Re: Aufklärung EZS
Hallo Claudia,
bei Deiner Argumentation vermischen sich zwei Argumente. Die Aussage, dass die Persönlichkeitsrechte des Kindes nicht verletzt werden, weil eine offene Spende nicht möglich ist, kann ich so nicht nachvollziehen.
Es gibt vielleicht momentan keine (finanzierbare!) Möglichkeit offene Eizellspenden zu bekommen - trotzdem wäre das ein Ziel, damit das Persönlichkeitsrecht des entstehenden Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung gewährt werden kann. Ein Kind aus einer anonymen Spende bekommt diese Möglichkeit ganz bewusst vorenthalten und hat damit NICHT das Recht auf Kenntnis seiner Abstammung, weil seine Eltern oder die behandelnden Ärzte es eben nicht für wichtig erachten. Wenn es die Möglichkeit einer offenen Spende sogar gibt, sie nur finanziell den Eltern nicht erschwinglich ist - dann geht die Entscheidung, die die Eltern treffen - auf Kosten des Kindes.
Eine weitere Erklärung hat mich stutzig gemacht: "Und sollten mir meine Kinder mal vorwerfen, das ich Ihre Persönlichkeitsrechte verletzt hätte, gebe ich zu Bedenken, das Sie absolute Wunschkinder sind, und ohne die Bereitschaft zweier unbekannten Frauen mir Eizellen zu spenden, nie auf der Welt wären."
Eine ganz ähnliche Rechtfertigung hört man häufig von Eltern, die ein Kind mit einer anonymen Samenspende bekommen haben. Aber, welche Bedeutung bekommt hier der Bezeichnung "Wunschkind" zu? Ein Wunschkind ist gewünscht - ein Wunsch der Eltern ist in Erfüllung gegangen - und darüber muss sich das Kind jetzt freuen? Es muss den Eltern nachsehen, dass die bei der Erfüllung IHRES Wunsches leider nicht auch noch an die Rechte des Kindes denken konnten?
Ohne die Samenspende meines Erzeugers wäre ich auch nicht auf der Welt - trotzdem würde ich mir wünschen (sofern Wunschkinder selbst auch mal Wünsche äußern dürfen) dass die Spende offen und nicht anonym gewesen wäre. Die Annahme, dass die Spendenbereitschaft bei Aufhebung der Anonymität sinkt, ist dabei ein rein theoretisches Argument, das für die Praxis aber überhaupt kein Problem darstellt, wie Beispiele aus Ländern wie Schweden, Großbritanien oder den Niederlanden zeigen.