Re: Aufklärung EZS
Hallo Frowlein und alle anderen,
ich bin sehr froh und dankbar, dass dieses Thema hier (wieder) diskutiert wird.
Ich bin kurz vorm ET, nach Embyspende. Meine Gedanken kreisen schon seit Wochen um dieses Thema und es wird, gepusht durch die nahende Geburt, immer präsenter.
Und ich muß sagen, dass ich einfach zu keiner Meinung finde.
Ich fasse einfach mal zusammen was mir grade so im Kopf rum geht. Vielleicht erkennt sich ja jemand wieder.
Ehrlich gesagt, wüsste ich 100%, dass es später mal keine unfreiwillige/zufällige Aufklärung geben könnte und unser Baby nicht sooo fremd aussehen wird, dass man es gar nicht mehr erklären würde… ich würde es nicht sagen.
Ich stelle mir selbst ständig die Frage, was mir lieber wäre: Zu wissen, ob ich adoptiert wäre/ durch Gametenspende entstanden sei oder nicht. Und ich muß sagen: Ich wollte es nicht wissen!
In unserem Fall (wegen der EMS) können wir unserem Kind überhaupt keinen genetischen Hintergrund präsentieren, und da frage ich mich oft ob es daher nicht besser ist, gar nichts dazu zu sagen. Im Moment kommt es mir einfach nur unfair und egoistisch dem Kind gegenüber vor, ihm die Wahrheit vor den Latz zu knallen, nur damit ich meinen Seelenfrieden habe.
Dies natürlich vor dem Hintergrund, es würde niemals rauskommen.
Vor die Wahl gestellt, ob ich’s von Anfang an sage oder es in 25 Jahren zufällig rauskommt, würde ich wohl ersteres wählen. Aber so läuft das Spiel ja leider nicht.
In dem Zusammenhang auch noch ein paar Gedanken, die ich mir z.Z sehr oft mache. Nämlich, was ich meinem Kind mit seiner Herkunft/Entstehung überhaupt antue. Man fährt jahrelang auf dem Kiwuzug mit, über Zykluskontrolle, IUI, IVF immer weiter, irgendwann fährt man bis EZS oder gar EMS und man ist so in diesem Wahn drin, dass man das Aussteigen vergessen hat. Natürlich haben wir uns das lange überlegt, sicher ist hier niemand, der mal so eben eine EZS macht. Aber rückblickend muß ich sagen, dass doch oft dieses „ich muss unbedingt schwanger werden um jeden Preis“ sehr sehr im Vordergrund steht und (zumindest bei mir) die Konsequenzen etwas in den Hintergrund geraten. Und jetzt steh ich hier, hochschwanger, und frage mich selbst, ob ich eigentlich noch überschaue was ich da getan habe. Oder ob ich nicht einfach eine „egoistische selbstherrliche unfruchtbare Kuh bin, die auf Biegen und Brechen ihren Willen durchsetzen musste“. (um es jetzt mal bewusst etwas harsch zu formulieren). Mein Baby tut mir im Moment (heute war es wieder besonders schlimm) unendlich leid, dass ich es in so ein kompliziertes Leben rein zwinge. Na, das hätte ich mir mal vorher überlegen sollen……
So, ich hoffe, das war jetzt nicht zu wirr. Aber so sieht’s bei mir grad aus.
Ich möchte hier wirklich niemanden verletzen und bin sehr froh, dass dieses Thema angesprochen und hoffentlich auch kontrovers diskutiert wird. Wie gesagt, ich habe im Moment große Probleme mit meiner Meinungsbildung .
Julia (erschöpft von dem ganzen Sermon da oben)