Antw:Fragen zu einer nicht-anonymen-Eizellenspende nach Krebs und Endometriose
Liebe Nela!
Ich hoffe es ist okay das ich dir öffentlich antworte? Selbstverständlich darfst du mich bei weiteren Fragen gerne per PN kontaktieren.
Erstmal herzlichen Willkommen hier im Forum!
Wie heeidi dir bereits berichtet hat sind meine Frau und ich aktuell in Holland in Behandlung. Bei uns war die treibende Kraf tdass wir zum einen als gleichgeschlechtliches Paar nur so die Chance auf ein Kind haben, zu dem wir beide etwas beitragen können und zum anderen hat ein "Überwachungszyklus" in einer deutschen KiWu ergeben, dass- vereinfacht ausgedrückt- der Uterus meiner Frau (38 J.) nicht unbedingt "schwangerschaftstauglich" ist; dafür meine (29J.) Eizellen deutliche Abzüge in der B- Note erhalten.
Da Holland neben Tschechien, Russland und den USA eines der wenigen Länder ist, welche überhaupt offene Eizellspenden anbieten, sind wir im Frühjahr 2012 in Arnhem bei "Ziekenhuis Rijnstate" gelandet. Hier die offizielle Homepage dazu: http://www.rijnstate.nl/web/show (leider nicht auf deutsch).
In Holland werden Frauen bis 45 Jahre behandelt.
Der Ablauf war wie folgt:
Nach der Kontaktaufnahme zur Klinik wurde der Termin für das EG vereinbart. Hier muss ich heeidi zustimmen; nicht alle Holländer sprechen deutsch. Unser EG fand deshalb in einer Mischung aus Händen, Füßen, englisch, deutsch und holländisch statt. Am Ende waren aber dennoch alle Unklarheiten beseitig; nicht zuletzt da die Klinik uns eine sehr ausführliche Informationsmappe (auf deutsch!) ausgehändigt hat. Trotz der Sprachbarriere haben wir uns in Arnhem von der ersten Sekunde an sehr gut aufehoben gefühlt. Da wir alle Befunde aus Deutschland mitgebracht hatten wurde nur bei meiner Frau (der Spenderin) nocheinmal ein Ultraschall gemacht. Das EG kostet rund 200€; später kommen pro Quartal rund 200€ Arztkosten dazu.
Der 2. Termin war, neben einem erneuten Gespräch mit dem Arzt (diesesmal auf deutsch), tatsächlich bei einer Psychologin (auf englisch)- allerdings ist das auch in Deutschland in vielen Kliniken vor einer Keimzellspende Pflicht.
Beim 3. Termin haben wir unseren Samenspender ausgewählt und unseren Behandlungsplan erhalten. Auch den ersten Schwung Medikamente haben wir von der Klinik mitbekommen. Da wir uns für einen Behandlungsbeginn Anfang 2013 entschieden hatten mussten wir beide (also Spenderin und Empfängerin) gleichzeitig mit der Einnahme der Pille beginnen (haben uns an der Periode meiner Frau orientiert). Anschließend bzw. überlappend wurde mit Lucrin downreguliert; ich (Empfängerin) musste zudem Progynova 2-0-2 einnehmen. Als beim 4. Termin in Arnhem überprüft wurde, wie sich meine GMS aufgebaut hat (zu dem Zeitpunkt 11 mm) durfte meine Frau (Spenderin) mit der Stimulation beginnen (Gonal f; 150 I.E./Tag). Wir konnten die Holländer überzeugen dass wir das Folli- TV in Deutschland machen dürfen und mussten so nach dem Ultraschallbefund nur telefonisch durchgeben. Daraufhin erhielten wir die weiteren Anweisungen wann meine Frau (Spenderin) mit Pregnyl ihren ES auslösen muss, welche Medikamente wir beide weiter einnehmen müssen und wann PU sein wird.
Punktiert wurden letzten Montag 14 Eizellen; die Punktion wird in Holland übrigends generell ohne Narkose gemacht. Meine Frau durfte vorab lediglich 1 Tbl. Lorazepam sowie ein Voltarenzäpfchen einnehmen.
Anschließend wurden uns das "Punktionsgut" auf den Bauch geklebt und wir fuhren, ausgestattet mit einem Stickstoffbehälter indem der Spendersamen gelagert wurde, ins ca. 70 km entfernte Utecht (UMC Utrecht, die Uniklinik). In Utrecht mussten wir etwa eine Stunde warten, erfuhren dann dass 14 EZ punktiert wurden und das zur Befruchtung einer von 3 mitgebrachten Halmen Spendersamen ausgereicht hatten. Eigentlich sollte am Donnerstag (PU+ 3) TF sein; da normalerweise zwischen 10.00-11.00 Uhr der Anruf aus Utrecht erfolgt und mitgeteilt wird wieviele Embryonen welcher Qualität sich entwickelt haben und der TF dann am gleichen Tag zwischen 13.00- 14.00 Uhr stattfindet konnten wir uns problemlos auf den Anruf an PU+ 3 und einen TF+ 4 einigen (haben einen Anreiseweg von über 400 km). Die restlichen "Jungs" mussten wir dann im Stickstoffbehälter zurück nach Arnhem bringen. Der Spendersamen kostet übrigens 100€ pro Halm.
Zur verabredeten Uhrzeit erfolgte dann am Donnerstag (PU+ 3) der Anruf: 5 Embryonen, davon 2 7-Zeller und 3 4- Zeller.
Am Freitag um 14.00 Uhr erfolgte dann der TF eines Ebryos (Blastozyste), die 4 anderen wurden kryokonserviert. Unter 38 Jahren ist es in Holland üblich dass nur 1 Embryo transferiert wird (Singletransfer) wenn ein vielversprechender Embryo entstanden ist; nur in Ausnahmefällen werden auch unter 38 Jahren 2 "minderwertigere" Embryonen transferiert. Wir stecken momentan also mitten in der WS.
In Holland ist es übrigens nicht relevant ob die Spenderin selbst bereits Kinder hat.
Die Wartezeiten sind- wie man bei anderen Forumsmitgliedern hier liest- tatsächlich relativ lang. Vom Erstgespräch bis zum Transfer waren es bei uns nun insgesamt 9 Monate; wobei der TF auch schon vor 2 Monaten machbar gewesen wäre.
Weder ein "Bewerbungsgespräch" noch eine ausführliche medizinisch-psychologische Untersuchung wie heeidi es schildert haben wir erlebt.
Die Endabrechung haben wir noch nicht; rechnen aber mit einer Endsumme von etwa 3000 Euro inklusive allem.
Ich hoffe ich konnte dir damit ein wenig weiterhelfen und wünsche euch viel Glück auf eurem spannenden aber langen Weg!
Liebe Grüße,
Ellis