Hallo, ihr alle,
vielleicht erinnern sich hier einige noch an mich und meine seltsame Geschichte? Ich hatte einige ICSIs und eine EZS; drei dieser Versuche waren insofern erfolgreich, dass deutliche Schwangerschaftssymptome auftraten. Bereits kurz nach dem Transfer beginnend, baute sich das binnen 2, 3 Tagen so sehr auf, dass kein Zweifel mehr möglich war. Man konnte es sogar schon gut sehen. (Anscheinend bin ich ziemlich empfindlich gegen HCG ). Dann geschah jeweils folgendes: Ich ging ganz normal zu Bett und erwachte morgens mit leichtem Fieber, rasendem Herzen, in meinen Adern toste das Blut. Dazu totale Schwäche. Ich hatte das Gefühl einer inneren Aggression mit Zentrum Gebärmutter.
In dem Maße, wie diese seltsame Reaktion nachließ, etwa nach 24-48 Std., verschwanden auch die Schwangerschaftsymptome. Ohne dass ich wusste, dass es so was überhaupt gibt, wusste ich im ersten Moment des Wachwerdens schon, was da passiert: Mein Körper stößt es ab.
Mein Arzt schickte mich nach Kiel, eine HLA-Immunisierung wurde gemacht, ohne Erfolg.
Dann begann eine ziemliche Odysee. Diese Probleme sind anscheinend selten und unbekannt, zumindest unter Repro-Medizinern. IVI Sevilla, wo ich war, sagte mir: We don’t believe in this kind of problems. Ergebnis: siehe oben. Ich habe mit Müh und Not den Rückflug bewältigt, so haute es mich nieder.
Wenn es um Fehlgeburten geht, ist die Existenz solcher finalen Immunreaktionen unbestritten und medizinischer Standard. Seltsamerweise schließt jedoch die Repromedizin die Möglichkeit einer Immunreaktion auf den Embryo als limitierenden Faktor kategorisch aus. Selbst Kiel schrieb mir: Solche Symptome schildern uns zwar auch andere Patientinnen, aber eine Immunreaktion auf einen Embryo? Kannnichsein. Gipsnich. Ansonsten hieß es: das liegt an den Medikamenten. Sagte ich dann: Die Medikamente waren immer identisch, diese Reaktion trat aber nur bei den Versuchen auf, bei denen auch SS-Zeichen auftraten… dann bekam ich keine Antwort mehr.
Dann meldete sich Marion43 bei mir. Verzweifelt, und mit derselben Geschichte. Sie hat exakt dasselbe erlebt, nur trat es bei ihr nicht über Nacht auf. Dafür aber umso schlimmer: der Bluthochdruck war bei ihr so extrem, dass der Notarzt sie auf die Intensivstation legte. Lebensgefahr war bei ihr nicht auszuschließen. Auch sie machte dieselben Erfahrungen mit den Ärzten: Immunreaktion? Nie und nimmer.
Beide sind wir klassische Hypersensible – nicht in dem Sinne, dass wir immer wahnsinnig feinfühlig wären, sondern rein neurologisch: Überempfindlich gegen Koffein, gegen Musik, schreckhaft, zu Schlafproblemen neigend… Es wäre möglich, dass sich die Reaktion aufgrund einer niedrigen Reizschwelle sozusagen bei uns stärker abbildet als bei anderen.
Beide landeten wir dann bei Frau Dr. Reichel, die man nicht hoch genug preisen kann. Frau Dr. Reichel kannte diese Reaktion; die zum Zeitpunkt der Einnistung auftritt. Bei uns beiden wurde ein ausführliches Blutbild gemacht, ich glaube, ich habe 15 Röhrchen Blut weggeschickt… Bei uns beiden wurde ein stark erhöhter Anteil an NK-Zellen festgestellt, an natürlichen Killerzellen im peripheren Blut. Normal sind 3-12%, ich habe 28%. Damit habe ich zumindest erst mal meine Probleme amtlich und meine Eigendiagnose bestätigt. (Das ist schon mal was, wenn einem vorher keiner glaubt!).
Und: Bei uns beiden wurde ein stark erhöhter Chlamydien-Titer festgestellt; beide haben wir offenbar eine schwere Infektion. Das könnte die Ursache für das übererregte Immunsystem sein. Ein simpler Allerweltsinfekt, der mit einer Doppeldosis Antibiotika zu bekämpfen ist. Und auf den ich bei 7 ICSIS nicht untersucht wurde. Chlamydieninfektionen verlaufen häufig ohne jedes Symptom, man merkt also nichts davon.
Marion und ich müssen beide nächste Woche zur Blutkontrolle.
(Ich werde dann noch einen Versuch machen und dabei Immunglobuline zur Unterdrückung des Immunsystems nehmen. Dr. Lewandowsky in Warschau hat das bereits bei 3 Patientinnen damit hinbekommen.)
--- Achtet also auf jeden Fall drauf, dass ihr rechtzeitig auf Chlamydien hin untersucht werdet, und zwar per Blutentnahme. Eine Abstrichuntersuchung ist nicht zuverlässig. Auch auf Herpes hin sollte eine Blutuntersuchung gemacht werden. Das geht beides normal beim Hausarzt.
--- Wenn ihr Schwangerschaftssymptome hattet und diese plötzlich verschwanden, ob mit irgendeiner fühlbaren Reaktion oder nicht, oder wenn es bei wiederholten Versuchen nicht geklappt hat, zieht eine Immunreaktion in Betracht. (Ein eindeutiges Zeichen für eine Immunreaktion ist plötzlicher Bluthochdruck.) Im peripheren Blut lässt sich der Anteil an NK-Zellen feststellen und damit, ob das Immunsystem aktiviert oder überaktiviert ist.
So, das wars. Vielleicht fällt ja jemand von euch noch was dazu ein?
Übrigens, das IVI Sevilla kann ich nicht empfehlen.
Viele Grüße
Rom.y