Mädels, in letzter Zeit wird hier ja heftig das Thema i.m. Spritzen diskutiert.
Bitte seid vorsichtig!
Solltet ihr wirklich keine medizinisch geschulte Person in eurem Freundes- oder Bekanntenkreis haben die euch spritzt und ihr die Spritzen in Eigenregie durchführt beachtet bitte unbedingt folgende Hinweise:
Kontraindikationen ( also NICHt spritzen!)
* Unklarheit über anatomische Strukturen (bei Laien leider üblich)
* Herzinfarkt und Schlaganfall, Art. Verschlusskrankheit (einschlägige Laborwerte erhöht/Klinik ) -> Lysetherapie
* lokale Ödembildung (Wassereinlagerungen)
* Unverträglichkeit des Wirkstoffes (Unbedingt Beipackzettel lesen, ggf. googlen!)
* paretische Körperteile (= gelähmt, geschwächt)
* Op-, Hämatomgebiete, Rötungen
* Infektionen (Pilz), Hautveränderungen
* Narbengewebe, Verhärtungen
* Schock (keine Muskeldurchblutung -> keine Resorption)
* bei Patienten die Antikoagulanzien einnehmen (Blutgerinnungshemmende Medikamente wie zum z.B:Marcumar®,Heparin )
Als sicherste Methode gilt heute die ventroglutaeale Injektion nach Hochstetter (also in den "großen" Gesäßmuskel). Hierbei müssen 3 Orientierungs- und Tastpunkte sicher erfasst werden:
* Die Spina iliaca anterior superior – Spitze des Darmbeinkamms (also der beim auf-dem-Rücken-liegen-vorschauende Hüftknochen)
* Die Eminentia cristae iliaca anterior – wulstartige Verdickung auf der Kammhöhe (heißt nach dem Darmbein)
* Der Trochanter major – OS-Knochen, oberer Wulst (dort ist auf der Innenseite der Ansatz zum Gelenkkopf)
Tastvorgang nach Hochstetter beim rechten Gesäßmuskel:
o Dein linker Zeigefinger ertastet die Sitze des Darmbeinkamms und verweilt dort (Bei adipösen Patienten etwas schwieriger zu finden, man muß sich dann durch die Fettschicht mit etwas mehr Druck herantasten)
o Deinen linken Mittelfinger spreizt du weit ab bis er auf dem Darmbeinkamm ist (Nicht um den Kamm herumgreifen!)
o Die beiden Finger bilden eine V-Form.
o Du bewegst nun diese Hand mit den gespreizten Fingern in einer kleinen Drehbewegung bauchwärts. Dabei ruht Dein linker Zeigefinger weiter auf dem ertasteten Punkt (= Drehachse), bis der Handballen auf dem Trochanter major (Oberschenkelknochen) abgesetzt werden kann. Diese Bewegung ist gering. Die Finger und die Hand können sich abstützen.
o Der Injektionsort ist nun die kleine untere Spitze des V, welches Dein Zeigefinger und Dein Mittelfinger bilden.
o Mit dem Desinfektionstuper (Fingenagel oder Spritzenkappe tut´s auch) wird die Stelle sofort markiert
o Beim injizieren sollteste Du die Nadelspitze so ausrichten, dass sie senkrecht zur Hautoberfläche steht und eher (leicht) zum Kopf hin weist.
Beim linken Gesäßmuskel: gleicher Vorgang - nur dass Deine "entgegengesetze" Hand verwendet wird - also der rechter Zeigefinger auf der Spitze des Darmbeinkamms und der rechte Mittelfinger auf dem Darmbeinkamm ruht.
Vorteil der Methode: Sehr enges Injektionsgebiet weit weg vom Ischiasnerv.
Komplikationen wenns doch schief läuft:
* treffen des N. Ischiadicus bei Injektionen in den M. gluteus medius-> Schmerz und Lähmung (falsche Lokalisation)
* Hämatome durch das Durchstechen kleiner Blutgefäße. (Beobachten, darf sich nicht vergrößern)
* aseptische Nekrose (spontaner Gewebetod)
* Abszeß (primär -> verkeimte Lösung; sekundär -> Stichkanal)
* Knochenberührung (Schmerz, die Knochenhaut ist gut enerviert)
* Schmerz ähnlich einem Muskelkater (bis ca. 3 Tage nach der Injektion)
* Abbrechen der Kanüle unterhalb des Konus durch Materialfehler (heutzutage äußerst selten, aber nicht ausgeschlossen, Einstichstelle evtl. sofort markieren)
* Punktion eines größeren Gefäßes
Das hier kursierende Video von Youtube ist nicht zur Nachahmung empfohlen da die Dame im Video die Stelle nicht ausmisst, sondern auf "gut düng" spritzt- viel zu gefährlich!
Ausweichend ist noch die Injektion im Oberschenkel möglich (alleine ist eigentlich nur diese Weise zu bewerkstelligen), aber nicht empfehlenswert da keine genaue Ausmessung möglich.
* Das Injektionsgebiet befindet sich im mittleren Drittel der Fläche zwischen gedachter Bügelfalte und gedachter äußerer Hosennaht, dem M. vastus lateralis.
* An der Innenseite des Oberschenkels verlaufen wichtige Nerven und Gefäße, deshalb darf man dort NICHT injizieren!
Allen Mädels im Saar-Pfalz-Kreis kann ich anbieten, die Injektion durchzuführen. Bitte nehmt die i.m. Injektion- auch wenns nur ein kleiner Pieks zu sein scheint- nicht auf die leichte Schulter!
Ellis