Nachdem ich diesem Forum sehr viel zu verdanken habe, möchte ich nun auch meine Behandlungsgeschichte mit Euch teilen. Viele meiner Punkte decken sich natuerlich mit vielen anderen hier im Forum, aber vielleicht kann ich noch etwas zum Thema:
- "will ich überhaupt eine Eizellspende?"
- "Geschwisterkind mittels Eizellspende?"
- "welche Klinik ist für mich die Richtige?"
- "Transfer von einem oder zwei Embryonen?"
- und und und .....
beitragen.
Begonnen hat unsere KiWu-Klinik-Geschichte im Jahr 2008, nachdem wir im Jahr 2007 völlig natürlich im ersten Probezyklus ein Kind bekommen haben (damals waren wir 39).
Nach der Geburt hatte ich für ca. ein Jahr mit Gelenkschmerzen zu kämpfen, worauf mein Gynäkologe schon die Vorzeichen der Wechseljahre vermutete, als die Untersuchung auf Rheuma nichts ergeben hatte. Und dann war sie auch da, die befürchtete Diagnose: FSH über 12, AMH ca. 0,4. Aus der Traum vom Geschwisterkind. Laut Aussage mehrerer Ärzte: keine Chance auf ein weiteres Kind.
Leider konnte ich mich damit überhaupt nicht abfinden, denn der Wunsch nach einem Geschwisterkind war gross. Wenn der Kinderwunsch da ist, ist er da - auch wenn man schon ein Kind hat. Ausserdem hatte ich im Stillen die Hoffnung, dass es mit einer IVF-Behandlung doch klappen müßte, denn wer einmal soooo schnell schwanger geworden ist, wird es vielleicht auch noch mal (der Körper weiss ja schliesslich, wie das so geht mit dem Kinder bekommen :-).
Dann folgten nach verschiedenen Protokollen einige IVFs und ICSIs in Deutschland - leider ohne jeglichen Erfolg (teilweise konnte nur eine Eizelle gewonnen werden und natuerlich nicht den Hauch einer Einnistung).
Als wir dann im Sommer 2009 zum ersten Mal etwas zum Thema Eizellspende gehört haben dachte ich, das dies eine gute Alternative sein könnte. Für meinen Mann hingegen kam eine EZSP überhaupt nicht in Frage. Er fand dies - ganz spontan gesagt- zu viel Pfusch an der Natur. Doch wie bei wahrscheinlich vielen Partnern/Männern musste die Idee erstmal reifen (und Frau liess halt überhaupt nicht locker) und schliesslich haben wir uns dann doch gaaaanz sachte an das Thema herangearbeitet.
Viele Fragen taten sich auf:
- die Angst, das richtige zu tun
- wie wird es dem Kind gehen, wenn es erfährt, dass ich nicht seine genetische Mutter bin und ihm/ihr diese bei einer anonymen Spende auch nicht präsentieren kann?
- Eifersucht auf die Schwester (100% genetisches Kind)
- offene vs. anonyme Spende
- Was ist, wenn die "genetische" Mutter bei einer offenen Spende absolut nix von dem Kind wissen will (wenn er/sie sie denn ausfindig machen möchte und sie vielleicht eigene Kinder hat und von meinem dennoch nichts wissen will)
- Wer ist die Spenderin, wie sieht sie aus, ist sie gesund, warum spendet sie, verträgt sie die Behandlung, was für einen Background hat sie?
- Und: wird es einen Unterschied in der Liebe zu den Kindern geben?
- Wird es auch wirklich "mein" Kind sein? Man kann sich ja viel vornehmen, aber ich hatte trotzdem große Angst, dass ich unterbewusst einen Unterschied "fühle".
- Ähnlichkeiten: mein erstes Kind ist mir wie aus dem Gesicht geschnitten - was würde dies für das Geschwisterchen bedeuten?
- später sagen oder nicht sagen?
- und und und ...
Die Fragen wurden immer mehr.
Um nicht zu sehr auszuschweifen nur so viel: es war eine lange Reise bis zur tatsächlichen Behandlung. Eine 8er-Bahn der Gefühle und Wirrungen, begleitet von starken Zweifeln, Ängsten und Panikattacken. An einem Tag war ich mir ganz sicher: das will ich auf jeden Fall, an einem anderen Tag habe ich mir bei jeder fremden Frau auf der Strasse vorgestellt: was wäre, wenn SIE die Spenderin wäre?!?!? Bei aller Dankbarkeit gegenüber den Spenderinnen, hat in diesen Situationen meine Angst und Panik immer überwogen.
Mein Mann war mittlerweile sehr für diese Behandlung und hatte diese Zweifel überhaupt nicht.
Daher führte mein Weg zunächst einmal zu einer Psychotherapeutin, weil ich mit diesen ganzen Fragen total überfordert war und auch - selbst in endlosen Gesprächen mit meinem Mann - keine Antworten fand. Niemand aus unserer Familie / Freundeskreis wußte von unseren Plänen und die Gespräche mit Freunden/Familie hätten mich auch nicht weitergebracht. Es folgten einige wenige Sitzungen mit einer genialen Ärztin und dann war klar:
- Eizellspende ja, aber anonyme Spende
- plus: einige Kliniken persönlich ansehen.
Wenn wir schon so gut wie null Kontrolle über die Auswahl der Spenderin hatten wollten wir zumindest sehen, welches Team/Klinik denn diese Wahl für uns trifft (ich wäre sehr, sehr gerne zu Dr. K gegangen, aber da hat mein Mann der Logistik wegen nicht mitgemacht (von wegen: was ist, wenn es beim ersten Mal nicht klappt, Reisen mit Klein-Kind, Kosten, und und und)).
Dank dieses wundervollen Forums hatten wir uns dann auf das IM in Barcelona und auf IVF Spain/Herrn Dr. Aizpurua in Alicante eingeschossen. Es gibt bestimmt noch viel andere tolle Kliniken, aber um nicht alles noch komplizierter zu machen und den totalen Kliniktourismus durch ganz Europa zu betreiben, wollten wir mit diesen beiden beginnen. Ich fand von den Berichten her auch das IVI in Valencia interessant, jedoch war die Kommunikation im Vorfeld leider etwas schleppend und gefühlt etwas "fabrikmäßig" und ausserdem hatten sie im Sommer zu.
Ein kurzes Fazit der Klinikbesuche: meine Betreuerin beim IM Barcelona war sensationell, der Arzt dagegen eine große Enttäuschung. Er sprach zwar fliessend Deutsch, das war aber schon alles. Er hat uns sage und schreibe 2,5 Stunden warten lassen, schrie dann unseren Namen quer durchs volle Wartezimmer, hatte weder meine Unterlagen studiert, noch hat er sich einen Funken Mühe bei der Erstvisite gegeben. Nach 25 Minuten war der gute Mann fertig (und dass, obwohl er bei jeder meiner Fragen erst einmal in meinen Unterlagen nachlesen musste und inkl. eines sehr schmerzhaften Probetransfers). Wir waren unglaublich enttäuscht, hatte das IM doch einen so guten Ruf. Unsere Erfahrung dort war leider ganz schlecht.
Dann ging es auf zum IVF Spain nach Alicante.
Auf den ersten Blick erschien uns die Klinik ehrlich gesagt etwas "klein" und "posh" (ehr wie ein SPA :-)), aber von Herrn Dr. Aizpurua waren wir beide total angetan und haben uns dann auch relativ schnell entschieden, ihm und seinem Team zu vertrauen. Er hat sich unglaublich viel Zeit genommen, hat alle meine Fragen (und es waren viiiiieeeele) ruhig und mit viel Geduld beantwortet und kannte alle meine Werte auswendig! Plus: die Klinik und die Mitarbeiter waren sehr ruhig, angenehm und diskret. Nach der Erstvisite waren viele der Ängste und Bedenken fast weggeblasen und ich war (fast
sicher, dass wir das richtige tun. Mein Mann war ja wie gesagt eh schon weiter und viel pragmatischer: wir wollen noch ein Kind, brauchen dazu eine EZSP, Herr Dr. Aizpurua macht einen tollen Job, ich mag ihn menschlich - also los.
Geplanter Behandlungszeitraum war die 2te/3te November-Woche 2010 (also vor ca. einem Jahr :-)). Im Probezyklus super Aufbau der Schleimhaut, Spenderin gefunden, es konnte also losgehen.
Nachdem meine Schleimhaut beim Aufbau im Behandlungszyklus auf halber Strecke schlapp gemacht hat (bei ca. 5,5 - 6 mm riet mir meine Ki-Wu-Ärztin in Deutschland sogar dringend von einem Transfer ab), haben wir uns spontan in den Flieger gesetzt und haben alles vor Ort bei Herrn Dr. Aizpurua kontrollieren und begleiten lassen (schliesslich war die Spenderin mitten in der Stimulation, der Urlaub bei unseren beiden Arbeitgebern geplant und eingereicht und wir hätten das beide nicht so spontan ändern und verschieben können).
Als wir in Alicante ankamen, hatte meine Schleimhaut glaube ich nur 6,2 mm und beim Transfer glaube ich so um die 8 mm war aber schoen dreischichtig. Aber das wichtigste war, dass es mir unglaublich gut getan hat "vor Ort" zu sein und alles direkt im Zentrum bewerten zu lassen (die machen schliesslich den ganzen Tag nix anderes und wissen, wovon sie reden). Dr. Aizpurua war die ganze Zeit über mein direkter Ansprechpartner und strahlte die mir fehlende Zuversicht aus, dass einem Transfer nichts im Wege steht.
Bei der Spenderin konnten dann 19 Eizellen punktiert werden. Wir hatten uns ausdrücklich eine Mischbefruchtung gewünscht (halb ICSI, halb IVF) weil ich irgendwie wollte, dass die Natur bei einer IVF "mitentscheiden" kann - auch auf die Gefahr hin, dass wir weniger Embryonen haben würden. Es war einfach ein Wunsch, den wir hatten.
Der Transfer hatte sich trotz guter Planung (die Natur lässt sich halt nicht alles aufdiktieren) um zwei Tag verschoben, sodass mein Mann schon vorzeitig abreisen musste) und ich mit unserer Tochter alleine in Alicante geblieben bin und wir direkt nach dem Transfer zum Flughafen mussten, da ich am nächsten Tag wieder arbeiten sollte und das mit den Flug-Verbindungen sonst nicht geklappt hätte.
Am Tag des Transfers bin ich mit meiner kleinen und sehr lebendigen Tochter früh morgens in der Klinik erschienen und in einem kurzen Vorgespräch mit Frau Dr. Wegemann und Herrn Dr. Aizpurua habe ich erfahren, dass es lediglich 4 Embryonen bis zum Tag 5 geschafft haben - 3 aus der ICSI, 1 aus der IVF (war ich natuerlich enttäuscht, konnten doch zunächst 19 EZ punktiert werden).
Aber nun war es es wie es war und dann kam die Frage: wie viele Embryonen sollen denn transferiert werden?
Für meinen Mann und mich stand fest, dass wir "uns" eine Zwillingsschwangerschaft nicht zutrauen (beide über 40!). Ich bewundere Frauen mit Zwillingen, aber für uns wäre das undenkbar gewesen und das hat Frau Dr. Wegemann dann auch ganz knallhart auf den Punkt gebracht:
"Wenn Sie keine Zwillinge bekommen können und möchten, dürfen Sie sich auch nur einen Embryo transferieren lassen".
Ich haderte dennoch mit mir, weil ich mir natürlich der viel höheren Chancen beim Transfer von zwei Embryonen bewusst war und es waren ja auch nicht mehr so viele da (mein Mann war wie gesagt schon weg und in diesem Moment telefonisch nicht zu erreichen und nun sass ich da mit so einer Entscheidung). Wir hatten uns zwar schon für den Transfer nur eines Embryos entschieden, aber bei dem Ergebnis von nur 4 Embryonen an Tag 5 kam ich doch ins grübeln. Als Herr Dr. Aizpurua jedoch bei einem der kleinen Kandidaten ein "besonders gutes Gefühl" hatte (war übrigens der Kandidat aus der IVF), entschied auch ich mich zum Transfer nur eines Embryos (die Klinik ist auf den zweiten Blick übrigens alles andere als klein, sondern recht gross und HOCHmodern!).
Dr. A hat sich beim Transfer ganz viel Zeit genommen, hat alles Schritt für Schritt erklärt (Frau Dr. Wegemann war die ganze Zeit dabei) und genau den richtigen "Platz" gesucht und erst dann war der Transfer abgeschlossen.
Der ganze Morgen war irgendwie irreal, denn da lag ich nun mit voller Blase nach einer Eizellspendebehandlung mit anschliessender Fussmassage und Single-Embryotransfer und vorne an der Rezeption turnte meine Tochter mit den lieben Mitarbeitern rum und mein Mann war schon wieder im Büro und wartete auf einen Bericht. Und ich dachte nur: "Hilfe, was machst Du hier?" (von wegen alle Zweifel waren weg....).
Von Romantik und innerlicher Ruhe keine Spur.
Die Rückreise war dann auch noch eine totale Tortur mit Gepäckschlepperei (von wegen nicht Heben...), chaotischer Leihwagenrückgabe (vorher noch mit völliger Verspätung tanken), einem quängeligen Kind, dass in den Laufstreik getreten ist, 2 x umsteigen und noch schlimmer: 1,5 h Dauerturbulenzen vom Feinsten (mit 2 x Durchstarten im Landeanflug). Ich hatte die Nerven total blank liegen und war unendlich wütend und traurig, dass ich nicht noch länger in Alicante geblieben bin. Arbeit hin, Arbeit her.
Aber all dies konnte unseren Sohn nicht davon abhalten zu uns zu kommen, denn beim Transfer+10 war mein HCG tatsächlich bei 340. Unfassbar!!
Heimtest übrigens negativ..... Daher: bitte immer bis zum Bluttest warten.
Da immer wieder im Forum nach den ersten Anzeichen gefragt wird: ab so ca. 5 - 6 Tage nach dem Transfer war ich UNENDLICH und komatös müde. Hätte im Stehen schlafen können. Ansonsten: kein Ziehen, kein Nix. War bei meiner ersten Schwangerschaft anders... da nur Brustspannen.
Beim Ultraschall 5+4 (Transfer + 20) (ich hoffe, ich rechne das jetzt alles richtig) konnten wir einen ganz zartes kleines Flackern sehen - der Herzschlag. Ich war sprachlos: beim ersten Versuch - nach den ganzen Zweifeln und Ängsten - der furchtbaren Rückreise - tatsächlich ein kleines, schlagendes Herz. Ich war glücklich und geschockt zugleich, denn klammheimlich waren die Ängste wieder da, das richtige getan zu haben.
Die Schwangerschaft entpuppte sich weiter als 8ter Bahnfahrt. Sie war schwierig, weil ich in den ersten 3 Monate häufig in die Klinik an den Tropf musste. Ich habe von morgens bis abends gespukt, habe permanent gefroren und hatte abends unbeschreibliches Schüttelfrost - all dies hat mehr oder weniger bis zur Entbindung angehalten. Auch waren alle Bedenken, Zweifel und Ängste wieder sehr, sehr präsent. Was ganz schlimm für mich war, denn ich war ja schwanger und kam mir sooo undankbar vor. Aber das Gefühl "Hilfe, was hast Du gemacht" war nun mal da und ich war unendlich traurig (mein Mann verstand die Welt nicht mehr.....).
Während der gesamten Schwangerschaft hatte ich Kontakt zum Team nach Alicante - genauer gesagt zu Herrn Dr. Aizpurua. Er war auch der einzige, mit dem ich ganz offen über diese Gedanken gesprochen habe und der mich einigermassen beruhigen konnte. Er hat mich bis zur Entbindung moralisch begleitet und war wirklich immer für mich da. Natuerlich nicht 24 Stunden am Tag, aber je nach Dringlichkeit sehr sehr schnell.
Tja, und dann kam das, was jeder sagt und ich doch nie geglaubt habe: mit dem Tag der Geburt (gewünschter und geplanter Kaiserschnitt) waren alle Zweifel komplett vergessen und Schnee von gestern. Ebenso wie die Entstehungsgeschichte und die Sorge, ob ich dieses Kind genauso lieben koennte, wie mein erstes. Mit dem Tag seiner Geburt war es nur noch mein Kind, dass ich über alles liebe und mir seiner Besonderheit sehr, sehr bewusst bin.
Unser Sohn ist ein ganz zauberhafter und verschmuster kleiner Mensch (der meinem Mann übrigens sehr ähnlich sieht) und ich bin unendlich glücklich und voll tiefer und unbeschreiblicher Dankbarkeit. Bis auf ganz wenige Momente, ist die Behandlung komplett "vergessen". Ich bin der Spenderin dankbar - sehr, sehr dankbar - aber das war's dann auch. Mein Mann denkt überhaupt nicht mehr daran. Es ist so, als wäre der Kleine schon immer bei uns.
Ich würde - aus heutiger Sicht - diesen Weg immer wieder gehen, aber es hat eine Zeit gedauert, bis sich alles gefunden hat. Heute weiss ich, das dies mit die beste Entscheidung meines Lebens war - aber diese Gewissheit hatte ich nicht immer!
Dies war unser Weg und er muss nicht für jeden passen, aber vielleicht hilft ja mein Bericht ein wenig bei der ein- oder anderen Entscheidungsfindung bzw. schlaflosen Nacht. Für mich war das allerschlimmste, selbst nach dem positiven Test Zweifel zu haben.
Wie gesagt: alles Schnee von gestern. Mein Sohn ist neben meiner Tochter das größte Geschenk und ich mache und fühle absolut keinen Unterschied in der Liebe zu meinen Kindern. Ganz im Gegenteil....
Herzliche Grüße und allen viel Glück,
M.