso nicht überstehen würde, denke ich, man sollte darauf gut vorbereitet sein, seinem Kind reinen Wein einzuschenken. Das heißt natürlich auch, das in homöopathischen, verträglichen Dosen zu tun.
Ich persönlich halte sehr viel von dem weiter oben erwähnten Ansatz mit dem Tagebuch. Das erscheint mir fair in jeder Hinsicht und auch psychisch entsprechend sanft zu sein.....- meine Hochachtung!
Bussibär