An die
Mitglieder des
Nationalen Ethikrates der
Bundesrepublik Deutschland
Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frau, Ines (44 Jahre), und ich, Christoph (33 Jahre), haben seit 6 Jahren leider einen unerfüllten Kinderwunsch. Ines hat bereits Kinder, die allerdings nach einer Scheidung bei Ihrem Ex-Ehemann in Amerika leben, der fast jeden Kontakt unterbindet.
In diesen 6 Jahren haben wir alle Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin über uns ergehen lassen, die in Deutschland erlaubt sind und auch die, die in Deutschland leider nicht erlaubt sind.
Angefangen hat dies mit Fieberkurven, dann hatten wir mehrere erfolglose Inseminationsversuche. Anschließend mussten wir bei der Krankenkasse die Kostenübernahme für IVF-Behandlungen beantragen. Diese hat uns auch die Übernahme von 2 Versuchen genehmigt. Den 1. Versuch konnten wir mit einer Punktion der Follikel abschließen, allerdings waren die Follikel leider leer. Dann ging die Odyssee weiter, da uns diese Praxis nicht weiter behandeln wollte. Deshalb mussten wir die Praxis wechseln, nach einem erfolglosen Stimulationsversuch, wurde uns per Telefon mitgeteilt, dass es kein Sinn bei uns hat, wir aber ein paar Unterlagen über Adoption zugesandt bekommen. Damit gaben wir uns jedoch nicht zufrieden, also haben wir wiederum die Praxis gewechselt, da man uns dort Hoffnungen gemacht hat, dass es doch klappen könnte. Also haben wir wieder alle Energie in diesen Versuch gesteckt, aber leider kam das gleiche Ergebnis dabei heraus, wie bei dem vorhergehenden Versuch. Wir mussten abbrechen, da keine Follikel sichtbar waren.
Nun standen wir wieder vor dem Aus, unser Kinderwunsch war in ungreifbare Ferne gerückt.
Jedoch haben wir uns davon nicht unterkriegen lassen und nach anderen Möglichkeiten gesucht. Auf einer englischen Website haben wir die Möglichkeit der Eizellspende gefunden. Davon beflügelt haben wir fast 100 Kliniken in ganz Europa angeschrieben, um Informationen darüber zu bekommen. Anschließend haben wir uns ein paar Kliniken ausgesucht, deren Leistungen in einem vernünftigen finanziellen Rahmen standen. Diese Kliniken haben wir uns dann vor Ort angeschaut und für eine entschieden. In dieser Klinik haben wir dann 3 erfolglose Eizellspenden-Versuche gemacht. Anschließend haben wir wiederum die Klinik gewechselt, da die Wartezeit zulange wurde. In der neu gewählten Klinik haben wir bereits 2 erfolglose Eizellspenden-Versuche hinter uns.
Dann haben wir zufällig Kontakt mit einer Klinik in Südafrika aufgenommen. Diese Klinik hat sehr gute Erfolgsaussichten, allerdings muss meine Frau vorher einige Untersuchungen (z.B. Schleimhautbiopsie und diverse Blutuntersuchungen) machen lassen, da sie auch schon mehrere Fehlgeburten hatte.
Wir schrieben dazu mehrere Universitätskliniken an, um nachzufragen, ob wir dort diese Untersuchungen machen lassen können. In einer Klinik bekamen wir auch sofort einen Vorstellungstermin. Diesem Arzt haben wir erläutert, was wir alles machen lassen müssen und wofür. Er wollte noch eine Bestätigung der Krankenkasse über die Kostenübernahme für diese Untersuchungen haben. Also sind wir zu unserer Krankenkassen und haben dort das Schreiben des Arztes vorgelegt. Natürlich wurde eine Kostenübernahme abgelehnt, da Eizellspende in Deutschland leider immer noch verboten ist und alle Untersuchungen die zur Vorbereitung einer solchen Spende dienen, nicht von den Krankenkassen bezahlt werden.
Nun waren wir mal wieder total am Boden zerstört, wer soll solche Untersuchungen und dann noch die Eizellspende bezahlen können?
Da Eizellspende ja in Deutschland verboten ist und die betroffenen Paare auch fast keine Informationen über diese Möglichkeit erhalten, haben wir uns dazu entschlossen, unsere Informationen in Form einer Website (http://www.eizellspende.de) anderen Paaren zur Verfügung zu stellen. Es ist schon erschreckend zu sehen, wie vielen Paaren es so ergeht, wie uns. Es gibt sehr viele Paare, die ebenfalls Eizellspende machen lassen müssen, um sich ihren Traum von einem Wunschkind erfüllen zu können. Man liest dort sehr viele negativen Nachrichten, wenn mal ein Transfer nicht geklappt hat und der Schwangerschaftstest zum wiederholten Male negativ war. Trotz allem sprechen die betroffenen Paare sich gegenseitig Mut zu, damit man wieder aus diesem tiefen Loch, in das man hereingefallen ist rauskommt. Die Hilfe, die sich die Paare gegenseitig geben ist einfach unglaublich.
Vor kurzem hat Herr Kurz, ZDF, Kontakt mit uns aufgenommen, da er einen Fernsehbeitrag über Embryonenspende machen möchte, was ja nicht sehr weit weg ist von der Eizellspende.
Wir haben ihm jegliche Unterstützung gegeben, die uns möglich war, damit endlich die betroffenen Paare nicht mehr in eine Ecke gedrängt werden und auch von der Gesellschaft endlich akzeptiert werden.
Es ist uns ein großes Anliegen, dass Embryonen- und Eizellspende in Deutschland legalisiert wird, damit die betroffenen Paare wieder ein glückliches und normales Leben führen können.
Den Weg einer Eizellspende zu gehen, bedeutet für die betroffenen Paare jede Menge Entbehrungen. Viele haben seit mehreren Jahren schon keine Urlaub mehr gehabt oder sich irgendwelche anderen schönen Dinge leisten können, damit jeder Cent für die Eizellspende genutzt werden kann.
Wir sind gerne bereit, dass wir uns mal mit Ihnen zu einem Gespräch treffen, damit Sie die Situation (vor allem auch die psychische Belastung einer Kinderwunschbehandlung) eines Paares oder evtl. mehrerer Paare mal aus erster Hand kennenlernen können. Vielleicht fällt dann auch für Sie eine Entscheidung Pro Eizell- und Embryonenspende leichter.
In der Hoffnung eine positive Antwort zu bekommen, verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Ines & Christoph Schmid
<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Ines & Chris am 2003-02-04 11:09 ]</font>