Hallo zusammen,
Ich habe mich hier registriert und schreibe jetzt diesen Post, weil ich mir meine Gefühle von der Seele schreiben will und vielleicht hilft es dem ein oder anderen, sich weniger allein zu fühlen.
Wir sind seit über anderthalb Jahren (im April zwei Jahre) im Kinderwunsch und ich habe gehofft, dass man mit der Zeit entspannter wird. Kinderwunsch war schon lange ein Thema, aber als dann bei mir die Diagnose eines Prolaktinoms gestellt wurde, habe ich die Pille abgesetzt (quasi als trotzige Reaktion: "jetzt erst recht!"). Das Prolaktinom ist gut medikamentös eingestellt und ich habe keine Probleme, die Periode kam nach zwei Monaten wieder und seitdem ist der Zyklus (zunächst etwa 35 Tage, jetzt mittlerweile um die 30 Tage) auch ziemlich stabil geblieben.
Ich habe vor einem Jahr mit Eisprung-Tests angefangen, aber das hat keinen Erfolg gebracht. Viel mehr habe ich das Gefühl, dass es einen psychisch viel mehr unter Druck setzt. Letzten Endes waren wir jetzt Ende des Jahres in der Kinderwunschklinik und haben die ersten wichtigsten Tests (Labor, Sono etc.) durchführen lassen, hier war alles okay. Nächster Schritt wäre bei mir die Tubendurchgängigkeit zu prüfen, aber das ist uns zum aktuellen Zeitpunkt noch zu invasiv und wir hofften, dass sich eine Schwangerschaft bald natürlich einstellt. Wir sind Ende 20, beide sonst gesund, sportlich und eigentlich gibt es keinen (bis jetzt nachgewiesenen) Grund, warum es bei uns nicht klappt. Ich hatte noch nie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand.
Ich habe zwar zunächst geschafft mich emotional etwas von dem Thema zu distanzieren, aber gleichzeitig wird es nun mehr im privaten Umfeld zum Thema. Ich komme aus dem medizinischen Bereich, möchte auch in die Gynäkologie (und passenderweise auch Reproduktionsmedizin...) gehen, weil ich das Thema unglaublich spannend finde und mir die Arbeit dort gut vorstellen kann. Aber solange ich selbst "betroffen" bin, kann ich das emotional nicht trennen und habe Angst, dass sich meine private Situation also auch auf meine Arbeit ausbreiten wird... Früher habe ich viele Videos zum Thema Schwangerschaft und Kinderwunsch angeschaut, habe jegliche Informationen "verschlungen" und wollte so viel wie möglich wissen, allerdings war das noch zu einem früheren Zeitpunkt und ich dachte, es wird schon bald klappen. Jetzt versuche ich das auszublenden, mich möglichst von solchen Themen fernzuhalten.
Gleichzeitig haben wir im Umfeld ein Paar, welches nach jahrelangem Kinderwunsch nun schwanger ist (nach Fehlgeburt letztes Jahr) und ich darf Patentante werden (!), was mich unbeschreiblich glücklich und dankbar macht. Ich freue mich aus tiefstem Herzen für die beiden und gleichzeitig fühlt man sich jetzt wieder "allein" mit diesem Zustand, wenn ihr versteht wie ich das meine... im Umfeld kommt das Thema Schwangerschaft und Kinder immer wieder hoch, aufgrund meiner beruflichen Situation ist die Familie da zum Glück noch nicht zu sprechen gekommen, aber ich weiß das wird auch bald passieren und dann kommen die Fragen nach Enkeln etc. ...
Ich fühle mich alleingelassen, es ist kein Thema mit dem ich offen mit jemandem sprechen kann, der nicht betroffen ist und gleichzeitig ist dieses unbeschreiblich schwere Gefühl von Ungerechtigkeit in der Brust: Warum alle anderen? Warum nicht wir? Vor kurzem waren wir mit einer entfernteren Freundesgruppe unterwegs, bei dem auch eine Schwangere dabei war, die damit "prahlten" (ehrlich gesagt habe ich das wahrscheinlich einfach so empfunden..), dass sie es schon im zweiten Übungszyklus geschafft haben und sie jetzt im zweiten Trimenon sei. Schon als junges Mädchen hatte ich Angst, dass ich nicht schwanger werden könnte, weil Kinder immer ein Teil meiner Zukunft sein sollten und ich mir eine Alternative einfach nicht vorstellen kann. Jetzt sitze ich hier, schreibe mir die Seele vom Leib und hoffe, dass es mir dadurch etwas besser geht... und vielleicht auch jemand anderem, denn ich weiß wir sind nicht allein. Ich weiß, dass es hier viele andere gibt mit längerem, schwererem Weg und vielleicht schweren gesundheitlichen Diagnosen, die ihnen im Weg stehen. Ich möchte keinen mit diesem Post verletzen. Mir geht es einfach aktuell sehr schlecht mit dieser Situation, ich habe nicht wirklich jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann, deswegen wollte ich einfach meine Geschichte teilen...
Liebe Grüße, Beetlia