Nachdem sich in letzter Zeit mal wieder die Fragen im Ärzteforum (und nicht nur dort) gehäuft um die Dosierung und Einnahmezeiten von Progesteronpräparaten drehen, hier nun mal etwas Grundlegendes:
Progesteron/HCG in der Gelbkörperphase/Frühschwangerschaft sinnvoll?
Sachverhalt:
Seit langem ist bekannt, dass nach einer medikamentösen Stimulation der Eizellreifung auch die dem Eisprung folgende Gelbkörperphase medikamentös unterstützt werden sollte. Dabei tendierte man in den vergangenen Jahren dazu, sowohl Gelbkörperhormon (Progesteron vaginal, oral oder als Spritzen) sowie oft zusätzlich wiederholt HCG (Schwangerschaftshormon) zu spritzen. Im Falle einer eingetretenen Schwangerschaft galt die Empfehlung, die Anwendung des Gelbkörperhormons bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fortzusetzen. Dies geschah in der Annahme, dadurch die Fehlgeburtsraten senken zu können.
Aktuelle Studienlage:
Eine aktuelle Arbeit (veröffentlicht in der Zeitschrift: Human Reproduction Update 2007;13:581-590) hat die zu diesem Thema vorliegenden Studien zusammengefasst und – was sich durch einzelne Untersuchungen schon seit Jahren zeigte – viele der früheren Auffassungen widerlegt. Folgende Schlussfolgerungen wurden zusammenfassend gezogen:
1. Die Unterstützung der Gelbkörperphase mit Progesteron oder HCG erhöht in stimulierten Zyklen die Schwangerschaftsraten.
2. Da die zusätzliche Gabe von HCG das Risiko eines Überstimulationssyndromes deutlich erhöht (ohne die Schwangerschaftsrate gegenüber der alleinigen Anwendung von Progesteron nachhaltig zu verbessern), wird gerade bei stärker stimulierten Patientinnen von HCG in der Lutealphase abgeraten und die alleinige Progesteronanwendung empfohlen.
3. Die vaginale Gabe von Progesteron ist der oralen bzw. intramuskulären Anwendung vergleichbar effektiv bei weniger Nebenwirkungen.
4. Die Anwendung von Progesteron über den positiven Schwangerschaftstest hinaus senkt die Fehlgeburtsrate nicht. Die Fehlgeburt wird dadurch lediglich herausgezögert, aber nicht verhindert.
(Quelle: http://www.endokrinologikum.com)
Bie erhöhtem Fehlgeburtsrisiko verabreicht das Endokrinologikum bis Ende 12. SSW ebenfalls Progesteron - wie es bei EZS/EmbA üblich ist.
frowlein