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  1. Dein Kinderwunschforum – Erfahrungsaustausch & Expertenantworten für Deinen Weg zum Wunschkind! 💬🩺
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Fluch oder Segen?

  • nadja
  • 10. Oktober 2008 um 13:55
  • nadja
    4-Zeller
    Beiträge
    55
    • 10. Oktober 2008 um 13:55
    • #1

    Hallo,
    ich bin neu hier.
    Mein Freund (41) und ich (44) haben eine dreijährige Tochter und wir machen uns nach einigen negativen IVFs Gedanken über eine Eizellspende.
    Ich hätte eine Freundin, die mir Eizellen spenden würde, aber wir sind uns noch nicht so sicher, ob wir das auch wollen.

    Hab das Gefühl wir stehen noch ganz am Anfang eines langen Entscheidungsprozesses.

    Was ich so von Euch mitgekriegt habe, halten wohl die Meisten die Eizellspende geheim, was mir erst mal eher widerstrebt. Aber eure Gründe dafür würden mich interessieren.
    Was mir noch vollkommen unklar ist: Wie offen seid ihr gegenüber euren Kindern?
    In unserer Zeit lässt sich ja da kaum noch was verheimlichen. Ein einfacher Blutspendeausweis oder Biologieunterricht in der Oberstufe (Stichwort monogene Erbgänge) lässt da oft Zweifel aufkommen. Und wenn die mal da sind, dann gibt es ja an jeder Ecke Labors, die mithilfe eines Haares den Nachweis erbringen können.
    Auf der einen Seite ist die Technik mit den Möglichkeiten der Eizellspende ja echt ein Segen, aber eben auch eine Gefahr. Oder seht ihr das anders?
    Wann und wie erklärt ihr euren Kindern wer die biologische Mutter ist?

    Wir hätten so gerne noch ein Kind, aber wir wissen noch nicht, ob wir diesen Fragen gegenüber gewachsen wären.
    Über zahlreiche Antworten würde ich mich freuen.

    Nadja

  • dtift
    Morula
    Beiträge
    347
    • 10. Oktober 2008 um 14:15
    • #2

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo Nadja,

    für uns war und ist die EZP nie geheim gewesen. Fast alle nächsten Angehörige wissen, wie ich schwanger geworden bin. Und mein Kind wird dies von früh auf auch erfahren, zumindest habe ich dies vor.
    Mit Eizellen von einer Freundin hätte ich aber ein Problem gehabt. Mir war die anonyme Spende lieber. Was ist, wenn die Freundin irgendwann mal nicht mehr die Freundin ist oder selber was mit ihren Kindern passiert oder diese plötzlich keine Kinder mehr bekommen kann oder, oder, oder. :)

    Bin nur hin und wieder hier.

    Habe eine Tochter Ende 2008 dank Eizellspende bekommen.

  • nadja
    4-Zeller
    Beiträge
    55
    • 10. Oktober 2008 um 18:50
    • #3

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo Katja,

    was ich nicht verstehe: Blutgruppentechnisch wird doch soweit man mir gesagt hat nur das ABO-System und der Rhesusfaktor mit der Spenderin abgeglichen, oder?
    Im Spenderausweis stehen doch sehr viel mehr andere Blutgruppensysteme drin, oder nicht?

    Ich habe auch ein anderes Problem: Bei mir früher an der Schule Mitte der 80er Jahre hat der Bio-Lehrer im Fach Genetik mal so zum Spaß die Vererbung vom "Zungenrollen" durchgenommen. "So und wenn ihr jetzt die Zunge rollen könnt und eure beiden Eltern nicht, dann stimmt da was nicht. Dann ist Euer Vater nicht euer Vater". Ein Junge aus meiner Klasse hat das wie wir alle gleich mal zu Hause getestet. Ich denke Ihr wisst schon was jetzt kommt. Er hat sich sehr sehr lange nicht getraut was zu sagen. Erst als der Vater gestorben ist, hat er die Mutter direkt darauf angesprochen und die hat dann zugegeben, dass er nach einem Seitensprung entstanden ist. Mit der Mutter hat er darauf hin gebrochen. Schrecklich, außerdem ist er total verzweifelt, weil er nicht weiß wer sein Vater ist, wie er aussieht, wie er heißt etc.

    Es gibt ja auch noch andere Merkmale die sich so klar und eindeutig vererben. Eine Freundin von mir beispielsweise findet es total komisch, dass ihre Zehen so vollkommen anders aussehen als die ihrer Brüder und Eltern.... Hat auch schon drüber nachgedacht, das mal untersuchen zu lassen

    Das ist doch dann das allerallerschlimmste was einem als Eizellempfängerin passieren kann. Das Kind testet die genetische Verwandschaft, weil ihm irgendwas spanisch vorkommt oder irgendjemand einen Verdacht äußert und Schwupps ist das Vertrauen dahin.

    Ist es wirklich so unmöglich einem Kind zu sagen. Schau mal das ist deine Patentante, von der wir eine kleine Eizelle bekommen haben, damit du auf die Welt kommen durftest?

    Nadja

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 10. Oktober 2008 um 20:28
    • #4

    Re: Fluch oder Segen?

    Naja... paar Zellen... es ist immerhin fremde Genetik. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber von den drei Prägefaktoren (Genetik, Epigenetik und Erziehung/Umwelt) bleiben uns immerhin noch zwei. Da kann man schon noch ganz schön seinen Stempel aufdrücken, das sehe ich auch an meiner Tochter.

    Und auch eigene Genetik ist keine Garantie auf Ähnlichkeit...geh nur 1o Generationen zurück, und jede von uns hat bereits 1.ooo Vorfahren...

    Aber die Bedeutung der Genetik ist für die Menschen sehr unterschiedlich, für manche hängt das "mein Fleisch und Blut" daran, für andere sind es nur "die paar Zellen".

    Und übrigens - seit ich drauf achte, fällt mir auf, dass weitaus mehr Kinder ihren Vätern ähneln als ihren Müttern. (Ist ja von der Natur auch nicht unclever...so nach dem Motto "Mama's baby - Papa's maybe..."

    Gruß Romy

  • Lissy
    Morula
    Beiträge
    278
    • 10. Oktober 2008 um 20:36
    • #5

    Re: Fluch oder Segen?

    Finde Nadjas Überlegungen - und sie bringen es schön plakativ auf den Punkt - sehr wichtig.

    Allein in meiner kleinen Familie und Verwandtschaft passierte in den letzten drei Jahren folgendes:
    Tante plötzlich an Leukämie erkrankt - genetischer Abgleich mit allen Familienangehörigen!
    Tochter meiner Cousine von Lupus-Hauterkrankung (Immungeschichte) betroffen - genetischer Abgleich mit der Mutter!

    Und vor langer Zeit:
    Als ich 16 war, bin ich tumorkrank geworden - genetischer Abgleich mit Eltern und anderen weiblichen Angehörigen!

    Hätte eine der Mütter in einem dieser Fälle den Humangenetischen Instituten die Mitarbeit verweigern sollen?
    Aus Angst vor dem Aufdecken einer Lebenslüge?

    Mir ist es hilfreich, wenn ich mich in die Rolle eines durch EZS entstandenen Jugendlichen versetze.
    An meine eigenen Abstammungszweifel in der Zeit meiner Erkrankung erinnere ich mich nur zu gut.
    Was habe ich doch manchmal das Gras wachsen hören, wo nicht mal was wuchs!

    Vermutlich wird in 10, 20 Jahren das Dekodieren der menschlichen DNA ohnehin zur höheren Bildung gehören.
    Es wird jeder herausfinden können, was er herausfinden möchte - was ihn im Innersten bewegt.

    Paar Gedanken gegen zu einseitige Sichtweisen...

    Gruß Lissy

  • Duplicate3
    Morula
    Beiträge
    316
    • 10. Oktober 2008 um 21:15
    • #6

    Re: Fluch oder Segen?

    Zu Laborbefunden möchte ich allerdings anmerken dass z.B. bei Knochenmarksspenden nur gesagt wird passt oder nicht.....

  • nadja
    4-Zeller
    Beiträge
    55
    • 10. Oktober 2008 um 22:33
    • #7

    Re: Fluch oder Segen?

    Ich denke man kann eben auch davon ausgehen, dass in 10 oder 20 Jahren das Thema Eizellspende in aller Munde sein wird, einfach weil es immer mehr Frauen geben wird, die sich dieser Hilfe bedienen, es sei denn es hat sich bis dahin durchgesetzt, dass jüngere Frauen ihre Eizellen für später einfrieren lassen.
    Heute "glauben" die meisten Menschen einer 47-jährigen Mutter noch, dass sie auch die genetische ist. Kaum jemand kennt sich da so genau aus.
    Aber in 10 Jahren kann das ganz anders sein. Und spätestens wenn sich die ersten Promis outen, dann wills jedes Kind wissen.
    Also je länger ich drüber nachdenke, desto wichtiger erscheint es mir offen mit dem Thema umzugehen. Auch wenn es für das Kind vielleicht nicht immer einfach sein wird, "anders" entstanden zu sein als andere.
    Man kann es drehen und wenden wie man will, es gibt einfach da noch eine zweite Mutter, auch wenn alles anonym bleibt und niemand drüber spricht und niemand danach fragt. Es gibt sie einfach und damit muss ich mich auseinandersetzen.
    Hoffentlich klingt das jetzt nicht zu provokativ. Aber auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich mich entscheiden werden, so weiß ich doch, dass ich zu der Methode stehen muss, die ich selber wünsche und anwende. Verschweigen bedeutet für mich auch so ein bisschen sich dafür schämen.

    Nadja

  • glueck07
    Morula
    Beiträge
    570
    • 10. Oktober 2008 um 23:46
    • #8

    Re: Fluch oder Segen?

    Liebe Nadja, ich weiss jetzt nicht, wie weit Du in der Behandlung bist. Ich hatte schon ein Baby und habe durch EZS noch ein kleines Geschwisterchen geschenkt bekommen. Die Schwangerschaften sind problemlos und ähnlich gewesen. In den ersten Tagen zu Hause habe ich unser 2. Baby immer wieder angesehen, war super glücklich, aber unsicher, ob ich einer Frau nicht Ihr Mutterglück geklaut habe. Wirklich schwachsinnig, aber irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen der Spenderin gegenüber. Ich bin mir auch 100%tig sicher , dass die Spenderin zu dieser Zeit gefühlt hat, dass ein Baby auf die Welt gekommen ist. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir uns gekannt hätten. Mit der Zeit und der Arbeit und der Sorgen um den kleinen Spatz sind diese Gedanken verblasst. Ich will damit sagen, dass wir die Liebe einfach zulassen sollten.
    Meine anfängliche zweite Furcht, dass die Spenderin eine bessere Mutter gewesen wäre, war ebenfalls ein großes Problem für mich. Ich bin von Natur aus ein Mensch, der möchte, dass es allen Menschen gleich gut geht. Diese Gedanken wollte ich auch zulassen. Mittlerweile ruft mich meine Tochter, wir verstehen uns sehr gut, schlafen gern bis in die Puppen und haben gern Spaß miteinander. Ich wundere mich, wie gleich wir sind. Oft höre ich, dass sie eine perfekte Mischung aus Vater und Mutter ist. Das freut mich natürlich. Wir werden ums Thema aber nicht rumkommen. Ich möchte Ihr gern eine Geschichte erzählen. Dazu drehe ich ab dem 1. Tag ihrer Entstehung einen Film. Jede Woche sind es so 15 Minuten.
    Das sind in einem Monat 1 h, im 12 Jahre 12 Stunden. Auf ehrliche Fragen wird ehrlich geantwortet.
    Ich bin gegen eine Aufklärung vor dem 7. Lebensjahr. Mehr kann ich nicht sagen. Die Zeit wird die Antwort bringen. Ich hasse Lügen, dementsprechend gibt es nur eine Antwort, auch wenn sie weh tut. Wir sind eine lustige Familie, lachen viel, machen Pläne und bringen eine aktive Familie zusammen. Das Leben macht Spaß. Ich hoffe, dass ich meinen Töchtern alle erdenkliche Liebe und Unterstützung geben kann, die sie brauchen.
    Ich bin kritikfähig und lernwillig. Nicht jeder macht alles richtig. Und was macht denn Angelina Jolie anders, als wir ?
    Sie hat jetzt 6 Kinder, es scheint, dass sie alles gut meistert und eine gute Mutter und eine gute Schauspielerin ist.
    Wir geben unseren Kindern ein warmes, gemütliches und lustiges ZuHause. US-Statistiken haben gezeigt, dass Kinder aus EZS nicht unglücklicher sind, als normal gezeugte Kinder. Die soziale Integration ist ähnlich und der Fakt, dass beide Elternteile sich beruflich etabliert haben, bringt einige Vorteile mit sich.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass ein geliebtes Kind beim Outing nicht den Rucksack packt und zur Spenderin möchte, da ist die familiäre Bindung viel stärker. Ich will es hoffen. Ich liebe meine Kinder mehr als mein Leben. Nachdenklich schreibt Euch die Bourgon

    Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.
    Demokrit, griech. Philosoph

  • Claudia33
    Morula
    Beiträge
    225
    • 11. Oktober 2008 um 23:48
    • #9

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo,

    schön,das das Aufklärungsthema mal wieder frisch diskutiert wird. Mich beschäftigt das nämlich noch immer stark. Wir haben zwei EZSP- Kinder von zwei verschiedenen Spenderinnen, d.h. auch die Kinder nicht "nur" Halbgeschwister aus genetischer Sicht.
    Vor den SS war ich mir sicher, auf jeden Fall aufklären, nachdem beide Kinder auf der Welt sind, bin ich unsicher.

    Ich liebe beide abgöttisch, würde alles für Sie tun, und die Angst, das Sie mich ablehnen könnten, wenn Sie die Wahrheit wüßten, ist immer da.
    Ein Psychologe hat mal zu mir gesagt, das die Aufklärung nur mir helfen würde, mein Gewissen zu erleichtern, aber für das Kind gäbe es keinerlei "Vorteile".
    Ich habe aber auch Angst, was ist, wenn es versehentlich rauskäme und dann der Vertrauensbruch zwischen uns steht.

    Wenn man es nicht sagt, hat man für immer ein Familiengeheimnis. Und ich habe auch schon gelesen, das Kinder so was spüren und bei der sogenannten "Familienaufstellung" kommen solche Sachen dann doch raus.

    Aber bei der anonymen Spende hat das Kind keine Chance, die genetische Mutter zu finden. Wie kann ein Kind damit umgehen? Leider kenne ich keine Untersuchungen disbezüglich.

    So nur ein paar Gedanken von mir dazu.

    LG Claudia

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 12. Oktober 2008 um 11:09
    • #10

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo ihr alle,

    Lissys Erfahrungen sind natürlich ziemlich drastisch und prägend - aber ich glaube, ich würde dann mit dem Arzt unter 4 Augen reden. In meinem Bekanntenkreis ist noch nie eine genetische Untersuchung vorgekommen.

    Ich würde dem Psychologen auch zustimmen. Ich glaube auch nicht, dass das bei Familienaufstellungen unbedingt rauskommt. Erst mal ist die Frage, ob's das in 2o Jahren noch gibt - der Psychomarkt ist auch ein Modemarkt. Dann ist die 2. Frage, inwieweit man das glaubt - sowohl bei meinem Bruder als auch bei einem Freund sind "rausgekommen", dass sie nicht die Kinder ihrer Väter sind... beide sind ihren Vätern wie aus dem Gesicht geschnitten, kompletter Humbug. Und drittens wäre für mich die Frage, ob da wirklich die Lüge erspürt wird oder das schlechte Gewissen, dass damit verbunden ist, die Verdruckstheit und Peinlichkeit. Ich will ja schweigen (so ich nicht durch die Optik der Zwillinge irgendwie gezwungen werde, was zu sagen) und habe mich bemüht, mit dem Verschweigen ins Reine zu kommen. Das geht. Ich bin der Meinung, dass Schweigen besser für mein Kind ist, und dass es von daher meine Aufgabe ist, diese Lüge zu schultern und zu tragen.

    Wenn ich nicht das genetische Kind meiner Mutter wäre, wollte ich es NICHT wissen, ganz klar.

    Wie sollte ich meiner Tochter erklären, dass sie ein Abfallembryo war, von einer anderen Familie verworfen?

    Ein anderer Gedanke: Wenn es das Kind erfährt, erfahren es auch viele andere Menschen, mit deren Reaktion das Kind dann leben muss. Oder man mutet dem Kind zu, ein derartiges Geheimnis für sich bewahren zu müssen - was ich extrem viel verlangt finde von einem Kind.

    Das waren dann noch ein paar Gedanken von
    Romy

  • nadja
    4-Zeller
    Beiträge
    55
    • 12. Oktober 2008 um 11:43
    • #11

    Re: Fluch oder Segen?

    Ich bin doch ziemlich erstaunt, wie leicht sich viele von Euch, alles geheim zu halten.
    Ganz ehrlich, glaubt Ihr im ernst, dass Euch eure Kinder diesbezüglich nie Fragen stellen werden?
    Auch nicht wenn dann mal in einigen Jahren im "Stern" oder so eine große Reportage steht, so nach dem Motto "Ich bin das Kind einer Eizellspende?"
    Ist es so schwer zu dem zu stehen, was man doch selber für sich als gut entschieden hat?
    Auch wenn Eizellspende vermutlich eine Methode ist, die in unserer Gesellschaft noch nicht so akzeptiert ist, müsstet doch gerade ihr alles dafür tun, damit sich das ändert. Dafür kämpfen, dass sie auch in Deutschland legal wird.

    Und was ich ÜBERHAUPT nicht nachvollziehen kann ist eine anonyme Eizellspende.
    Das Bedürfnis zu wissen wo man herkommt ist doch eines der wichtigsten und größten Bedürfnisse aller Menschen!!!

    Hoffe, dass ich jetzt nicht digital gesteinigt werden, aber je mehr ich hier in diesem Forum lese, desto mehr habe ich den Eindruck, dass hier phänomenal verdrängt wird.

    Nadja

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 12. Oktober 2008 um 12:02
    • #12

    Re: Fluch oder Segen?

    Nadja, eins muss Diskussionsgrundlage sein: anzuerkennen, dass es gute Gründe für beide Entscheidungen gibt, und dass wir uns gegenseitig unterstellen, das Beste für unsere Kinder zu wollen und Die andere Seite disqualifizieren - wie du es tust - das beendet für mich die Diskussion.

    Es wäre übrigens auch ein Leichtes, die Befürworterinnen des offenen Umgangs moralisch zu disqualifizieren - zumal nach deren Auftreten hier in der Vergangenheit.

    Gruß Romy

  • Lissy
    Morula
    Beiträge
    278
    • 12. Oktober 2008 um 17:01
    • #13

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo Romy,

    drastisch mögen meine Erfahrungen sein. Und ein jeder kann froh sein, wenn es keine Erkrankungen beim Nachwuchs gibt, die zu genetischer Recherche führen müssen.

    Außergewöhnlich sind sie aber nicht, denn immer häufiger wird bei der Ursachenforschung von unklaren Symptomatiken auf die Humangenetik zurückgegriffen.
    Sogar prophylaktisch wird zukünftig ein DNA-Abgleich zur Risikoeinschätzung was gängige Volkskrankheiten angeht eingesetzt werden. Der "Focus" berichtete kürzlich darüber.

    Der tolle Tipp, das Kind im Falle eines Falles auszuschließen und ein Vieraugengespräch zu führen, ist an Naivität nicht zu überbieten! Als meine genetische Erkrankung auffiel, war ich (damals 16) die Erste, mit der der betreuende Prof. darüber sprach. Und das war auch gut so! Tochter meiner Cousine war in dieser Situation 8, auch die Erste und äußerst ernstgenommen.

    Nadja, die eine Diskussion mit Pro und Contra führt und nicht der Verschweigensmaxime folgt, abzuwatschen, finde ich nicht fair.

    Und at last: Dass immer wieder gerade die intelligenten und gebildeten Frauen, die es in dieses Forum verschlagen hat, davon ausgehen, dass sie ihre EZS-Kinder, die sie ja zum großen Teil entscheidend prägen, so schön dumm und hinterm Mond halten wollen - Kopfschüttel...

    Lissy

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 12. Oktober 2008 um 18:48
    • #14

    Re: Fluch oder Segen?

    Liebe Lissy,

    Nadja hat diejenigen, die sich für das Verschweigen entschieden haben, als "phänomenale Verdrängerinnen" bezeichnet und uns zusätzlich unterstellt, dass wir uns damit offenbar sehr leicht täten, also leichtfertig wären. Und das nach ernsthaften und untadeligen Diskussionsbeiträgen. Das ist unfair und verdient einen Ordnungsruf: So etwas ist Diffamierung und nicht Diskussion. Ich habe mich aus guten Gründen und nach langem Nachdenken für diese Umgehensweise entschieden und lasse mir nicht Verdrängung oder Leichtfertigkeit vorwerfen.

    Ich habe immer vertreten, dass es auch gute Gründe für das "Sagen" gibt und mich in einigen postings damit auch sehr differenziert auseinandergesetzt. Es ist keine schwarz-weiß-Entscheidung. Aber wenn man darüber wirklich sprechen will, dann müssen die beiden Punkte, die ich genannt habe, Voraussetzung sein. Ohne Respekt für die "Gegenseite" geht es nicht.

    Die Angst "was ist, wenn es rauskommt" ist absolut verständlich und nicht unbegründet. Aber in dem Fall glaube ich, das Verschweigen ist für einen Jugendliche/Erwachsenen noch eher nachzuvollziehen als die Tatsache der EZS selbst. Dann muss ich im schlimmsten Fall beides erklären.

    Und was ist mit den genannten Nachteilen des "Sagens"? Noch in keinem posting ist eine Befürworterin des "Sagens" auf einen der aufgeführten Punkte eingegangen.

    Gruß Romy

  • Malo
    Morula
    Beiträge
    215
    • 12. Oktober 2008 um 20:35
    • #15

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo allerseits,
    ich sitze gerade in einem Hotelzimmer in Prag, und morgen oder am Dienstag fahren wir nach Pilsen, damit mein Mann seinen Beitrag zur Befruchtung gespendeter Eizellen abgeben kann. Am nächsten Samstag oder am Montag ist dann der Embryonentransfer geplant.
    Zu der Frage: sagen oder nicht sagen oder wann und wie sagen... Ich denke, ich werde es meinen Kleinen (es werden ja 2 Embryonen eingesetzt) am Tage des Transfers sagen und dann immer wieder regelmässig, auch am Tage der Geburt (hoffentlich kommt es dazu!) und danach immer wieder, ein Leben lang, so oft wie nötig...
    Ich wünsche mir, dass das "ganz einfach" ein Teil ihrer Lebensgeschichte sein wird.
    Ich habe auch interessante Webseiten gefunden, dank links irgendwo hier im Forum (!), von Kindern, die durch Samenspende gezeugt wurden. Die gibts ja schon länger, da sind also schon einige der "Kinder" erwachsen und können sich zu dem Thema selbst äussern.
    Am schwierigsten scheint es zu sein, wenn die Kinder es irgendwann erfahren (auch wenn das, wie vielleicht geplant mit 16 oder 18 von den Eltern mitgeteilt wird), dass das einen Bruch in ihrer Identität bedeutet. So nach dem Motto: bis gestern war ich das Kind meines (sozialen) Vaters...............wessen Kind bin ich nun... WER bin ich nun?????????
    Ich lass es jetzt bei dieser Überlegung, man könnte natürlich noch sooo viel sagen, es ist ja hier auch schon viel geschrieben worden...
    Also, fürs Erste viele Grüsse Euch allen aus Prag, Maria.

    Zech-Institut Pilsen,EZS 10/2008 negativ,
    KET 02/2009 negativ.
    Unica, Brünn:EZS 09/09 negativ,KET 26.11.09 positiv, 15.SSW missed abortion, Ausschabung

  • Claudia33
    Morula
    Beiträge
    225
    • 12. Oktober 2008 um 22:01
    • #16

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo Nadja,

    Du kannst nicht verstehen, warum man anonyme Spende macht?

    Ich kann nur für mich sprechen, bei uns war Prag die nächste Adresse (von der Entfernung her), für meinen Mann am besten organisatorisch zu erreichen, da er beruflich sehr eingespannt ist, und eine der preiswertesten Kliniken. Wir können uns 10.000 Euro für einen Versuch wie in Spanien z.B. einfach nicht leisten. Und in Tschechien ist es nun mal Gesetz, das man anonym spendet.

    MGF Claudia

  • Claudia33
    Morula
    Beiträge
    225
    • 12. Oktober 2008 um 22:13
    • #17

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo Romy,

    in meiner Kindheit gab es mal einen Zeitpunkt, wo ich erfahren habe, was eine Adoption ist etc. Und obwohl es keinen Grund für meine Angst gab, habe ich mir kurzfristig Gedanken darüber gemacht, ob ich wirklich das Kind meiner Eltern bin. Immer, wenn meine Eltern auf der Arbeit waren, habe ich damals in den Schränken gewühlt, bis ich meine Geburtsurkunde gefunden habe und die Sicherheit hatte.

    Wenn meine Mutter nicht meine genetische gewesen wäre (leider ist sie ja schon tot), ich hätte wohl schon Probleme damit, ich würde gefühlsmäßig suchen wollen, nach der Spenderin. Aber an der Liebe zu meiner Mutter hätte das nichts geändert.

    Habe kürzlich eine Reportage über Gentests gelesen, und wie einfach (und billig) die übers Internet zu haben sind. Und da habe ich leider schon die Befürchtung, das eines meiner Kinder vielleicht mal auf den Gedanken kommt. Und wenn es nur aus einer Laune heraus geschieht, z.B. weil es einer aus der Clique auch macht.

    Und wenn ich mir vorstelle, meine Kinder würden auch wühlen....(noch) habe ich ja zig Beweiße für die EZSP hier abgeheftet, weil ich nicht weiß, ob wir aufklären sollen oder nicht.

    Irgendwie gibt es genauso viel Gründe die für das Aufklären sprechen wie dagegen, leider.

    MFG Claudia

  • nadja
    4-Zeller
    Beiträge
    55
    • 12. Oktober 2008 um 23:10
    • #18

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo miteinander,
    so hart wie das von mir geklungen hat sollte es nicht wirken.
    Selbstverständlich macht es sich keine Frau leicht ...
    Weiß jetzt auch nicht auf welche "früheren" Diskussionen Ihr anspielt
    ABER jeder vernünftige Psychologe wird zu Offenheit raten im Interesse der Kinder. So wie bei einer Adoption auch.
    Und auch zur nicht anonymen Spende.
    Dass das scheinbar in den meisten Ländern nicht üblich ist, schockiert mich. Aber vermutlich gibt es einfach sehr viel mehr Spenderinnen, die anonym bleiben wollen.
    Wer dazu mal was (allerdings ansonsten nicht so wahnsinnig Informatives) lesen will, dem empfehle ich die aktuelle Ausgabe von ZEIT Wissen, in der unter anderem ein Sozialpädagoge zu Wort kommt.
    Einfach kein Tabu aufbauen.
    Wer dafür zu schwach ist, bzw Angst vor den Reaktionen mit der Umwelt oder einer möglichen künftigen Auseinandersetzung mit der genetischen Mutter hat, sollte die Finger davon lassen. Alles andere finde ich unverantwortlich, auch wenn die Meinungen hierzu wohl sehr auseinandergehen.
    Ich habe bereits eine leibliche Tochter und weiß wie empfindsam so kleine Seelen für Ängste von Erwachsenen sind. Und mal ganz ganz ehrlich, hinter dem Verschweigen steckt doch immer zumindest ein guter Teil Angst oder?
    Nadja

  • Narzisse2
    8-Zeller
    Beiträge
    151
    • 13. Oktober 2008 um 09:45
    • #19

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo,

    schade, dass es hier immer wieder so einen "Zickenkrieg" gibt und die Emotionen so hoch kochen... Da bin ich froh, dass wir wenigstens einen Jungen unter unserer "Kinderschar" haben. :lol:

    Ich habe bei meiner Internetrecherche eine super interessante Website gefunden: http://www.dcnetwork.org (Donor Conception Network). Es ist eine englische Website. Dort gibt es umfangreiche Informationen zum Thema Eizell-/Samen- und Embryonenspende.

    Man kann sogar ganz spezielle Informationen ("Telling and Talking" - A Guide for Parents) herunterladen, wie man Kinder einzelner Altersgruppen aufklären kann. Es gibt auch detaillierte Literaturempfehlungen zu diesen Themen (incl. Kinderbüchern über Eizell- und Samenspende).

    Für meinen Mann und mich waren diese Infos soz. das "Zünglein an der Waage" unsere Kinder aufzuklären (mein Mann war bisher noch unentschlossen) - und damit bei der Großen schon bald zu beginnen. Die Informationen sind sehr sachlich und klar dargestellt. Insbesondere wird auch auf die geistigen Entwicklungsstufen der Kinder eingegangen. Das Ganze ist mit vielen praktischen Beispielen gespickt und von daher wirklich lesenswert. Mir hat das Lesen auf jeden Fall viel Mut gemacht, auf mein Herz (und meinen Verstand) zu hören, dass es für uns der beste Weg ist, "es" zu sagen.

    Bisher auf jeden Fall für mich die beste Website, die ich zu diesem Thema gefunden habe!

    Vielleicht mögt ihr einmal hereinschauen.

    Gruß

    Narzisse

    3 Kinder durch Embryospende (1 Tochter, geb. 10/04 und Zwillingspärchen, geb. 9/07)

  • Veronica
    8-Zeller
    Beiträge
    96
    • 13. Oktober 2008 um 13:23
    • #20

    Re: Fluch oder Segen?

    Hallo Ihr Lieben,

    ich wünsche mir, dass wir – wie Malo auch – einen natürlichen Umgang mit dem Thema haben werden und es einfach zu unserem, und dem Leben unseres vielleicht mal durch EZS geborenen Kindes, dazugehören wird.

    Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass ein offener Umgang mit dem Kind auch einen offenen Umgang mit der Gesellschaft zur Folge hat. Man kann die Herkunft ja nicht seinem Kind sagen, es aber Anderen gegenüber geheimhalten. Auch das Kind wird anderen gegenüber über das Thema sprechen. Vor allem, solange es noch klein ist. Und einen "natürlichen" Umgang kann man, glaube ich, nur erreichen, indem man recht früh anfängt, mit dem Kind darüber zu reden. Und es nicht erst mit 16 Jahren offenbart.
    Ganau das ist aber der Punkt, den ich mir noch als schwierig vorstelle. Mit anderen, die nicht zur Familie und zu den engsten Freunden gehören, offen darüber zu sprechen. Was geht denn die das an? Aber damit wird man sich dann auseinanderstzen müssen.

    Romy, was ich nicht glaube, ist, dass das Verschweigen für einen Jugendlichen eher nachzuvollziehen ist, als die EZS.
    Ohne EZS würde es das Kind nicht geben. Da gibt es keine Alternative zu. Aber ein Verschweigen empfinde ich immer als einen Vertrauensbruch.
    Sicher gibt es auch Nachteile, wenn man es sagt. Aber die stehen in keinem Verhältnis zu dem Schock, den ein Kind erfährt, wenn es durch Zufall erfährt, wie es entstanden ist. Vor einiger Zeit habe ich mal auf Internetseiten über die Erfahrungen und Gefühle von "betroffenen" Erwachsenen gelesen. Und die Personen schreiben immer, dass das Hauptproblem der Vertrauensbruch und die Identitätskrise sei.

    Ich glaube, man kann einfach nicht davon ausgehen, dass die Herkunft des Kindes nie herauskommt.

    Veronica

  • Vida Fertility Institute

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