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  1. Dein Kinderwunschforum – Erfahrungsaustausch & Expertenantworten für Deinen Weg zum Wunschkind! 💬🩺
  2. Psychische Aspekte
  3. Aufklärung der Kinder - OFFENER BEREICH

Aufklärung EZS

  • frowlein
  • 7. Oktober 2009 um 12:05
  • frowlein
    Blastozyste
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    • 7. Oktober 2009 um 12:05
    • #1

    Für diejenigen unter Euch, die das Thema interessiert und/oder in der Entscheidungsfindung stecken:

    "Psychologen empfehlen heutzutage den Eltern, den Kindern die Wahrheit über ihre Entstehungsweise so früh wie möglich mitzuteilen. Das Hauptargument ist, dass gute und stabile Beziehungen zwischen Menschen langfristig am besten funktionieren, wenn sie auf Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen aufbauen. Geheimnisse und Täuschungen vertragen sich hiermit nicht gut und können Stress und Beklemmung verursachen. Dies wirkt sich auch auf die Kommunikation innerhalb der Familie aus, da das Geheimnis nur unter der Voraussetzung bewahrt werden kann, dass es bei den Geheimniswahrern immer präsent ist. So bleibt bei den Eltern immer die offene Wunde, ob das Kind sie auch akzeptieren würde, wenn es von seiner Zeugungsart wüsste. Nicht zuletzt können die wenigsten Geheimnisse für immer bewahrt werden. Gerade die Enthüllung durch Dritte kann die Familienverhältnisse irreparabel beschädigen. Gegen Geheimhaltung spricht weiterhin, dass medizinische Fehldiagnosen möglich sind, wenn die Gesundheitsinformationen des nicht-genetischen Elternteils für eine Behandlung des Kindes angegeben werden.

    Die Empfehlung lautet dabei, es den Kindern so früh wie möglich mitzuteilen. Bei einer Enthüllung ab dem Alter von 10 bis 12 Jahren wird ein negativer Einfluss dieser Information vermutet. Zwar können Kinder durchschnittlich erst ab dem Alter von sieben die Bedeutung von biologischer Vererbung verstehen, aber die Informationen, die dem Kind früh mitgeteilt wurden, werden später einfacher verstanden und akzeptiert. Dr. Petra Thorn sagt dazu: "Wenn Eltern souverän und selbstsicher mit der Zeugungsart umgehen und mit ihrem Kind offen darüber sprechen, wird sich diese Selbstsicherheit auch auf das Kind übertragen. Für das Kind wird es gewissermaßen zu seiner Normalität, die es anderen gegenüber gut vertreten kann. Sollten tatsächlich einmal verunsichernde Reaktionen von Außenstehenden kommen, so können Kinder, die eine gewisse Selbstsicherheit haben, damit umgehen. Selbst wenn sie mit deutlich negativen Reaktionen konfrontiert sind, wissen sie, dass sie mit ihren Eltern darüber sprechen können und von ihnen aufgefangen werden."

    Die Eltern, die ihren Kindern die Wahrheit sagen, machen dies aus verschiedenen Gründen. Teilweise haben sie mitbekommen, wie aufgebracht adoptierte Kinder waren, wenn sie diese Tatsache von Außenstehenden erfahren haben. Die Erfahrung von den Eltern, die ihren Kindern die Wahrheit gesagt haben, ist, dass es manche Fragen löst, aber andere aufwirft, die besonders bei anonymen Spendern nicht gelöst werden können. Im Nachhinein beurteilen jedoch alle Eltern es als richtig, es den Kindern gesagt zu haben. Damit umzugehen und darüber zu reden, bliebe jedoch eine lebenslange Aufgabe.

    Grund für die Geheimhaltung der Abstammung ihrer Kinder aus einer (Samen)spende ist vor allem die Angst, dass das Kind den nicht-genetischen Elternteil ablehnen oder nicht gleich akzeptieren würde. Weiterhin soll das Erscheinungsbild einer normalen Familie gewahrt bleiben und dem nicht-genetischen Elternteil das Bekanntwerden der Unfruchtbarkeit erspart werden. Dem Kind sollen negative Gefühle wegen seiner Erzeugungsweise und der Nichtkenntnis der genetischen Abstammung erspart bleiben.

    Gerade heterosexuelle Familien tendieren dazu, völlige Normalität vorzutäuschen und möchten den Kindern deswegen die Umstände ihrer Zeugung nicht enthüllen. ........ Ein anderer Grund für die Geheimhaltung ist Scham über Unfruchtbarkeit.

    Eine Studie aus dem Jahr 2000 von Turner und Coyle, an der 16 DI (Donogone Insemination, Anm. frowlein) -Kinder im Alter zwischen 20 und 55 aus Großbritannien, Kanada, den USA und Australien teilnahmen, fand heraus, dass die zurückgehaltenen Informationen über ihre Entstehungsweise entscheidenden Einfluss auf diese Erwachsene hatte. ..... Die Autoren der Studie zogen aus ihren Ergebnissen den Schluss, dass Geheimhaltung in Familien den Kindern schadet und dass Kinder verborgene Hinweise aufnehmen und erkennen. Die Autoren der Studie weisen allerdings selbst auf die Selektivität ihrer Studie hin, da die Teilnehmer aus Selbsthilfegruppen in verschiedenen Ländern rekrutiert wurden. Die Reaktionen und Erfahrungen entsprechen jedoch den Reaktionen und Kommentaren von Adoptivkindern, denen aus welchen Gründen auch immer der Zugang zu genauen Informationen über ihre Abstammung ebenfalls verweigert wird. "

    Quelle: http://www.spenderkinder.de

    Diese Artikelauszüge beziehen sich zwar in der Hauptsache auf Samenspendekinder, die Thematik ist allerdings vergleichbar derer von EZS- und/oder EmbA- Kindern.

    Bei uns läuft´s bis dato sehr unspektakulär. Beginn der Aufklärung mit ca. 4 Jahren. Mit jetzt 8 Jahren verstehen sie schon, dass Haar- und Augenfarbe nicht von mir sein KÖNNEN (auch, wenn´s danach aussieht..;) ), aber "das, was in uns innen drin ist, haben wir nur von Dir, Mama".
    Überhaupt finden es diese kleinen Philosophen "ganz schön cool, dass Dir ´ne andere Frau ´n paar von ihren vielen Eizellen abgegeben hat."
    Ergänzung des Einen mit frechem Grinsen: "UND, dass das zum Glück ja auch so gut funktioniert hat, stimmt´s?!!" :D

    Ja, das finde ich auch!

    frowlein

    Bj.62, POF dx 1999,
    EZS IVI
    Ostern 2000: neg.
    Okt. 2000 --> Zwillinge 06/01 (Ende 36.SSW, 1x spontan, 1x Notsectio)

  • Baby_mit41
    4-Zeller
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    • 7. Oktober 2009 um 12:54
    • #2

    Re: Aufklärung EZS

    Liebe Frowlein,

    sehr interessant...hatte dieses Thema, welches in diversen anderen Threads ja auch schon ausgesprochen kontrovers diskutiert worden ist für mich innerlich schon entschieden, bin jetzt aber wieder ein wenig am wankeln... finde es spannend, wenn du von den Erfahrungen mit deinen Kindern berichtest. Meine Hemmschwelle liegt ein wenig darin, dass EZS viel weniger in der Öffentlichkeit "akzeptiert" ist. Bei Samenspende wissen die Leute seit vielen vielen Jahren dass es das gibt und manche den Weg gehen. Und selbst da kann ich mir vorstellen, dass es von aussen zu verletzenden Situationen kommt. "Der Papi ist ja gar nicht dein Papi..."

    Aber die EZS wird ja leider - wenn von ihr berichtet wird - häufig als eine Art "last resort für Frauen, die ihre fruchtbare Zeit mit Karriere verbracht haben und jetzt unbedingt als Sahnhäubchen noch eine Familie gründen wollen, obgleich es ihnen biologisch nicht mehr beschieden ist" dargestellt. Zudem gibt es etliche Berichte in denen die Spenderinnen so dargestellt werden als würden sie ausgenutzt und darüberhinaus noch ihre eigene Fruchtbarkeit riskieren. Wir haben hier Beispiele von sehr sehr tendentiöser und "moralinsäurer" Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen diskutiert....Von der ethischen Diskussion bzw. den Vorbehalten die in der Bevölkerung sogar der "regulären künstlichen Befruchtung" gegenüber teilweise existieren mal ganz zu schweigen. Ich habe Freundinnen, die Fruchtbarkeitprobleme haben und für die alles was invasiv ist, schlichtweg nicht in Frage kommt. Von der Generation der Eltern und Großeltern mal ganz abgesehen (entweder es klappt oder es soll halt nicht sein....)

    Dass es für die Kinder in dem Alter gut zu verkraften ist, kann ich mir vorstellen, aber ich frage mich, was passiert in der Praxis, wenn deine Kinderlein im Kindergarten über ihre ungewöhnliche Entstehunggsgeschichte berichten, was sagen die Großeltern, andere Verwandte / Freunde? Das halte ich nämlich durchaus für schwierig. Und kann ihre Vorbehalte sogar nachvollziehen. Bevor ich angefangen habe mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen hatte ich da selber so meine Zweifel und ich habe mehr als ein Jahr und viel viel Zeit der Auseinandersetzung benötigt, bevor ich mir sicher war, dass dies der Weg ist, den ich mir vorstellen kann...

    Würde mich über Erfahrungberichte von dir und anderen Müttern, die schon so weit sind, dass sie ihre Kinder "aufgeklärt" haben freuen!
    Alles liebe,
    Baby

  • frowlein
    Blastozyste
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    714
    • 7. Oktober 2009 um 13:54
    • #3

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo, liebe Baby,

    ja, ich gebe Dir Recht, die Berichterstattung dürfte um einiges differenzierter ausfallen.

    Aber letztlich auch das Verhalten von uns EZS/EmbA-Eltern trägt - nachwievor- nicht unerheblich dazu bei, in der Öffentlichkeit das Bild von selbstsüchtigen KiWu-Freaks zu manifestieren.
    (Ich habe für diese meine Meinung hier schon früher häufig ordentlich Prügel bezogen, bleibe aber dabei.)

    Zuallererst ist es zunächst unser eigener Umgang mit EZS / EmbA, der die Wahrnehmung anderer, also auch der Öffentlichkeit und der Medien, bestimmt. Wer sich für Geheimhaltung entschieden hat, kann keinen offenen Umgang mit dem Thema führen oder gar erwarten!

    Umgekehrt, und hier knüpfe ich an Deinen Beitrag an, habe ich durchweg positives feedback auf meine offen kommunzierte Wahl der Familiengründung erfahren, konnte aufgrund meiner Offenheit auch schon anderen Paaren helfen und hatte vor Allem Rückhalt, Unterstützung und Verständnis aus allen Richtungen (Familie, Freunde, Job) während meiner Hibbelzeit. Das mag eine Ausnahme gewesen sein; ich habe aber - außer ständiger Vermutungen - noch von niemandem etwas anderes aus persönlicher Erfahrung berichtet bekommen. Das hängt sicherlich - wie oben schon beschrieben - mit dem eigenen Umgang zum Thema und dem dann damit verknüpften Auftreten zusammen. Ich bitte ja nicht um Stellungnahmen, ich teile nur eine von mir getroffene Entscheidung mit.
    Ich bin überzeugt von dem, was ich tue, und das wiederum überzeugt andere.


    Und genauso verhält es sich mit meiner "Aufklärungsarbeit" bei meinen Jungs: Ich bin überzeugt davon, mit der EZS das Richtige getan zu haben. Folgerichtig gibt es für mich keinen Grund, ausgerechnet dem "Ergebnis" dieser Entscheidung nichts davon zu sagen. Der Umkehrschluss wäre doch verheerend.

    Meine Kinder haben den Kindergarten schon hinter sich, sind jetzt in der 3. Klasse. NIE haben ich oder meine Kinder irgendeine negative Reaktion erlebt. Im Gegenteil: "Mensch, das ist ja ne tolle Sache. Ich wusste gar nicht, dass es so auch geht. Darf ich das meiner Freundin/Schwester/Schwägerin erzählen? Meine Kinder sind auch durch eine künstliche Befruchtung entstanden." Diese Reaktions-Liste lässt sich beliebig weiter führen.

    Einmal gesagt, langt´s dann auch.

    Und ob und/oder wem es die Kinder erzählen... nun, das sollen sie zukünftig selbst entscheiden. Meine Beobachtung dazu ist allerdings die, dass dieses Thema für sie nicht mal annähernd die Relevanz besitzt, um es zum Gesprächsgegenstand mit anderen werden zu lassen. Tagesthemen wie "Das magische Baumhaus", LEGO Star Wars, das bestandene Schwimmabzeichen, die nahenden Herbstferien... sind von entschieden wichtigerer Bedeutung!

    Unspektakulär. Normal.

    Genauso also, wie wir uns doch alle die Wahrnehmung als EZS/EmbA- Familien wünschen. Doch dazu müssen wir selber erstmal zu einem unverkrampften und offenen Umgang mit dem Thema bereit sein.

    Ich glaube, ich hab´s bisher ganz gut hin gekriegt. FÜR meine Kinder!

    frowlein

    Bj.62, POF dx 1999,
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  • frowlein
    Blastozyste
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    • 7. Oktober 2009 um 18:15
    • #4

    Re: Aufklärung EZS

    Korrektur:

    die benannte Quelle lautet korrekt: http://www.spenderkinder.de (Ich hatte daraus SpendeNkinder gemacht, sorry.)

    Dort findet Ihr auch links auf weiterführende Publikationen, Organisationen und Berichte von betroffenen KINDERN!


    Und zur Definition "richtiger Papi" möchte ich mal eine schon gut 2 Jahre alte Aussage von einem meiner Ableger zitieren: "Ein Papa ist einer, der sich kümmert."

    BINGO! - die Weisheit eines 6-jährigen. (wahlweise natürlich auch anwendbar auf Mamas.. :)


    Ganz schön groß, die Kleinen!


    frowlein

    P.S.:
    Hier noch was zum Anschauen und zu meiner These, wonach die öffentliche Wahrnehmung auch was mit öffentlicher Darstellung zu tun hat: http://www.thurnfilm.de/player_ein_kind_um_jeden_preis.html

    Wer nach vielen Jahren unzähliger erfolgloser Versuche vor laufender Kamera erklärt, so lange immer weiter machen zu wollen, "wie das Geld reicht", und dem Zuschauer aus dem Off dann über mehrere Kinder dieser Person aus vorhergehenden Beziehungen berichtet wird, erweist der EZS-Sache doch einen Bärendienst. Dass es sich dabei auch noch um Repräsentanten von EZS-/EmbA-Eltern-to-be handelt, macht´s noch schwerer für Außenstehende, Verständnis aufzubringen und näher/differenzierter hin zu schauen.
    Eine beispielhafte Aufarbeitung des Themas "Abschied vom Kinderwunsch" hätte hier viel an Boden "wieder gut machen" können.
    Und wer abstreitet, dass es Fälle gab (gibt?), in denen Spenderinnen Überstimulationen und damit Infertilität und Schlimmerem ausgesetzt waren (sind?), leugnet leider damit auch die Schattenseiten der EZS-Medaille und bietet Hetzern und Dummschwätzern eine wunderbare Steilvorlage.

    Zum offenen Umgang mit Eizellspende und Embryoadoption gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit heiklen Themen wie z. Bsp. der Frage nach der Gesundheitsbeeinträchtigung für Spenderinnen oder dem Vorwurf der Geschäftemacherei, des "Babytourismus", um die berechtigte Forderung nach einer ernsthaften Anerkennung von EZS/EmbA- Familien erfolgreich durchzusetzen.

    Manche von Euch mögen (immer noch) denken: "Ach, lass mich doch damit in Ruhe. Hau ab aus diesem Ordner. Mich interessieren nur HCG, Follikel-Zahl, TF- Datum, Medis und SST. Hauptsache, ICH werde schwanger. Vielleicht mache ich mir dann später Gedanken darüber."

    Ich hab´s halt vorher getan. Dazu fühlte ich mich meinem Gewissen UND meiner (anonymen) Spenderin verpflichtet. Jetzt auch meinen Kindern.

    Bestimmt auch ein Grund, warum ich ganz entspannt damit umgehen kann.... und auch deshalb keine Veranlassung habe, meinen Kindern irgendetwas vorzuenthalten.

    frowlein

    Bj.62, POF dx 1999,
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  • nadja
    4-Zeller
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    55
    • 7. Oktober 2009 um 21:07
    • #5

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo Frowlein,
    danke für diesen Beitrag!!!
    Genau wie du seh ich das auch.

    Ich denke, dass sehr viele Frauen sobald sie schwanger sind, ganz schnell vergessen möchten, wie das Kind entstanden ist und deswegen vieles verdrängen.

    Es ist aber sehr schade, dass in den meisten Fällen Eltern ihren Kindern gar nicht sagen könnten, wer die genetische Mutter ist. Das Recht auf das Wissen über die eigene Abstammung halte ich aber schon für einen sehr wichtigen Punkt.
    Möchte niemanden kritisieren, der anonyme EZS macht (so viele nicht-anonyme Spenderinnen würde es vermutlich nicht geben), aber ich persönlich hätte da moralische Skrupel. Möchte dem Kind einfach irgendwann sagen können, deine Mutter ist xy und hier ist die Adresse.

    Nadja

  • Curry
    Eizelle
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    12
    • 8. Oktober 2009 um 00:42
    • #6

    Re: Aufklärung EZS

    hallo frowlein,
    danke für diesen sehr interessanten Beitrag. Ich habe hier noch nicht so viel von Müttern älterer EZSP-Kinder gelesen, das fand ich immer schon schade. Wenn die Babys frisch geschlüpft sind, liest sich alles immer so leicht, interessant sind aber gerade die Langzeit-Erfahrungen. Du scheinst sehr souverän und deiner Sache sehr sicher zu sein. Das ist sicher gut für die Kinder.
    Ich habe selbst neulich in meiner KiWu-Praxis, die in Sachen EZSP mit einer Klinik im Ausland kooperieren, gemerkt, wie entwaffnend Offenheit sein kann. Dort bin ich im Wartezimmer mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die mit ihrer Tochter da war, die ganz anders als die Mutter aussah. Ich sagte, die Kleine kommt wohl nach dem Papa und erhielt als Antwort: "Nein, überhaupt nicht, sie muss nach ihrer genetischen Mutter kommen, es war eine Eizellspende." Ich war einen Moment baff und habe dann gesagt, dass sie aber sehr offen mit dem Thema umginge. Die Antwort: "Natürlich, warum denn nicht. Ich bin 50 und das Kind ist zweieinhalb. Unser erster Sohn ist vor zehn Jahren bei einem Motorradunfall gestorben." Danach spielte das Thema EZSP keine Rolle mehr.
    Ich bin auch in der Entscheidungsfindung, aber es ist schon eher eine Grundsatzfrage (aufklären oder die EZSP sein lassen), denn ich glaube (leider) nicht, dass ich noch so sehr die Wahl habe: die Gefahr, dass die Kinder in 20 Jahren die Wahrheit leicht durch genetische Tests erfahren werden, ist heutzutage einfach zu groß, insbesondere bei Müttern über 40 liegt dann der Verdacht nahe, dass...

    Nadja: ich glaube nicht, dass es in 10, 20 Jahren noch anonyme EZSP geben wird. Ähnlich wie beim Thema Adoption wird man dann aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Diese medizinische Möglichkeit gibt es noch nicht so lange, die heutigen EZSP-Kinder werden später ihre eigene Lobby sein und sich dafür einsetzen, dass es nur noch die offene EZSP gibt. Auch viele russische und tschechische Ärzte wären dafür, können aber aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage in ihrem Land gar nicht anders handeln.

    LG Andrea

  • frowlein
    Blastozyste
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    • 8. Oktober 2009 um 08:11
    • #7

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo, Nadja,
    Hallo, Andrea,

    ganz im Ernst? Als ich eben die site aufrief, dachte ich so bei mir im Stillen: "Na, wie viele fallen wohl diesmal über mich her?". Welch´ angenehme Überraschung erwartete mich stattdessen. :balloon:

    Also hat sich doch was getan. Das freut mich sehr. Ein guter Weg.

    Immerhin bin ich ja schon über 10 Jahre dabei, habe meine ersten Infos noch über Mund-zu-Mund-Propaganda und aus veterinär-medizinischen Studien ( :o kein Scherz!) und von den Frauen auf englisch-sprachigen boards erhalten.

    Schon damals war ich der festen Überzeugung, dass niemand (auch EZS/EmbA- Eltern nicht) das Recht hat, einem anderen Menschen (hier: dem eigenen Kind!!) ein für alle anderen Menschen selbstverständliches Grundrecht (so formuliert es auch die Internationale Menschenrechtskonvention) abzuerkennen.

    Leider, da stimme ich Dir zu, Nadja, gibt es (noch!) so wenige offene Spenderinnen. Bevor ich aber damals nach Amerika gegangen wäre, wo mir der Umgang mit dem Thema Spenderinnenauswahl überhaupt nicht behagt(e), entschied ich mich für Spanien. Dort gab / gibt es eine Archivierungspflicht für die Spenderunterlagen, eine Ethikkommission, rechtsverbindliche Verträge. Ähnlich, wie von Dir, Andrea, für Russland und Tschechien beschrieben, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann die ersten Kinder auf Öffnung der Akten klagen, unterstützt von dies befürwortenden Ärzten. Denn längst nicht jeder Reproduktionsmediziner ist nur auf´s Verdienen aus nach dem Prinzip "nach mir die Sintflut" oder "der Eltern Wille sei ihr Himmelreich". Einige von uns haben doch schon sehr verantwortungsbewusste Vertreter in weiß kennen gelernt.

    Klar, einige der Leser hier werden jetzt denken: "Erst recht ein Grund, den Kindern nichts zu sagen!". Denen möchte ich zu bedenken geben: "Unterschätzt nicht die feinsten Seismographen, die es gibt!"

    Geht offen mit Eurem Weg um. Darauf haben nicht nur Eure Kinder ein Recht, sondern Ihr selber auch!
    Das soll ja nicht heißen, dass Ihr´s jedem unter die Nase reibt oder Interviews darüber gebt.

    Liebe Andrea, lass nicht ab von Deinem Kinderwunsch. Es braucht mehr verantwortungsbewusste Mütter-to-be wie Dich und Nadja, damit ein Umdenken stattfindet. Es hat ja schon begonnen!

    Ich bin da ganz zuversichtlich. :lupe:


    Für alle Anderen noch mal mein Tipp: Lest, was die betroffenen Kinder selber darüber sagen, denn deren Wohl liegt Euch doch ganz besonders am Herzen, ODER???

    Hierzu noch ein Auszug aus einem Aufsatz vom 13.08.2009 der britischen Philosophin Prof. Brenda Almond, Präsidentin der Philosophischen Gesellschaft von England:

    "Nevertheless, whatever the arguments often deployed in relation to other issues concerning the status of the embryo, equity in the preservation of personal identity has not received as much attention as the rights of adults to fertility treatment. The new controllers of the necessary ingredients of reproduction may well consider that their own responsibility ends with a pregnancy. But resulting from these global transactions are children who, abstracted from their genetic roots, have become the new dispossessed.

    Some of these will not be troubled by this, but others may come to feel, as they themselves reach adult life, that rights they consider important, and that other people enjoy, were taken away from them by actions and decisions made by other people before they were born."

    Ich habe mir erlaubt, den mir persönlich am Wichtigsten erscheinenden Satz hervorzuheben.


    Den ganzen Artikel findet Ihr unter
    http://www.mercatornet.com/articles/view/…_to_a_heritage/


    Ich bin froh,
    dass ich mich und meine Kinder vor nichts und niemandem "verstecken" muss,
    dass ich nicht ständig befürchten muss, dass irgendetwas "raus kommt",
    dass ich schon erlebt habe, wie unbegründet die hier so oft angeführten "Befürchtungen" sind,
    dass ich meinen Kindern die Menschenrechte bewahre, die mir selber selbstverständlich und wichtig sind!

    Wir entscheiden, dass unsere Kinder geboren werden, aber wir haben nicht das Recht, ihnen einen Teil ihrer Identität zu nehmen!

    frowlein

    Bj.62, POF dx 1999,
    EZS IVI
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  • sofi
    Morula
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    • 8. Oktober 2009 um 09:15
    • #8

    Re: Aufklärung EZS


    D A N K E !!!!!!

    Endlich finde ich Einträge, die das ansprechen, was in meinem Kopf kreist und mich nicht ruhen lässt.
    Wir haben zwar noch einige Monate vor uns bis zur ersten EZS aber ich möchte mir eigentlich vorher schon im klaren sein, wie ich damit umgehen
    soll/will. Mein Mann dagegen will sich jetzt keine Gedanken machen und erst danach sehen und entscheiden. "Kommt Zeit, kommt Rat" sagt er.
    In den vergangenen Monaten habe ich schon oft meine Meinung geändert und zwar aus Angst vor den Folgen.
    Ich weiss jedoch, dass ich mit so einer Lüge nicht leben könnte.
    Aber was mache ich, wenn das Kind später Informationen über seine genetische Herkunft haben möchte?
    Es wird ja nicht die Möglichkeit haben auch nur ein Foto der EZ-Spenderin zu sehen. Wie wird es damit klar kommen?

    EZS GENNET, Prag
    Blastozysten-Transfer 01.12.10
    Zwillinge!Mädchen&Junge! KS Termin 28.07.2011
    Termin erreicht! Kinder gesund! alles gut!

  • frowlein
    Blastozyste
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    • 8. Oktober 2009 um 11:10
    • #9

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo, Sofi,

    interessanter Aspekt, den Du da außerdem ansprichst: Das Verhalten der nicht direkt betroffenen = noch zeugungsfähigen Partner. Lies doch mal hier: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dr…;art705,2445996

    Der Artikel trägt die Überschrift "Bestellte Kinder" und handelt von KiWu-Behandlung mit Samenspende und deren Folgen. Auffällig: die Ausgrenzung der "Bedürfnisse" bzw. der Gemütslage des zeugungsunfähigen Elternteils. Wobei bei uns EZS/EmbA-Müttern die Sache noch etwas anders liegt, da wir ja durch Geburt und Schwangerschaft aktiv "dabei" sind.

    Ich weiß noch, dass ich die eine oder andere "graue Stunde" hatte bei dem Gedanken an meine "mütterliche Wertigkeit". Natürlich unmittelbar nach der Diagnose POF = "kein Kind mehr in diesem Leben", aber auch während meiner Schwangerschaft. "Bin ich nur ein Gefäß, eine Brutmaschine? Was bin ich?" Diese Phasen hielten nicht lange an, traten höchstens 2- 3mal auf, aber: ich hatte sie. Es ging also um MEINE Identität.

    Ich bin ..... , Tochter von .... und ..... , bin 47 Jahre alt, kreativ, gebildet, musikalisch, sabbelsabbel.... und ich bin die MUTTER von x und y, beide 8 Jahre alt.

    Die andere Frau ist für mich "nur" die Spenderin. Wie gesagt: für mich. Welche Bedeutung meine Kinder dieser Frau zumessen, werde ich erfahren. Sollten meine Jungs die Absicht haben, mehr über sie heraus zu finden, werde ich sie dabei unterstützen.

    Und nun, liebe Sofi, sind wir bei Deinen Fragen und Überlegungen:

    Zunächst mal (da Du ja die Klinik schon gewählt hast) sammele und archiviere alles an Informationen, was Du bekommst / bekommen kannst. Kläre, ob und welche Archivierungsvorschriften die Klinik, das Land hat. Rechnungsnummern sind wichtig. Buchungsbelege. Riskiere ruhig mal einen heimlichen, neugierigen Blick auf/in Deine Akte oder den Bildschirm, ob Du eine Fallnummer erspähen kannst. Stelle Fragen nach der Spenderin, die die Ärzte auch bei anonymen Spenderinnen beantworten dürfen, wie etwa die, ob es mögliche Halbgeschwister gibt und wie viele. Frag ruhig nach besonderen Merkmalen, Talenten oder der Ausbildung. Bitte - im passenden Moment - um eine persönliche Einschätzung zur Person der Spenderin wie etwa, ob sie hübsch, sanft, offen, musikalisch, fröhlich, ernsthaft, zurückhaltend oder eher "tough" ist, aus welchem Teil des Landes sie kommt, ob sie selbst eine große Familie hat... undundund. Mach Dir Notizen.
    Auch, wenn wenig dabei herauskommt, dokumentiere auf diese Weise für Dein Kind, dass Du es schon vor seiner Zeugung für so wichtig erachtetest, dass Du Dir auch über diesen wichtigen Teil seiner Bedürfnisse Gedanken gemacht hast. Dass Du es auch bei möglicherweise eigenen Nachforschungen unterstützen wirst, weil Du VERSTEHST, warum dieses Wissen für es wichtig ist/sein könnte.
    Vielleicht schreibst Du ja auch ein paar Zeilen dazu an Dein -noch- ungeborenes Kind. Einige von uns haben auch eine Art Tagebuch während dieser Zeit geführt. Eine schöne Idee, wie ich finde. Und auch eine Möglichkeit, um später mal sagen zu können: "Hier, lies mal. So sah es damals in mir aus. Diese Gedanken habe ich mir um Dich und Deine Zukunft gemacht und darum, ob ich alles richtig mache." Es gibt kaum etwas Eindrücklicheres als diese ganz persönlichen Momente des Kinderwunsches, des Zweifelns, der Sehnsüchte und der Vorfreude, Deine Gedanken, die über viele Jahre auf diese Weise erhalten wurden. Vielleicht kannst Du auch Deinen Mann dazu animieren, SEINE Gedanken über dieses Kind, die Tatsache einer "anderen Frau", seine Mit-Gefühle für Dich während dieser Zeit, in ein paar ganz persönliche Zeilen zu fassen. (Vielleicht mag er sie Dir dann aber nicht zeigen, das solltest Du respektieren.)

    Macht Eurem Kind das Geschenk des Lebens. Seid dabei ehrlich zu Euch und Eurem/n Kind/ern.
    Nie vergessen: Ohne Euch gäbe es sie nicht, sie hat keiner gefragt, ob sie unter diesen besonderen Voraussetzungen "sein" wollten. Darin liegt Eure große Verantwortung.
    Vermittelt Ihnen - auch durch Euren selbstkritischen Umgang mit Eurem Kinderwunsch! -, dass es keine überlegt gewollteren Kinder gibt als sie. Das gibt ihnen die Selbstsicherheit, auch mit wahrscheinlichen Fehlschlägen bei der Spenderinnensuche klar zu kommen.


    Eine Herausforderung, die mich persönlich antreibt, auch in diesem Forum für die Rechte unserer Kinder zu plädieren!


    Schön wäre deshalb auch ein "fester" Forums-Ordner zum Thema "EZS/EmbA - wie sag ich´s meinem Kinde", auf diese Weise kann jeder seinen eigenen Wichtigkeiten entsprechend die Forumsaufteilung nutzen.
    Vielleicht gibt´s ja jemanden unter Euch, der einen -sagen wir mal- weniger belasteten "Draht" zu den Forumsbetreibern hat als ich :rolleyes:, damit dieser Wunsch umgesetzt wird... ??!


    frowlein

    Bj.62, POF dx 1999,
    EZS IVI
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    Okt. 2000 --> Zwillinge 06/01 (Ende 36.SSW, 1x spontan, 1x Notsectio)

  • Wannabe
    Gast
    • 8. Oktober 2009 um 11:57
    • #10

    Re: Aufklärung EZS

    Frowlein,

    viel Herz und Verstand finde ich hier :)
    Ich persönlich wusste von vornherein, dass ich es meinem Kinde sagen werde, nach und nach, wie mein Sohn es versteht. Kenne andere Eltern, die weder ihrer Familie etwas gesagt haben, noch es ihren Kindern sagen wollen, was natürlich vollkommen jedermanns eigene Entscheidung ist. Nur frage ich mich wegen der Familie: würden die dann die Kinder weniger lieben? Was für eine Liebe wäre das dann?? Kinder liebt man doch um ihrer selbst willen, weil sie ein Geschenk sind, jedes einzigartig, einfach wunderbar. Was, wenn die Kinder das irgendwie doch herausfinden?
    Meine Mutter meinte einmal auf Nachfrage einer guten Freundin, ob sie meinen Sohn denn "richtig" als ihren Enkel empfinden würde: "Na er war doch im Bauch meiner Tochter!" :)
    Ich habe auch schon ähnliche Fragen beantwortet von Leuten, denen ich das gesagt hatte, denen ich das sagen WOLLTE! Er ist mein Fleisch und Blut. Ich habe keinen Vergleich, kann mir aber schlechterdings nicht vorstellen, dass ich für ein genetisch "eigenes" Kind (allein dieser Ausdruck ...) irgendwie anders oder mehr empfinden könnte.
    Mein Sohn ist mein Sohn ist mein Sohn.
    Nach und nach werde ich ihm alles erzählen. Ich, seine Mutter wie frau nur Mutter sein kann.
    Wollte das nur eben mal los werden.

    Alles Gute für Euch!

    Wanna

  • Cathrin66
    Blastozyste
    Beiträge
    2.001
    • 8. Oktober 2009 um 12:48
    • #11

    Re: Aufklärung EZS

    Was wenn man/frau so ehrlich zu seinem Kind ist und man dem Kind die genetische Mutter nie präsentieren kann? Wenn die Neugier vielleicht kommt, aber nie befriedigt werden kann?
    Soweit ich weiß, wollen die Spenderin in CZ auch unerkannt bleiben, da hilft auch kein Spähen auf den PC und das herausfinden irgendwelcher Nummern. Vielleicht hat man etwas, aber man kommt dann trotzdem nicht ans Ziel. Stelle ich mir dann auch nicht toll vor.
    Wir gehören hier sicher zu einem großen Teil derer, die noch nicht die Entscheidung getroffen haben - Sagen oder Nicht-Sagen - .
    Ich tendiere momentan noch zu Letzterem so wie mein Mann auch, einfach weil wir uns nicht vorstellen können, das selbst in 10 Jahren die Allgemeinheit so entspannt mit einer EZSP umgeht kann. Außerdem wolle wir nicht, das unser Sohn wie nur "halbfamilienzugehörig" zählt. Wir hatten solche Debatten schon mit Ado-Gedanken. Kenne selbst ein HI Pärchen. Der Vater würde einen Teufel tun, sich zu outen. Vielleicht auch ein bisschen Ego - aber ich kann das auch sehr gut verstehen.

    Irgendwann heißt es dann unter Kindern - dein Vater ist ja gar nicht dein Vater, deine Mutter ist gar nicht deine Mutter - ich weiß nicht.

    Zu diesem Thema bin ich - sind wir - noch völlig gespalten, da ich eigentlich ein wahrheitsliebender Mensch bin. Im Moment fällt es uns schwer, die Vorteile zu finden, wenn wir uns offen legen.

    [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/smilie/tiere/g035.gif]Liebe Grüße von der Löwenmama mit ihrem Löwenrudel [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/smilie/tiere/g035.gif] [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/smilie/tiere/g035.gif]

  • Wannabe
    Gast
    • 8. Oktober 2009 um 13:05
    • #12

    Re: Aufklärung EZS

    Kleiner Löwe,

    ich kann Deine Bedenken verstehen. Bin selbst ohne Vater aufgewachsen, meine Mutter hatte keine Fotos, nichts. Sie hat mir aber immer alles erzählt. Als Teenager war ich unheimlich hinter diesem Thema her, wollte mehr wissen als sie mir geben konnte. Vor einiger Zeit habe ich dann seinen Namen gegoogelt, gab sogar ein Foto. Und? Meine Empfindungen? NICHTS!!
    Dieser Mann ist mir vollkommen fremd. Ich habe keinen Wunsch, ihn kennenzulernen und glaube auch nicht, dass er ihn hätte, selbst wenn ich ihn fragen würde (was würde ich dann sagen. Hallo, Du weißt ja, Du hast noch eine Tochter, das bin ich, möchtest Du mich kennen lernen??)
    Die Neugier kommt bestimmt, darauf bin ich gefasst. Ich glaube auch nicht, dass das dann einfach sein wird, für ihn nicht, für mich nicht. Und natürlich habe ich das nur den Menschen erzählt, denen ich absolut trauen kann. Auch seine und meine Ärzte wissen Bescheid. Ich könnte aber den Gedanken nicht ertragen, meinem Sohn das ein Leben lang nicht zu sagen. Ich hoffe doch, dass ich die Grundlagen dafür legen kann, dass er mich später vollkommen als seine Mutter ansieht, genetisch hin oder her. Ich möchte das keinesfalls bagatellisieren, es werden Probleme kommen, wie schon gesagt. Aber wir beide müssen dann lernen, mit dieser Wahrheit umzugehen und ich kann nur hoffen, dass uns das gelingen wird.

  • fiskan
    Morula
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    • 8. Oktober 2009 um 13:35
    • #13

    Re: Aufklärung EZS

    hallo zusammen
    ist absolut interessant eure meinungen, gedanken und empfindungen zu diesem empfindlichen thema zu hören.

    für mich war es ein schock, als es hiess, dass die chemo "volle arbeit" geleistet hat und neben den "bösen" zellen die eizellen gleich mit dahingerafft hat. meine fa sprach mich schnell auf die ezsp hin, weil ado mit meiner vorgeschichte in unserer gegend kaum aussicht auf erfolg hat. zuerst konnte ich mir das gar nicht vorstellen - fühlte mich wie eine brutbehälter, als würde ich ein fremdes kind unter dem herzen austragen... erst mit der zeit wandelte sich diese ansicht. da ist eine frau, die gibt aus welchem grund auch immer einige ihrer ez her, die werden mit dem sperma meines mannes befruchtet und dann mir eingesetzt. ich nähre sie nun, gebe jetzt schon meine gefühle, emotionen, meine liebe und auch mal unsicherheiten an die beiden ab, von mir bekommen sie zwischenzeitlich schon mehr mit, als das essentielle von der spenderin. für mich ist sie nicht mehr die "mutter" meiner kinder, sie ist die spenderin, der ich zu verdanken habe, dass ich kinder bekommen kann. meine sind es so oder so nicht, kinder sind doch schlussendlich immer eine "leihgabe" und gehören nur sich selber. ist meine auffassung.

    seit dem entscheid, dass wir es machen, ist für uns klar, das wir es "offen" machen werden. also sobald als möglich, kindes- und altersgerecht, die beiden damit aufwachsen lassen. dann kennen sie es auch gar nicht anders, durch unseren "normalen" umgang mit diesem thema, wird es auch für sie zur normalität. unsere gemeinsame beziehung kann auf den pfeilern offenheit und ehrlichkeit aufbauen und bietet somit die basis zu vertrauen. ich stelle es mir so schlimm vor, irgendwann mal herauszubekommen, dass meine eltern nicht meine "richtigen" eltern sind. da wäre was in mir zerbrochen. und ich kann mich auch erinnern, dass ich mit einem ado-kind aufgewachsen bin, er kriegte das irgendwann heraus und für ihn brach eine welt zusammen. und ich weiss auch noch wie er sagte: "wieso haben sie mir das erst jetzt gesagt?" das hat sich in mir eingebrannt.

    wir haben uns durch den kiwu-weg auch psychologisch begleiten lassen. und unsere psychologin meinte kürzlich auch zum abschluss, dass wir es dem kind so früh als möglich sagen sollen. aus den gründen wie frowlein schon beschrieben hat.

    ist auch interessant, zu sehen wie die leute reagieren. wir gehen jetzt auch sehr offen mit dem thema um. die leute wussten ja, dass ich vor nicht allzulanger zeit noch mit glatze herumlief, dass es dann hiess, keine kinder mehr und jetzt schwanger?! den meisten leuten haben wir es bis jetzt erzählt, sehr direkt. und wir haben NUR positives erlebt. vielleicht ist es der effekt, der "entwaffnenden ehrlichkeit" die frowlein beschrieben hat? ich weiss es nicht. ist auch egal. die meisten sagen nur was wie: "klar, ist doch logische konsequenz, samenspende geht ja auch!" und sind völlig perplex manchmal sogar entsetzt wenn ich sage, dass es hier in unserem land nicht möglich ist...

    und diese reaktionen bestärken mich zusätzlich jeden tag, diese geschichte unseren kindern nicht vorzuenthalten, denn dann werden sie auch nie in die bretouille kommen wenn andere kinder sagen würden, "deine mama ist gar nicht deine mama", dann wissen sie nämlich was zu sagen ist. und wenn sie selber später mal sagen sollten, "du bist nicht meine mama, du hast mir nichts zu sagen", mal ganz ehrlich, wer von uns hat das mal nicht in einem streit zu seiner mama/papa schon gesagt? ich jedenfalls habe das getan... und dennoch liebte ich meine eltern, auch genau in diesem moment, denn sonst hätte ich meine verletzung nicht auf diese harte weise kundgetan...

    fiskan

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  • frowlein
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    • 8. Oktober 2009 um 19:28
    • #14

    Re: Aufklärung EZS

    "Kinder gehören nur sich selber."

    Ach, Fiskan, was für eine tolle Formulierung. :top: Genau auf den Punkt gebracht. Darum geht´s, um nichts anderes.

    Ich beobachte, dass sich aber noch viel zu viele bei der Frage nach to-tell-or-not-to-tell nur um ihren eigenen Nabel, ihre Befindlichkeit, ihre IDENTITÄT als ungewollt kinderlose Mütter und Väter drehen.

    In nahezu allen Begründungen der "Schweiger"-Fraktion entdecke ich im Kern die Aussage "Ich Mutter, ich Vater, wir Eltern könn(t)en nicht damit umgehen, wenn unser Kind unter Anfeindungen Dritter zu leiden hätte". Das liest sich wohlgefällig und plausibel. Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. Geht mir ja nicht anders. Wehe, es tut jemand meinen Kindern was an - Osama wäre ne Witzfigur im Vergleich zu mir, ICH SCHWÖR!

    Aber im gleichen Zusammenhang wird erklärt, dass mann/frau ausgerechnet mit dem Belügen genau jenes Kindes klar kommen kann, "eben klar kommen muss".
    Das mag ja zunächst sehr nobel klingen, doch damit mach ich nicht nur mich selbst und damit auch meine Entscheidung PRO EZS/EmbA angreifbar, ich kann auch - und das ist das Schlimmste - mein Kind gar nicht "beschützen", denn ich bin nicht mehr glaubwürdig.
    Um wessen "Klarkommen" / Befindlichkeit geht´s hier denn auch vorrangig?

    Und worunter leidet ein Kind wohl mehr - Anfeindungen Dritter, aber mit Rückhalt und Auffangen durch die Eltern behütet und gestärkt, oder von den eigenen Eltern in einer so wichtigen Sache wie der eigenen Herkunft belogen / verraten / allein gelassen worden zu sein?


    Ich will ja gar nicht verneinen, dass es wohl zu "Ausfällen" - auch innerhalb der eigenen Familie - kommen kann, wie an anderer Stelle hier zu lesen war. Doch wie weit muss denn da sowieso mal was geklärt werden?
    Überspitzt formuliert: Den Opa mit der rückwärtsgewandten "Blutsverwandtschafts"- Ideologie will man doch nicht mal einem "genetisch korrekten" Kind zumuten. Oder anders herum gefragt: Wie steht´s denn hier mit der Bereitschaft der EZS/EmbA- Eltern für ihre Entscheidung und damit auch für ihr EZS/EmbA-Kind vor der eigenen Elterngeneration einzustehen? Wo klemmt´s denn da wirklich? Und wessen Befindlichkeit muss letztlich für das Kneifen vor einer fraglos höchst unangenehmen Auseinandersetzung hintan stehen?

    Es steht mir nicht zu, zu urteilen. Ich bin auch fehlbar.
    Doch ich möchte mit meinen insistierenden Fragen das Bewusstsein für eine differenziertere Sichtweise dieses heiklen Themas erreichen.

    frowlein
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  • fiskan
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    • 9. Oktober 2009 um 00:02
    • #15

    Re: Aufklärung EZS

    [quote author=frowlein link=topic=5968.msg77692#msg77692 date=1255022888]

    Es steht mir nicht zu, zu urteilen. Ich bin auch fehlbar.
    Doch ich möchte mit meinen insistierenden Fragen das Bewusstsein für eine differenziertere Sichtweise dieses heiklen Themas erreichen.

    [/quote]

    das sehe ich auch so, ich finde es steht uns nicht zu über entscheidungen anderer zu urteilen. aber aufrütteln ist etwas anderes. und meine erfahrung ist auch, durch das bewusste vorleben einer bestimmten haltung auch vieles ausgelöst werden kann - und sei es "nur" wachrütteln und zum denken anregen. das ist immer der erste schritt...

    unfehlbar ist schliesslich niemand - wir alle sind menschen mit erfahrungen und prägungen, die uns mit zu dem machen was wir sind und entsprechende entscheidungen treffen lassen.

    in diesem fall natürlich das tragische, weil es nicht nur die eltern selber betrifft, sondern es um die kinder geht... das ist schon klar.

    [quote author=frowlein link=topic=5968.msg77692#msg77692 date=1255022888]
    "Kinder gehören nur sich selber."

    Ich beobachte, dass sich aber noch viel zu viele bei der Frage nach to-tell-or-not-to-tell nur um ihren eigenen Nabel, ihre Befindlichkeit, ihre IDENTITÄT als ungewollt kinderlose Mütter und Väter drehen.

    [/quote]

    auch diesen eindruck habe ich schon ein paar mal gehabt. ich denke da ist auch in der gesellschaft noch vieles im argen. unfruchtbarkeit ist noch immer ein tabuthema, aus welchem grund auch immer. auch ich habe da schon viele schockierte blicke "geerntet". um so wichtiger wurde für mich, das offen aus zu tragen, genau diese "schockierten" leute fingen an, nach einem gespräch über dieses thema, dieses aus einem anderen blickwinkel zu betrachten, erkannten, dass daran nicht wirklich was peinliches ist. hat ja nichts mit der persönlichkeit zu tun. ganz provokativ gesagt: kurzsichtigkeit ist ja auch nicht peinlich... und leider steigt die rate der "unfruchtbaren" ja immer weiter an... ich glaube, solange dieses thema nicht enttabuisiert ist, wird es viele paare geben, die daran nicht vorbeikommen und darum ihre eigene befindlichkeit, ihre identität als ungewollt kinderloses paar in den mittelpunkt stellen.

    ich persönlich könnte mit so einem "geheimnis" nicht umgehen - es dem kinde nicht zu erzählen wie es entstanden ist. für mich persönlich ginge es mehr in richtung lüge. aber das ist es höchstpersönlich für mich und kann auch nicht auf andere übertragen werden. damit möchte ich niemanden angreifen, aus anfangs erwähntem grund.
    aber ich habe die auffassung, dass wenn ein kind die wahrheit weiss, und das von beginn weg, es damit aufwächst, dieses wissen zur normalität wird. es gehört sozusagen zu seiner biographie. darum wird es schon ganz anders damit umgehen können, als wenn es irgendwann spät davon erfahren würde, ich könnte mir vorstellen, dass es dann eher mit einem vertrauensbruch zu tun hat (so nach dem motto: "was haben sie mir sonst noch alles verschwiegen?"). ich bin überzeugt, dass es dadurch viel weniger angreifbar ist, weil es ein ganz anderes selbstbewusstsein und bewusstsein dieser entstehung gegenüber hat. und andere kinder greifen ja immer da an, wo unsicherheiten vorhanden/spürbar sind. oder?
    ich hoffe sehr, dass es bei uns so sein wird. garantie dafür gibt's natürlich nicht. und vielleicht liege ich auch völlig falsch mit dieser ansicht.
    werden unsere kinder aus diesem grunde dennoch verletzt, kann ich als mutter ganz anders trösten.

    dennoch dürfen wir nicht vergessen: alle eltern geben immer ihr bestes - auch wenn dieses beste zu einem späteren zeitpunkt nicht mehr als bestes von ihnen angesehen wird. sie haben zwischenzeitlich erfahrungen gemacht, doch genau diese erfahrungen hatten sie zuvor nicht - und darum ist das beste zu jedem zeitpunkt das beste, dass die eltern geben können...

    fiskan

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  • fiskan
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    • 9. Oktober 2009 um 00:18
    • #16

    Re: Aufklärung EZS

    ach ja, noch was:

    habe auch sämtliche unterlagen zur ezsp auf die seite gepackt, damit die kinder wenn sie denn wollen, sämtliche nötigen unterlagen haben um nachforschungen zu betreiben. ich würde sie da voll unterstützen. und ich bin überzeugt, bis es soweit sein wird, wird sich auch einiges verändert haben. es gibt immer mehr ezsp-kinder...

    zudem schreibe ich fleissig ein ss-tagebuch. das werden sie auch mal bekommen, da werden sie alle meine gedanken, gefühle, freude, ängste nachlesen können...

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  • frowlein
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    • 9. Oktober 2009 um 10:03
    • #17

    Re: Aufklärung EZS

    Guten Morgääääääähn,

    was es mit der Wechselwirkung "Sichtweise der Öffentlichkeit" und "Verhalten der EZS/EmbA- Elternschaft" auf sich hat, habe ich ja schon in einem meiner vorhergehenden posts geschrieben.... und schon mehrere Jahre zuvor. :vielposten:

    Ich glaube auch nicht, dass jede(r), die/der sich hier im Forum irgendwann - egal, ob erfolgreich Eltern oder weiterhin kinderlos - nicht mehr blicken lässt, zwingend zur Fraktion der Verdränger gehört. Bei manchen ist´s einfach nur der einsetzende Alltag mit ihren entbundenen Sprößlingen, die sich ja - außer der Zeugungsart - in nichts von anderen Kindern unterscheiden, und sie "verziehen" sich auf boards für Baby- und Kleinkindfragen (und das ist ja auch normal so), andere gehen in spezielle Sternenkinder- oder Abschied-vom-Kinderwunsch- Foren.... und ja, einige Mitglieder beug(t)en sich der vorherrschenden Ignoranz und einiger sehr unschöner persönlicher Übergriffe. (Doch letzteres scheint erfreulicherweise vorbei zu sein. Und NEIN, ich bin kein Opfer, ich hab auch ordentlich zurück gekeilt - det war och nich immer besonders würdig. :oops:)

    Auch das tragische Beispiel ein Jahrzehnt lang fortwährender, zahl- und erfolgloser KiWu-Behandlungen von Ines & Chris prägte dieses Forum und seine Mitglieder nicht nur, es ließ auch kaum Spielraum für Fragen nach dem richtigen Zeitpunkt für das Ende dieser Reise oder der kritischen Hinterfragung des Themas im Allgemeinen und es ließ keinen Spielraum für Fragen zum Leben mit EZS-/EmbA- Kindern, Tipps für aufklärungswillige Eltern, Umgang mit schon vorhandenen genetischen Kindern und/oder älteren Geschwistern.
    Und diese thematische Unausgewogenheit nahmen auch Medien und damit die Öffentlichkeit wahr. Die Folge davon war dann aber leider nicht, dass eine Öffnung hin zu einer kritischeren Betrachtungsweise stattfand, sondern dass noch mehr darauf geachtet wurde, dass es im Forum "schön ruhig und harmonisch" aussah. Der Zweck heiligte dann die eingesetzten Mittel. Ergebnis: Die kritischen (und keineswegs destruktiv motivierten) Stimmen verstummten.
    Das nahmen auch andere wahr und vieles, was dann an tendenziöser Berichterstattung folgte, war letztlich hausgemacht.
    Das ist bedauerlich - doch nichts währt ja bekanntlich ewig. :)

    Deswegen bin ich auch gern hier, um meine Erfahrungen mit sukzessive aufgeklärten EZS-Kindern jenen mitzuteilen, die es interessiert, und mich gleichzeitig für eine Wahrnehmung der Gefühlslage aller EZS/EmbA- Kinder stark zu machen -- so, wie ich es schon vor 10 Jahren für wichtig hielt.

    Und deshalb auch mein Appell an alle Newbies: Macht Euch VOR Euren Behandlungen / Geburten schon Gedanken darüber, wie Ihr Euch an Stelle Eurer Kinder fühlen würdet!

    --------------------------


    Jetzt möchte ich noch etwas aus der Praxis berichten zum Thema "verletzendes Verhalten anderer Kinder gegenüber geouteten EZS/EmbA-Kindern":

    1.) Als meine Kinder mit ca. 4 Jahren so ganz en passant von mir erzählt bekamen, dass mir eine andere Frau ein paar Eizellen abgegeben hat, da haben sie überhaupt nicht mal im Ansatz überrissen, was das bedeutet, für sie bedeuten könnte. Das ist in dem Alter auch noch gar nicht möglich. Folglich haben sie auch nichts in der Form vonwegen "ich hab noch ne andere Mama" oder ähnliches weitererzählt.

    Daraus folgt
    2.) Hätten sie etwas von den "anderen" Eizellen an andere Kinder in KITA oder weiterem Freundeskreis erzählt, auch ihre Altersgenossen hätten nichts mit dieser Information anzufangen gewusst. Also auch hier: Anfeindungen?, Grausamkeit unter Kindern? - Fehlanzeige.

    3.) Falls nun die inzwischen älteren Schulkameraden und Freunde im Hort (8 und aufwärts) davon erzählt bekämen (was meine Kinder aber ebenfalls gar nicht für aufregend genug halten, s. vorherige posts) und mit so ´nem blöden Spruch à la "Dann ist ja Deine Mutter gar nicht Deine Mutter" um die Ecke kommen würden, weiß ich genau, was die- oder derjenige zu hören bekäme: "Hä?! Na, klar. Du hast doch keine Ahnung! Sie hat uns ja geboren." Ende der Durchsage.
    Aber es kommt ja gar nicht dazu. Weil sie es nicht zum Thema machen. Inlinern, Schachturnier, LEGO ist einfach wichtiger.
    Die Tatsache der genetischen Nicht-Verwandtschaft ist ihnen zwar schon zunehmend bewusst "Ach ja, die Haare KANN ich ja gar nicht von Dir haben", aber das zum Beispiel ihre Cousine, die genetische Tochter meiner genetischen Schwester, einem von ihnen ähnlicher sieht als der eigene Zwilling, war bis dato noch nie Gegenstand irgendwelcher tiefergehenden Betrachtungen in Sachen Humangenetik..
    Allerdings stellen sie schon mal die Überlegung an, wonach sie ihr "Innerdrin", und damit meinen sie ihre Gefühle, ihre Denkweise, ihre Brüllattacken (... :-? ...) nur von mir haben können. Das steht für sie unumstösslich fest.

    Aber auch diese "Erkenntnis" gehört für sie zu etwas "Privatem", dass man nicht in der Öffentlichkeit von Schule oder Hort erörtert - wie andere Kinder ja auch nicht über vergleichbare Dinge aus deren vier Wänden berichten. Kinder haben da eine ganz natürliche Empfindung für Grenzbereiche, das muss sie niemand lehren. Das ist einfach so. Dafür gibt es ja die sichere Festung ZUHAUSE.

    Sicherlich hat es auch etwas damit zu tun, dass ich zuhaus auch nie ein besonderes, großes Brimborium um das Thema mache/gemacht habe. Also nix mit Kerzen an, Gardinen zu, ernste Miene, "nun setzt Euch mal hin, ich muss Euch was Wichtiges sagen". Nein. Es ergab sich einfach so. Innerlich war ich ja schon lange darauf vorbereitet und konnte bisher jedes Mal entsprechend "easy" damit umgehen.

    Eine aufklärende Samenspende- Mutter hat in einem anderen Forum geschrieben, dass ihr kleiner Sohn das "Wo kommen Babys her"-Thema am Frühstückstisch ansprach und sie das Ganze abblockte, verbunden mit der Ankündigung, zu einem späteren, besonderen, zeitlich genau fixierten Moment darüber reden zu wollen. Natürlich mit der Absicht, ihrem Sohn schon mal behutsam das mit der Samenspende nahe zu bringen.
    Ich meine, das gab der Sache eine zu gewichtige Bedeutung, die natürlich auch so einem Zwerg nicht verborgen bleibt. Sie hätte es ruhig schon am Frühstückstisch aufgreifen können. "Eizelle, Samenzelle, Papa, Mama, bei manchen funktioniert´s auch ein bisschen anders - so wie bei uns, kann ich Dir gern noch genauer erklären, wenn Du willst... und jetzt schnapp Dir Deine Jacke und ab geht´s...".
    Für´s Erste wäre damit die eigentliche Frage des Kindes, nämlich die nach der Baby"entstehung" beantwortet, seine Neugier befriedigt gewesen und er hätte wahrscheinlich dieses "noch genauer erklären" altersgemäß schon längst wieder ausgeblendet. Hängengeblieben aber wäre das mütterliche Signal "Ich beantworte ALLE Deine Fragen, ich habe keine Geheimnisse vor Dir."
    So aber bekam das Ganze - Anm.: ich mutmaße hier auf Basis meiner eigenen Muttererfahrung - gleich eine ganz andere Gewichtung. "Oh, was Besonderes, was Dolles. Was kann das wohl sein?".. und Miniman richtet seinen Fokus gleich mal genauer ein. Auf diese Weise geschieht eine Hervorhebung des Themas, was es meiner Meinung nach gar nicht braucht.

    4.) Alle meine bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen mit und an meinen EZS-aufgeklärten Kindern lassen mich sehr zuversichtlich für die Zukunft sein, was den Umgang meiner Kinder mit diesem Thema anbelangt. Käme ihnen doch mal einer blöd... nun, das haben sie doch schon längst in ganz anderen Zusammenhängen erlebt - und sich damit auseinander zu setzen gewusst: Bauklötze, die ihnen andere Windelpupser klauten (und umgekehrt ;) ), Vordrängeln an der Kinokasse, Beulereien auf dem Schulhof... undundund. Sie haben schon eine ziemlich genaue Vorstellung "von solchen und solchen". Und wenn´s mal eindeutig zu ihren Ungunsten ausgeht: zuhause ist Mama, alles wird gut.

    Was ich damit sagen will: Sie haben ein ganz tiefes Urvertrauen darin, dass ich - komme, was da wolle - wahrhaftig bin.
    Das würde ich NIEMALS aufs Spiel setzen!

    Und ihnen nicht zu sagen, woher sie (ab)stammen, IST eine Lüge! Eine Lebenslüge.
    Da ändern auch gut gemeinte Begriffsumschreibungen nichts dran.

    Was die Aufklärung anbelangt, ist es natürlich außerdem von ganz großem Vorteil, dass meine Kinder eben zu zweit sind, Zwillinge in mehrfacher Hinsicht, und schon deshalb sich niemals jeder für sich wie ein außergewöhnlicher Einzelfall vorkäme.
    Deswegen würde ich es auch begrüßen, wenn es in ein paar Jahren - vergleichbar wie bei den Samenspendekindern - eine Austauschmöglichkeit für bis dahin aufgeklärte EZS/EmbA-Kinder gibt.
    Den Grundstein dafür können wir heute schon legen, in dem wir die hier geschriebenen PROs und CONTRAs entsprechend archivieren, denn auch die unterschiedlichen Sichtweisen, Ängste und Entscheidungen ihrer Eltern werden unseren Kindern helfen, UNS zu verstehen.

    Dass sich unsere Kinder von uns abwenden, wie im Falle einiger spätinformierter Samenspendekinder (und auch EZS/EmbA-Kinder in USA), wäre doch das Letzte, was geschehen darf, oder?


    frowlein

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  • Wannabe
    Gast
    • 9. Oktober 2009 um 12:21
    • #18

    Re: Aufklärung EZS

    javascript:void(0);
    respekt

    Also, besser hätt ich´s auch nicht sagen können ....
    :D

  • Feli
    Morula
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    • 9. Oktober 2009 um 15:16
    • #19

    Re: Aufklärung EZS

    Liebe Frowlein,

    das hast du perfekt geschrieben und du sprichst mir aus dem Herzen. Mich beschäftigt es auch unheimlich. Vor der Gerburt unserer Tochter war für uns beide klar das wir es ihr nicht sagen werden und haben uns erstmal keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Waren einfach dankbar und glücklich nach vielen Jahren ein Baby zu erwarten und dann in den Armen zu halten. Nun ist sie da und wächst und wächst und ich merke wie schnell die Zeit vergeht. Umso mehr geht mir durch den Kopf, ob unsere Entscheidung richtig ist... Was tun wir ihr damit an? Wie würde ich mich fühlen??? Die Wahrscheinlichkeit das die Entwicklung immer weiter geht und sie es zufällig erfährt, wird immer größer werden. Mein Mann bleibt bei seinem Standpunkt, will die nächsten Jahre erst einmal abwarten... Möchte es nun auch gerne noch einmal mit eigenem Kind probieren (per Icsi- da wir nun evtl. bessere Chancen haben). Das wiederstrebt mir aber, da ich das für unsere Tochter unfair finden würde (sollte sie es erfahren und mit einem "Eigenen" klappen). Nach dem Motto "Warum Sie/Er und ich nicht.... " Versteht ihr was ich meine?
    Bin auch wirklich ratlos und gebe mir auch noch etwas Zeit. In unserer Familie weiß es außer meiner Schwester auch niemand... Das wäre ein großer Aufklärungsakt, aber vielleicht interpretieren wir da einfach nur zu viel rein.
    Ich werde einfach noch weiter grübeln... :lol:

    Aber nocheinmal danke für die tollen Gedanken von Euch,

    Feli

    Ich bin 31 Jahre alt und hatte 8 Icsis in D.
    Dieser Weg war unser Ziel!

    Unsere Maus kam am 17.02.09 in unsere Welt.
    Behandlung in Brünn bei Unica.
    Unsere zweite Maus kam am 18.08.2011 nach der 2.EZS in unsere Welt, auch Unica.
    Unser größtes Glück

  • frowlein
    Blastozyste
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    • 9. Oktober 2009 um 16:10
    • #20

    Re: Aufklärung EZS

    Hallo, Feli,

    ja, ich kann Deine Überlegungen nachvollziehen und ich freue mich darüber, dass unser Austausch in diesem Ordner ein bisschen was bewegt.

    Doch ich setze mich dafür ein, dass die Entscheidung PRO Aufklärung nicht lediglich aus Angst vor - wahrscheinlicher - Entdeckung fällt, sondern, weil die Bedürfnisse der Kinder wahrgenommen und mindestens gleichwertig zu denen von uns Eltern gesetzt werden.

    Noch einmal: Wir Eltern haben unser Bedürfnis gestillt, haben uns unseren Wunsch erfüllt und ein oder mehrere Kinder geboren - gegen alle Widrigkeiten. Dann darf es einfach keine Frage mehr sein, ob wir diese Entscheidung vor ausgerechnet diesen Kindern vertreten wollen oder nicht. Wir sind dazu verpflichtet. Wir schulden unseren Kindern die Wahrheit!
    Wie unglaubwürdig wären wir denn sonst? Wie fragwürdig unser Kinderwunsch und der Weg zu seiner Erfüllung?


    "Wenn Ihr so überzeugt wart, wieso konntet Ihr es dann ausgerechnet mir nicht sagen?
    Findet Ihr mich vielleicht doch minderwertig, Kind 2. Wahl, das es nicht wert genug ist, dass man für es einsteht?"


    Diese Fragen werden Kinder stellen, die es spät und/oder durch Zufall erfahren. Fragen, die Samenspendekinder jetzt schon stellen. Fragen, die ihre Berechtigung in der Art der Zeugung dieser Kinder haben.

    Wer zu dieser Offenheit nicht bereit ist, sollte seine Beweggründe für die Erfüllung des so drängenden Kinderwunsches unbedingt und ganz ehrlich zu sich selbst hinterfragen.

    Worum geht´s mir wirklich? Warum will ich unbedingt ein Kind haben? Welche Erwartungen, welche Hoffnungen verbinde ich damit -für mich ?

    Bitte nicht falsch verstehen: Alle Antworten sind zulässig - von mütterlicher Selbstverwirklichung über Familientradition bis hin zum Kitt-Kind-Phänomen. Diese Rechenschaft müsst Ihr nur vor Eurem eigenen Gewissen ablegen. Macht Euren Frieden damit.

    Doch dann wendet Euch Eurem Kind zu.

    Ihr seid so davon überzeugt, das Richtige zu tun, dass Euer Kind das gar nicht anzweifeln wird. Es er-lebt ja die Richtigkeit, die Offenlegung seiner Abstammung inklusive.

    Auch Deine Tochter, Feli, hat ja keinen Grund an ihrer eigenen "Echtheit" zu zweifeln, selbst wenn jetzt ein genetisch anderes Geschwisterchen zur Welt käme.
    Aber sie würde genau spüren, wenn Ihr "rumeiert", Euch bemüht, möglichst keine Vergleiche anzusprechen undundund. DAS würde sie verunsichern, denken lassen, dass Ihr sie vielleicht weniger lieb habt als das kleine Geschwisterchen.. von Genetik versteht sie nichts. Kommt´s dann aber später raus, dann wird sie alles damit begründen, ihre Wahrnehmung des Andersseins mit Ungeliebtsein gleich setzen. DANN habt Ihr ein Problem!


    Unfairness? Was für ein seltsamer Gedanke. :-?

    Liebe Feli, das ist wirklich nur elterliche Sichtweise. Deine Große findet es vielleicht "unfair", dass sie dann nicht mehr im Mittelpunkt steht oder dass sie teilen muss oder dass das jüngere Geschwister viel eher Dinge darf, für die sie sich richtig lang machen musste... und das wäre völlig normaler Familienalltag.

    Patchworkfamilie - nur eben genetisch. :juggle:

    Versuch doch mal, mit diesem Gedanken an die Sache heran zu gehen.

    Könnte klappen, oder..? ;)


    frowlein

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    EZS IVI
    Ostern 2000: neg.
    Okt. 2000 --> Zwillinge 06/01 (Ende 36.SSW, 1x spontan, 1x Notsectio)

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