Persönliche Anmerkung: Schade, dass immer nur die Betroffenen mehr oder weniger von solchen Umfragen abhängig sind:
15 September 2002 - 18:07
Umfrage: Wachsende Vorbehalte gegen künstliche Befruchtung
Die Zustimmung zu Nachwuchs um jeden Preis und zu künstlicher Befruchtung wird in Deutschland nach einer Umfrage geringer
In einer vom Wissenschaftsmagazin »Geo Wissen« (Hamburg) in Auftrag gegebenen Allensbach-Studie beurteilten jetzt nur noch 50 Prozent von 2088 Befragten eine künstliche Befruchtung als »gute« Möglichkeit der Zeugung. Im Jahr 2000 seien noch 57 Prozent dafür gewesen, schreibt das Magazin in seiner neuesten Ausgabe, die am Montag erscheint.
Trotz der Vorbehalte: Seit 1978 in England das erste Retortenbaby geboren wurde, ist die Nachfrage nach künstlicher Befruchtung steil gestiegen. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden der Frau Eizellen aus dem Eierstock entnommen, im Reagenzglas (in vitro) befruchtet und in die Gebärmutter gepflanzt. Rund 100 000 per IVF und verwandter Methoden gezeugte Kinder sind nach früheren Angaben des Magazins »Geo« inzwischen in Deutschland zur Welt gekommen. Zwei Millionen Paare könnten keine Kinder bekommen, hieß es im April-Heft.
Wenn beim Kinderzeugen Samen- oder Eizellspenden eine Rolle spielen, wird die Haltung laut der Umfrage von »Geo Wissen« noch kritischer. Das Einverständnis für eine Befruchtung durch Spermien eines fremden Mannes fiel von 31 auf 25 Prozent. Die Eispende einer fremden Frau wird nur noch von 19 Prozent statt 26 Prozent im Jahr 2000 befürwortet.
Insgesamt sei die Skepsis der Deutschen gegenüber technischen Möglichkeiten in der Medizin in den vergangenen zwei Jahren gewachsen: Nicht nur in der Fortpflanzungsmedizin, sondern auch bei der Embryonenforschung und bei Organübertragungen sei die Zustimmung rückläufig. So könnten sich weniger Menschen als noch vor zwei Jahren vorstellen, mit einem fremden Herzen zu leben. Dabei wäre im Jahr 2000 das Herz eines menschlichen Spenders 58 Prozent der Befragten am liebsten gewesen; heute machen nur noch 50 Prozent der Befragten diese Angabe.
Auch die Stammzellenforschung trifft auf Vorbehalte: Mehr als die Hälfte der Befragten (bei den Frauen sogar 64 Prozent) lehnt das deutsche Gesetz kategorisch ab. Dieses erlaubt es Wissenschaftlern unter Auflagen, mit Stammzellen von Embryonen zu forschen, die nach einer künstlichen Befruchtung nicht in den Uterus implantiert wurden.
[Quelle: Westfälische Rundschau]