Also folgendes:
Viele, viele (auch ich) haben sich im zuge diverser Diskussionen (auch im Zusammenhang mit dem Report von Herrn Kurz) dazu geäußert, ob sie das OK oder nicht OK finden und ob die Ärzte schuld sind, die sowas machen, oder ob es verantwortungslos seitens der Mütter ist, sich mit 60 einen Kinderwunsch zu erfüllen.
Ich habe wirklich entsetzlich lange darüber nachgedacht (auch die Diskussion im österreichischen Fernsehen darüber gesehen, wo sogar Dr. Fischl - ein bekannter österreichischer Repro-Mediziner - der Meinung war, es sollte vom ALter her begrenzt sein, jedoch wäre das juridisch schwer machbar) und bin zu dem Schluß gekommen, daß diese Diskussion über das Alter absolut unnötig ist.
Sache ist doch die:
Was wir als "normal" betrachten leitet sich doch einzig und allein daraus ab, was wir als "innerhalb der Norm" erleben, das heißt, etwas, das eben häufig genug passiert, sodaß es als (Denk-)Möglichkeit akzeptiert ist. Und diesbezüglich ist es halt so, daß es für viele Ereignisse, die später akzeptiert worden sind, ein "nicht akzeptiertes erstes mal" gegeben hat. Beispiele betreffen hier das, was als sittlich resp. unsittlich betrachtet wurde (gemischtfarbige Eheschließungen, Homo-Ehen, Frauen an den Universitäten...) ebenso wie den technischen Fortschritt (Dreht sich die Erde um die Sonne und hätte der Mensch wirklich gottgegebene Flügel, wenn selbiger gemeint hätte, daß er fliegen solle?)
Ich bin der Ansicht, daß sich derartige Fälle (ältere Mütter) in Zukunft massiv häufen werden und der Grund dafür liegt nicht nur in der Repro-Medizin, denn auch diejenigen, die auf natürlichem Wege Mütter werden, werden immer älter (in Österreich liegt der Rekord bei 53 Jahren, wenn ich es richtig gelesen habe). Wir leben auch wesentlich länger aufgrund des medizinischen Fortschritts, wovon die Sozialversicherungsanstalten ein gar leidvolles Lied zu singen wissen.
Spätestens jetzt aber muß man sich aber die Frage stellen: Was hat eine 53-jährige, was eine 58 oder 60-jährige nicht hat. Wo besteht da der Unterschied? Und wenn man eine Altersgrenze für eine
"Eizellenspenden-Empfängnis-Erlaubnis" irgendwo einziehen wollte: Wo sollte selbige denn altersmäßig liegen?
Ich meine, daß jeder nach seinen eigenen Antworten auf diese Fragen suchen müßte, jedoch habe ich keine (gut begründbaren) Antworten gefunden und genau das bringt mich zu der Schlußfolgerung, daß wohl die (momentane) Ansicht, ob es normal oder nicht normal ist, Kinder zu bekommen eine Frage des Alters der Mutter sein mag (weniger schon eine Frage des Alters des Vaters), jedoch die sittlich-moralische Frage nach der "Zulässigkeit" einer Mutterschaft mit
Sicherheit keine Altersfrage sein kann!
Es obliegt (und sollte es auch weiterhin) einzig dem Verantwortungsgefühl des Paares selbst, ob sie meinen, auch in fortgeschrittenerem Alter (oder dem, was dafür gehalten wird, denn im Mittelalter waren 40 Jahre auch schon irrsinnig fortgeschritten) mit einer Elternschaft für ein Kleinkind umgehen können.
Was wir als normal oder abnormal empfinden sollte in viel mehr Bereichen von unserem sittlich-moralischen Verständnis entkoppelt werden, sonst erkennen wir uns irgendwann vor lauter Vorurteilen selbst nicht wieder.
Vielleicht auch ein Beispiel dazu: Welches Jugendamt, welcher Arzt und welcher "halbwegs normal denkende" Mensch würde einer Frau, die TBC-krank ist, raten ein 5. Kind von einem Mann zu bekommen, der seinerseits ein alkoholkranker Syphilitiker ist, nachdem das 1. Kind blind, das 2. verstorben, das 3. taub und das 4. TBC-krank ist???? Wohl niemand -oder?
Den Fall hat es jedoch wirklich gegeben:
Das 5. Kind war Ludwig van Beethoven!!!!!
Wer also wollte sich zum Richter über das Schicksal aufspielen, wenn es in solch ausweglos erscheinenden Situationen Genies hervorzubringen vermag, die der Menschheit soviel geben können und wer glaubt, daß es irgendeine Rolle spielt, wer was als normal oder nicht normal und deshalb als gut oder schlecht beurteilt???
Zumindest ich habe angesichts all dessen keine Probleme mit 60jährigen Müttern (mehr), soferne diese Entscheidung (und das gilt wohl für jede Familienplanung) wohl überlegt ist - auch wenn es jetzt noch etwas neu und ungewohnt ist. Nur: Ob diese Entscheidung wirklich wohlüberlegt ist oder nicht, diese Be- oder Vorverurteilung steht uns Außenstehenden einfach nicht zu!
Meint Euer
Bussibär