Re: offene EZP
Na, wenn du eine offene EZS machst, dann weiß das Kind doch sicher von klein auf, dass es eine Spenderin irgendwo gibt.
Aber in der Tat sind viele Verwicklungen denkbar - auch Unterhalts- oder Erbproblematiken. Die anonyme Spende hat sich nicht ohne Grund als Standardverfahren durchgesetzt. Du weißt nicht, wer die andere Frau ist - und es gibt nicht nur Menschen lauteren Charakters. Auch Kinder sind nicht immer die reinsten Engel. Auch Mörder und Erpresser haben Mütter. Sowas kann passieren, und zwar auch uns.
Das wahrscheinlichste Problem scheint mir jedoch ein anderes zu sein: Die Phantasien von der "eigentlichen" und natrülich viel besseren Mama. Mit Sätzen wie "Ich will zu meiner anderen Mama" wird man leben müssen. Dass es auf die Beziehung zueinander ankommt - das sind Einsichten, die sich einem frühestens ab dem 3o. Lebensjahr erschließen, würde ich schätzen.
Meine Erfahrung ist es noch dazu, dass EZS kaum vermittelbar ist. Nur Menschen, die den langen und ungeheuer schmerzhaften Weg dahin miterlebt haben, können diesen Schritt nachvollziehen. Von anderen Menschen würde ich niemals Verständnis für eine EZS erwarten. Ich weiß ja, wie ich selber darüber gedacht habe - vorher. Und noch viel weniger würde ich erwarten, dass ein blutjunger Mensch, noch dazu der "Geschädigte" selber, das irgendwie nachvollziehen kann.
Was du bei der offenen EZS auch bedenken musst: über kurz oder lang weiß es dann jeder um dich herum. Es ist einem kleinen Menschen nicht zuzumuten, ein derartiges Geheimnis bewahren zu müssen, und er wird das auch nicht schaffen können. Und für alle anderen ist es eine Sensation, die schnell ihren Weg finden wird. Du musst also damit leben, dass es auch der Postbote weiß und Leute, die einen solchen Schritt verurteilen. (Ich habe in einem anderen Forum Kontakt gehabt mit einer Frau, die durch normale IVF schwanger wurde. Die Großeltern lehnten es ab, die - einzigen! - Enkelkinder auch nur zu sehen, weil es "Retortenbabys" sind. Die Frau wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass ihre Eltern eine solche Einstellung haben könnten, sonst hätte sie es natürlich niemals erzählt). Dies nur als Beispiel, mit was du rechnen musst.
Vor allem auch: dein Kind muss damit leben können, mit Gerede oder Schlimmeren. Ich hätte sowas als Kind niemals verkraftet. Für die meisten Kinder ist es schwierig und belastend, etwas Besonderes zu sein. Sie sehnen sich danach, ganz normal und genau wie die anderen zu sein.
Du sagst selber, dass du "nur rosarot" siehst, Britta, und ich habe auch das doofe Gefühl, dass du vielleicht etwas zu blauäugig an die Sache herangehst. Bedenke auf jeden Fall auch die Schattenseiten und Risiken.
Trotzdem sind alle Informationen über offene EZS wichtig für unser Forum! Halte uns auf dem Laufenden.
Ich würde an deiner Stelle versuchen, über das amerikanische Forum mved Kontakt mit Müttern zu bekommen, die offene EZS praktiziert haben, und Fragen stellen.
Gruß Romy