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Beiträge von DI-Kind

  • Aufklärung EZS

    • DI-Kind
    • 27. November 2009 um 23:50

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo Claudia,

    bei Deiner Argumentation vermischen sich zwei Argumente. Die Aussage, dass die Persönlichkeitsrechte des Kindes nicht verletzt werden, weil eine offene Spende nicht möglich ist, kann ich so nicht nachvollziehen.
    Es gibt vielleicht momentan keine (finanzierbare!) Möglichkeit offene Eizellspenden zu bekommen - trotzdem wäre das ein Ziel, damit das Persönlichkeitsrecht des entstehenden Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung gewährt werden kann. Ein Kind aus einer anonymen Spende bekommt diese Möglichkeit ganz bewusst vorenthalten und hat damit NICHT das Recht auf Kenntnis seiner Abstammung, weil seine Eltern oder die behandelnden Ärzte es eben nicht für wichtig erachten. Wenn es die Möglichkeit einer offenen Spende sogar gibt, sie nur finanziell den Eltern nicht erschwinglich ist - dann geht die Entscheidung, die die Eltern treffen - auf Kosten des Kindes.

    Eine weitere Erklärung hat mich stutzig gemacht: "Und sollten mir meine Kinder mal vorwerfen, das ich Ihre Persönlichkeitsrechte verletzt hätte, gebe ich zu Bedenken, das Sie absolute Wunschkinder sind, und ohne die Bereitschaft zweier unbekannten Frauen mir Eizellen zu spenden, nie auf der Welt wären."

    Eine ganz ähnliche Rechtfertigung hört man häufig von Eltern, die ein Kind mit einer anonymen Samenspende bekommen haben. Aber, welche Bedeutung bekommt hier der Bezeichnung "Wunschkind" zu? Ein Wunschkind ist gewünscht - ein Wunsch der Eltern ist in Erfüllung gegangen - und darüber muss sich das Kind jetzt freuen? Es muss den Eltern nachsehen, dass die bei der Erfüllung IHRES Wunsches leider nicht auch noch an die Rechte des Kindes denken konnten?
    Ohne die Samenspende meines Erzeugers wäre ich auch nicht auf der Welt - trotzdem würde ich mir wünschen (sofern Wunschkinder selbst auch mal Wünsche äußern dürfen) dass die Spende offen und nicht anonym gewesen wäre. Die Annahme, dass die Spendenbereitschaft bei Aufhebung der Anonymität sinkt, ist dabei ein rein theoretisches Argument, das für die Praxis aber überhaupt kein Problem darstellt, wie Beispiele aus Ländern wie Schweden, Großbritanien oder den Niederlanden zeigen.

  • Aufklärung EZS

    • DI-Kind
    • 22. November 2009 um 23:21

    Re: Aufklärung EZS

    Liebes Frowlein,

    dann werde ich jetzt mal versuchen Deine Fragen zu beantworten:

    1. Das Argument, "seinen Kindern nicht zumuten zu wollen um ihre Entstehung zu wissen, aber gleichzeitig den/die Spender/in nicht kennen lernen zu können" ist für mich kein Argument, weil es zwei Dinge vermischt, die man trennen muss: Die Tatsache, aus einer Samenspende entstanden zu sein, ist in meinen Augen noch keine "Zumutung". Wer schon diesen Punkt anders sieht, sollte sich nochmal überlegen, ob eine Samenspende (oder Eizellspende) für sie oder ihn tatsächlich die richtige Wahl ist. Den zweiten Punkt halte ich für entscheidend: Die Spenderin oder den Spender nicht kennen lernen zu können, das halte ich in der Tat für eine Zumutung.
    Mit der Durchführung und Annahme anonymer Spenden setzen sich Ärzte und Eltern über das Recht eines Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung hinweg. Leider ist das im deutschen Rechtssystem bisher eine Grauzone, in der es zwar Urteile in diesem Sinne gibt, wie das des BVG von 1989, aber keine eindeutige Regelung, die anonyme Spenden verbietet. Erst seit 2007 müssen Gewebespenden (worunter auch die Samenspende fällt) dokumentiert und die Daten 30 Jahre aufbewahrt werden. Kinder, die nach 2007 in Deutschland durch Samenspende gezeigt werden, haben also theoretisch das Recht und dazu die Möglichkeit, mit 18 Jahren zu erfahren, wer ihr Erzeuger ist.
    Für mich im Vordergrund bei der Frage steht der Aspekt der Bevormundung eines erwachsenen Menschen. Deshalb gibt es für mich kein Argument, ein Kind nicht aufzuklären. Mit dem Aspekt der Zumutung sollten sich deshalb die Eltern (als vorerst Verantwortliche für das Kind) beschäftigen. Damit meine ich: Keine anonymen Spenden.
    Anonyme Spenden verletzen die Persönlichkeitsrechte des Kindes - und das - so würde ich es mir wünschen - sollten sich liebende Eltern doch wirklich gründlich, und zwar vor der Spende, überlegen.

    2. Ja, ich bin ein Kind aus anonymer Samenspende. Ich kann nicht genau sagen, wie sich das anfühlt, weil ich nicht weiß, wie ich mich fühlen würde, wenn es nicht so wäre. Es ist ein bißchen wie in einem Krimi zu leben - man weiß, da ist noch etwas, von dem man nur weiß, das es da ist und das man, bzw. ich gerne genauer kennen/fassen könnte. Solange man es nicht zu fassen kriegt, bleibt eine gewisse Spannung.

    3. Ja, ich würde den Spender sehr gerne, also unbedingt kennenlernen.

    4. Der Spender ist ein wichtiger Teil meiner Identität und persönlichen Geschichte. Ich kenne nur die eine Hälfte meiner Gene, meiner biologischen Herkunft. Meine Mutter kenne ich, ich entdecke Eigenschaften von ihr bei mir wieder, ich weiß, was sie kann, was sie erreicht hat - das gibt auch mir Mut und Zuversicht. Von meinem Erzeuger weiß ich rein gar nichts, das lässt mich an mir, an dem was ich bin, zweifeln und verunsichert mich. Es fühlt sich an, als stünde man mit einem Bein auf dem Boden, da wo der andere Fuß stehen will, ist aber ein Wurzelloch und man muss gut balancieren.

    5. Ja, ich tausche mich auch mit anderen, auch mit Nicht-Betroffenen über meine DI-Zeugung aus. Mit Nicht-Betroffenen ist es meist nur eine kurze Information am Rande - es ergibt sich meistens einfach nicht so oft und nicht so schnell über seine Entstehungsweise zu sprechen. Ich erzähle dann meistens kurz, dass ich eben so entstanden bin und dann von der problematischen Situation anonymer Spenden in Deutschland und dass ich eben deshalb bisher keine Möglichkeit hatte, zu erfahren wer mein Erzeuger ist.
    Mit anderen Spenderkindern unterhalten wir uns natürlich ausführlicher über die Thematik, unsere Ziele und unser weiteres Vorgehen, über Medienanfragen, neue Studien und Artikel zum Thema, etc..

    6. Nein, ich fühle mich mit meinem Wissen nicht "anders" oder "ausgegrenzt", nur eben so, wie oben beschrieben. Alle Nicht-Betroffenen, mit denen ich bisher über das Thema gesprochen habe und die wissen, dass ich durch eine anonyme Samenspende entstanden bin, konnten sich erstaunlich leicht in meine Situation hineinversetzen und den Wunsch, seinen Erzeuger zu kennen, gut nachvollziehen. Ärzten und Eltern gelingt das bei weitem nicht so gut - ich habe den Eindruck, die eigene Beteiligung macht sie deutlich befangen.

    7. Die Mutter, die ihre beiden Kinder aus einer anonymen EIzellspende bekommen hat und ihnen nun nicht sagen möchte, dass sie Abfallprodukte gewesen seien, und ihre Kinder deshalb wahrscheinlich gleich gar nicht aufklären möchte, sollte meine Antwort zu 1 lesen. In Kurzfassung: Klärt sie die Kinder nicht auf, bevormundet sie sie. Eine anonyme Spende anzunehmen und durchzuführen ist eine weitere Bevormundung, die die Persönlichkeitsrechte des entstehenden Kindes/Menschen verletzt, leider liegt es immernoch im Ermessen der Eltern und Ärzte sich für diese Bevormundung zu entscheiden. So.
    Der im obigen Fall beschriebenen Mutter würde ich jedoch raten, sich erstmal zu überlegen, warum sie sich für "Abfallprodukte" entschieden hat. Vielleicht findet sie dann ein paar positivere Worte bei der Aufklärung ihrer sicherlich liebenswerten Kinder.
    Ansonsten bleib natürlich meine Meinung: Keine anonymen Spenden!
    Ich kann mir vorstellen, dass ungewollte Kinderlosigkeit einen zu vielem befähigt, aber man sollte nur so weit gehen, dass man sich hinterher nicht zu verstecken braucht, nicht vor dem entstandenen Kind und nicht vor sich selbst.

    8. Ja, Embryonenspende kann durch gespendete Eizellen und gespendeten Samen entstehen. Es gibt dann eine Spenderin, einen Spender und eine austragende Mutter, die das Kind dann wahrscheinlich noch für ein weiteres Paar oder auch Nicht-Paar austrägt. Dann müsste in der Abstammungsurkunde, die mittlerweile durch einen Registerausdruck ersetzt wurde meiner Meinung nach die Spenderin, der Spender und die austragende Frau eingetragen, in der Geburtsurkunde finden sich dann die sozialen Eltern. Der logistische Aufwand lässt sich bewältigen, alles kein Grund für Anonymität.
    Oder war die Frage gemeint, was ich ethisch davon halte? Da kann man jetzt Seitenweise lamentieren, mein Statement: Kinderkriegen ist kein Kuchenbacken.

    9. Von vorproduzierten Embryonen halte ich natürlich nichts. So weit ich weiß, dürfen in Deutschland keine Embryonen auf Halde produziert werden, ganz zu schweigen von irgendwelchen eugenetischen Vorstellungen, denen durch mangelnde Gesetze in Deutschland Tür und Tor geöffnet sind, was ich - mal wieder - für unverantwortlich halte. Theoretisch kann ein einzelner Reproduktionsmediziner nur noch blonde, blauäugige - oder lieber dunkelhaarige und braunäugige?- Babies produzieren - oder nach sonstwelchen Kriterien schalten und auswählen, wie er mag. Ich halte diese Situation für höchst bedenklich und nach einer gesetzlichen Regelung schreiend. Ist das eine Antwort auf die Frage?
    Ich kann mir vorstellen, dass die Kosten - so pervers es klingen mag - für viele Paare mit Kinderwunsch ausschlaggebend sind. Aber ich frage mich, welche Eltern bereit sind, einen niedrigen Preis auf Kosten ihres Kindes zu bezahlen? Da machen die Eltern quasi nur die Anzahlung und die wahren Kosten trägt das Kind dann selbst? Na das sind mir schöne Eltern!

    10. So, und nun noch kurz zur letzten Frage, wie Eltern Aufklärung am besten machen können - oder bezog sich das nur auf diese Sondermüllkinder?
    Egal, ich sehe da keinen großen Unterschied bei der Aufklärung. In jedem Fall bin ich für Aufklärung, wie oben unter 1. und 7. beschrieben, um die Kinder nicht zu bevormunden und die Persönlichkeitsrechte der Kinder zu achten.
    Aufklärung, ja, aber wie - das ist also die Frage.
    Studien haben gezeigt, dass eine frühe Aufklärung anzuraten ist, um dem Kind eine möglichst kontinuierliche Identitätsentwicklung zu ermöglichen.
    Dazu gibt es für Samenspende ein Bilderbuch von Dr. Petra Thorn, das ist für kleinere Kinder, also durchaus im Kindergartenalter. Kinder verstehen sowas meistens besser als man sich vorstellt.
    Detailliertere Fragen beantworte ich gerne persönlich, ich bin zu erreichen mit einer Nachricht an anne(at)spenderkinder.de.

    Anne

  • Aufklärung EZS

    • DI-Kind
    • 30. Oktober 2009 um 21:24

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo,

    ich bin ein Kind, das durch eine heterologe Insemination, also eine Fremdsamenspende entstanden ist. Der Begriff "Kind" soll in diesem Zusammenhang natürlich nur die Relation zu meinen Eltern ausdrücken - ich bin 25 Jahre alt und längst erwachsen geworden. Es hat mich sehr gefreut den vorigen Beitrag von Frowlein zu lesen, zeigt er doch, dass Ihr Euch Gedanken um das Wohlergehen Eurer Kinder macht und darüber, ob es ihnen aufgeklärt oder unaufgeklärt besser geht.
    Die Eizellkinder sind in den meisten Fällen wohl noch zu klein um ihre Meinung dazu zu äußern, deshalb finde ich es sehr naheliegend und vergleichbar, sich mit Studien und Erfahrungen zur Aufklärung von Spenderkindern zu beschäftigen.
    Ich möchte Euch als Spenderkind Mut dazu machen, den Kindern ihre Herkunft nicht vorzuenthalten. Oft wirkt es auf mich so, als wenn dabei die Furcht der Eltern vor Ablehnung oder Zerstörung eines vermeintlichen Familienidylls ein ehrliches Abwägen beeinträchtigt.
    Ich rechne es meinen Eltern sehr hoch an, dass sie den Mut aufgebracht haben, mich aufzuklären (ich war damals 10 Jahre alt) und schätze es als großen Vertrauensbeweis, dass sie mir zutrauten, verantwortungsbewusst mit dem Wissen umzugehen, sowie ein Zeichen des Respekts vor mir, als Mensch. Alle "Kinder" werden ja schließlich irgendwann erwachsen und dann ist Nicht-Aufgeklärtsein ganz schlicht eine Bevormundung durch die Eltern, die sich das Recht herausnehmen, einfach zu entscheiden, was ihr "Kind" über sich selbst wissen darf und was nicht.
    Wenn es dann zufällig herauskommt (und dafür gibt es mindestens genauso viele Beispiele wie für freiwillige Aufklärung), dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern-Kind-Beziehung nachhaltig beeinträchtigt ist, wesentlich höher, weil das erwachsene Kind gleich doppelt erschüttert wird: Zum einen ist es schwer, den Eltern weiter zu vertrauen, die einem etwas so elementares verschwiegen haben. Zum Anderen muss das Kind seine Identität neu hinterfragen, die, je älter der Mensch ist, umso gefestigter ist. Zu erfahren, dass ein weiterer Mensch an der eigenen Entstehung beteiligt war, ist etwas grundlegendes. Deshalb bedeutet es eine Erschütterung der Grundfesten der Identität, wenn man es erfährt. Es bedeutet, dass das zugrundegelegte Fundament so nicht tragfähig ist und dann muss die Basis der Identität erstmal neu gefunden werden.

    Das wollte ich aus meiner Perspektive noch ergänzt haben - hoffentlich bin ich nicht zu vehement geworden, es ist mir nur so ein dringendes Bedürfnis, die Situation und Gefühle vieler Spenderkinder, die die Erfahrung gemacht haben einen biologischen Elternteil nicht zu kennen, deutlich zu machen und Euch damit darin zu bestärken, Eure Kinder aufzuklären, um sie nicht zu bevormunden und möglichst früh damit anzufangen, um Eurer Familie ein nachhaltig gutes Verhältnis zu ermöglichen und Euren Kindern eine Identitätsbildung ohne Komplikationen.

    Anne

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