Guten Tag Herr Dr. Netzbrandt,
in der "Welt" vom 15.07.03 erschien im Wissenschaftsteil der nachfolgende Artikel.
Meine Fragen dazu an Sie:
a) Kann man schon heute einen solchen Test durchführen lassen?
b) Wenn ja wo? (z.B. nur Kinderwunschklinik oder beim Gynäkologen)
c) Könnten Sie die Kostenkategorie (da man es sicher selbst bezahlen müßte) in etwas klassifizieren?
Im voraus vielen Dank für Ihre Auskunft.
Mit freundlichen Grüssen
Angelina
"Pränatale Gen-Tests für alle Babys?
Neue Technik erleichtert vorgeburtliche Diagnostik - Zellen des Fötus durch Abstrich bei der Mutter zugänglich
von Joachim Czichos
Brisbane - Um Gentests am ungeborenen Kind durchführen zu können, genügt ein ganz normaler gynäkologischer Abstrich, wie er auch zur Krebsvorsorge entnommen wird. Das berichteten kürzlich zwei australische Wissenschaftler auf dem International Congress of Genetics in Melbourne. In den Abstrichen lassen sich Zellen des Fötus nachweisen. Diese können dann angereichert und auf Gendefekte untersucht werden. Im Vergleich zu anderen Verfahren kann der Test bereits in einer sehr frühen Schwangerschaftsphase durchgeführt werden. Da er außerdem vergleichsweise preiswert ist und die Schwangerschaft nicht gefährdet, könnte er in Zukunft breitere Anwendung finden.
Für die zurzeit praktizierten Verfahren zur pränatalen Gendiagnostik benötigt man Zellmaterial, das durch Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) oder durch Entnahme aus der Plazenta (Chorionbiopsie) gewonnen wurde. Beide Eingriffe sind mit dem etwa einprozentigen Risiko eines Aborts verbunden. Das heißt: In jedem 100. Fall erkauft man sich die Gewissheit über einen genetischen Defekt mit einer Fehlgeburt. Jetzt hat sich jedoch herausgestellt, dass auch routinemäßig durchgeführte, so genannte Papanicolaou-Abstriche (Pap-Tests) vom Gebärmutterhals fötale Zellen enthalten, die eine DNA-Analyse ermöglichen. Das Abstrichmaterial wird normalerweise nach einer speziellen Anfärbung mikroskopisch untersucht, um es auf krebsverdächtige Zellen zu untersuchen.
Für ihre Studie sammelten Darryl Irwin und Ian Findlay von der University of Queensland in Brisbane gynäkologische Pap-Abstriche von 600 Frauen, die in der 5. bis 35. Woche schwanger waren. Nach einer Anreicherung ließen sich mit Hilfe der PCR-Technik einzelne fötale Zellen identifizieren und "vervielfältigen". Gleichzeitig konnten diagnostisch relevante Gensequenzen nachgewiesen werden. Das ermöglicht die Diagnose etwa von Gendefekten, die für das Downsyndrom, die Mukoviszidose oder andere Erbkrankheiten verantwortlich sind.
Der Vorteil des Verfahrens besteht darin, dass das Untersuchungsmaterial auf einfache und gefahrlose Weise gewonnen werden kann und die Analyse insgesamt relativ preiswert ist. "Erstmals kann eine Pränataldiagnostik allen Frauen angeboten werden", sagt Irwin. Der Abstrich könnte von jedem Arzt entnommen und an ein Labor weitergeleitet werden.
Zurzeit führt man eine Fruchtwasserpunktion (in der 14. bis 20. Woche) oder Chorionbiopsie (8. bis 10. Schwangerschaftswoche) bei Vorliegen von Risikofaktoren wie hohes Alter der Eltern oder genetische Vorbelastung durch. Eine Diagnostik auf Grund von Pap-Abstrichen könnte, so die Forscher, bereits in der 5. Woche erfolgen, wobei das Ergebnis innerhalb eines Tages vorläge. Bis die Studien abgeschlossen sind und der Test allgemein zur Verfügung steht, dürften noch zwei bis drei Jahre vergehen, schätzen die Forscher.
Weitere Informationen im Web:
http://www.geneticsmedia.org/Pap_smears.htm
Artikel erschienen am 15. Jul 2003"