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  1. Dein Kinderwunschforum – Erfahrungsaustausch & Expertenantworten für Deinen Weg zum Wunschkind! 💬🩺
  2. Psychische Aspekte
  3. Allgemeine Informationen

offene EZP

  • Britta_1
  • 6. Juni 2007 um 13:15
  • Geschlossen
  • Britta_1
    Morula
    Beiträge
    213
    • 13. Juni 2007 um 20:15
    • #21

    Re: offene EZP

    Zitat von Romy: Das ist genau der springende Punkt, es kommt aufs Kind an

    Was machst du, wenn das Kind nach seinen Wurzeln fragt und du ihm keine Antwort darauf geben kannst?

  • peg
    Morula
    Beiträge
    289
    • 14. Juni 2007 um 08:09
    • #22

    Re: offene EZP

    Man kann ihm dann ja schon sagen, daß die EZ von einer anderen Frau war. Oder bei EMS, daß sogar EZ und Spermium von anderen Leuten waren. Dann nur leider kann man keinen Namen angeben oder ein Bild dazu liefern. Ist schon evtl doof. Aber ob das wirklich so schlimm für das Kind ist?

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 14. Juni 2007 um 08:29
    • #23

    Re: offene EZP

    Genau das stell ich mir als den worst case vor.

    Was hat das Kind davon, zu wissen, dass es nicht der genetische Abkömmling seiner Eltern ist, aber nicht in Erfahrung bringen zu können, wessen genetischer Abkömmling es nun ist? Welchen Gewinn hat das Kind aus so einer Eröffnung?

    Unsere Kleine wächst so selbstverständlich und tief in ihrer Elternschaft verwurzelt auf, ich werde den Teufel tun, sie darin zu erschüttern - zumal es auch optisch gesehen keinerlei Grund dafür gibt.

    Gruß Romy

  • Britta_1
    Morula
    Beiträge
    213
    • 14. Juni 2007 um 10:49
    • #24

    Re: offene EZP

    Wenn du mit einer solchen Lebenslüge glücklich wirst...?
    Ich stelle hier einmal einen mit einem Arzt aus einem osteuropäischen Nachbarland geführten Schriftwechsel hinein, der die Gegenseite vertritt:

    Donation is strictly anounymous. I am sure it is good law. You can come
    > for
    > discussion about problems of open donation (donor can one day come and
    > tell
    > to your child - you are "my son" etc.).
    > Have a nice day.

    Ich habe zurückgeschrieben, daß man das regeln kann, indem man ein Auskunftsrecht ab dem 18. Lebensjahr erteilt. In England hat man nur noch die offene Eizellspende per Gesetz zugelassen, sicher auch aus gutem Grund.
    Da kam zurück
    This law is the reason, why many English couple come for treatment to our
    center to keep anonymity.
    I am sure, you can find information about GB centers and give your child
    "right to know". I am afraid you take of your child "right to be born".
    Donors do not like to discover their identity.
    Have a nice day.
    Er zweifelt also daran, daß es überhaupt gelingt, eine offene Eizellspendenbehandlung durchzuführen. Mal sehen, wer recht behält

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 14. Juni 2007 um 13:58
    • #25

    Re: offene EZP

    Hallo Britta,

    ja, ich bin mit dieser Lebenslüge glücklich! Ich bin nämlich - nachdem ich es lange in mir bewegt habe - zu dem Schluss gekommen, dass ich das Verschweigen für die praktikablere UND moralisch höherstehende Lösung halte. Die Schuld, die ich mir mit dem Verschweigen vielleicht auflade, die packe ich in meinen Rucksack und trage sie, und zwar alleine.

    Aber: mit einer offenen EZS verursachst du auch Schuld. Du riskierst eine schwere Krise des Kindes, und ob das für die Spenderin so ohne ist, ihren genetischen Abkömmlingen zu begegnen? Ich bin der Meinung, damit mutest du anderen Menschen auch ganz schön was zu.

    Wenn du es ganz moralisch einwandfrei haben willst, dann verzichte am besten auf EZS. Wie man es dreht und wendet, es bleibt einfach eine haarige Sache.

    Viele grüße
    Romy

  • Meteor
    4-Zeller
    Beiträge
    79
    • 14. Juni 2007 um 21:01
    • #26

    Re: offene EZP

    Liebe Romy,
    ich lese deine Beiträge immer wieder mit Vergnügen; sie haben wie man so schön sagt oft "Hand und Fuß" und sind auch noch mit dem gewissen Augenzwinkern ausgestattet, der ein wenig die Schwere nimmt. Man merkt, dass du dich mit Schreibe beschäftigst ;)

    Und auch bei diesem Thema sprichst du mir aus der Seele. Auch ich - sofern ich das Glück habe, dass ich Erfolg habe - habe mich gegen eine Aufklärung entschlossen. Und mich tragen die gleichen Beweggründe, wobei ich das "Seitensprungszenario" als ein interessantes und eigentlich auch passendes Gleichnis empfinde um diese Entscheidung treffen zu können. Vorausgesetzt natürlich, dass es sich dabei um keine ernsthafte Angelegenheit handelt.

    Ich finde das man abwägen muß, und hier überwiegen für mich klar die Vorteile für das Kind beim Nichtwissen. Dies war von Anfang an meine Sicht (außer mir und meinem Mann weiß auch keiner davon) und deine bzw. auch Josis Argumente zu lesen, bestätigen mich erneut darin.

    Vielen Dank dafür und herzlichen Gruß
    Meteor

  • peg
    Morula
    Beiträge
    289
    • 16. Juni 2007 um 09:25
    • #27

    Re: offene EZP

    Hallo,

    ich verstehe die Argumete des Verschweigens durchaus. aber was macht ihr, wenn eure Kinder irgendwann durch Zufall herausbekommen, daß ihr nicht die genetischen Mütter/Eltern sein könnt?
    Sowas passiert ja wenn, dann oft relativ spät. In meiner Familie habe ich es jetzt mehrfach erlebt, daß z.B. duch Krebserkrankungen Spender gesucht wurden (hier für Stammzellen) und ganze Zweige der Familie durchgetestet wurden. Dabei fällt dann schon auf, wenn einer von der DNA aus der Reihe fällt.
    Und das Kind dann im Alter von 20 oder 30 Jahren mit der Wahrheit zu konfrontieren, stelle ich mich doch ziemlich problematisch vor.

  • Meteor
    4-Zeller
    Beiträge
    79
    • 16. Juni 2007 um 14:46
    • #28

    Re: offene EZP

    Liebe peg,

    du hast recht damit, dass jeder für sich selbst abwägen muß, ob man bereit ist offen damit umzugehen oder zu schweigen.

    Um jedoch einmal konkret auf dein Fallbeispiel einzugehen, so halte ich dies für relativ gut kontrollierbar, denn auch in engster genetischer Verwandschaft müssen nicht unbedingt die richtigen Stammzellen dabei sein. Das Risiko, dass in so einem Fall der Arzt dann trotzdem diese (völlig unnötige) Zusatzinfo an mein Kind weitergibt, halte ich für unwahrscheinlich.

    Viel wichtiger im generellen Abwägen finde ich jedoch, was es theoretisch bei meinem Kind auslösen kann, wenn ich von vornherein die Wahrheit sage. Und keine Antworten auf Fragen zur genetischen Mutter beantworten kann, also bei einer evtl. genetische Identitätssuche nicht helfen kann, mein Kind mit dieser Frage völlig allein sein wird. Wenn man offen damit umgeht gibt es nunmal kein zurück!

    Ich selbst bin einer Patchworkfamilie groß geworden mit einem Stiefvater (und Stief-/Halbgeschwistern). Als Pubertierende habe ich ihm immer vor Augen geführt "das er ja nicht mein richtiger Vater ist" und alles, was mir nicht paßte, darauf geschoben (damit habe ich mich, meine Mutter und letztlich die gesamte Familie ziemlich unglücklich gemacht). Ich war sehr bemüht eine Beziehung zu meinem biologischen Vater zu bekommen, der jedoch kein Interesse daran hatte. Erst als Erwachsene weiß ich, dass mein Stiefvater mein "wahrer" Vater ist, nämlich der Mann, der immer als Vaterperson für mich da war. Dafür bedurfte es jedoch ein gewissen Reife. Ich denke, dass meine Kindheit/Pubertät einfacher gewesen wäre, wenn ich gedacht hätte, er wäre mein Vater und nie die Suche nach einem biologischen Vater gestartet hätte.
    In unserem aktuellen Fall ist dies ja sogar noch schlimmer, da wir ja nun wirklich nichts über die Spenderin wissen und es nie zu einer Kontaktaufnahme mit dem Kind kommen kann.

    Aber dies ist sicherlich eine sehr subjektive Sicht. Ich kann daher verstehen, wenn du dies anders handhaben möchtest und ich wünsche dir ganz viel Glück!!

    Liebe Grüße
    Meteor

  • sugar
    Morula
    Beiträge
    644
    • 16. Juni 2007 um 15:03
    • #29

    Re: offene EZP

    Hallo Britta ,
    ich habe jetzt erst einmal hier reingeschaut und gesehen über was für ein brisantes
    Thema hier geschrieben wird und je mehr ich so lese desto ärgerlicher macht mich deine Ansicht die du einigen von uns aufs Auge drücken willst .

    Du hast in deinen ersten Schreiben nur eine Anfrage gestartet, das ist richtig .
    Aber im nächsten Text hast gerade du diese Thema so brisant und negativ ins Licht
    gesetzt .

    Jeder muss für sich entscheiden es dem Kind zu erzählen oder nicht . Wir stellen ja auch nicht
    deine Ansicht ,es dem Kind zu sagen, nicht ins dunkle Licht .

    Warum sollte man das Kind belügen müssen wenn es keinen Grund hat zu fragen ?????
    Und hier spreche ich jetzt nur für mich :
    Sollte ich das Glück haben durch eine EZS schwanger zu werden kommt für mich überhaupt
    kein Zweifel auf das ich die Mutter meines Kindes bin denn ich erlebe das Heranwachsen
    in meinem Bauch, bringe es zur Welt und werde es mit elterlichen Liebe und Fürsorge
    großziehen .

    Wenn du schon vor der EZS ein Problem damit hast ist ja gut wenn du es deinem Kind erzählen möchtetst aber lass doch bitte jeden für sich entscheiden wie es am besten ist :schlaumeier:

    Ich glaube allerdings kaum das deine negative Ansicht, den gegenüber die anderer
    Meinung sind einen Einfluss hat denn sowas entscheidet man mit dem eigenen Herzen .


    Gruß Vera

    Unsere Prinzessin ist geboren

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 16. Juni 2007 um 17:57
    • #30

    Re: offene EZP

    Ihr Lieben,

    jetzt muss ich doch die Britta tatsächlich noch in Schutz nehmen – nicht, weil ich ihre Ansicht teile, sondern weil ich der Meinung bin, dass sie ihre Ansicht in legitimer Form geäußert hat. Es sind zwar ein paar unglückliche Formulierungen dabei, aber ich kann nicht sehen, dass sie anderen etwas aufdrückt. Mal davon abgesehen: dazu gehören auch zwei.

    Tatsächlich ist Sagen/Verschweigen einfach ein Knackpunkt, ein Dilemma, da gibt es keinen Königsweg hindurch. Ob man sich nun für das Sagen oder für das Verschweigen entscheidet, es bleibt schwierig, es entsteht Schuld, und es bleiben Risiken. Das Dilemma anzuerkennen finde ich erst mal wichtig für die eigene Entscheidungsfindung. Die Vorstellung, man käme da mit rundum weißer Weste durch, macht einen weniger handlungsfähig.

    So habe ich mich an dem Satz gestoßen „wenn du mit dieser Lebenslüge glücklich wirst“. Nicht so sehr wegen der darin enthalten Provokation, (obwohl die unnötig ist, Britta, denn ich setze mich ernsthaft mit dir auseinander und du kannst mir ruhig zugestehen, dass auch ich bemüht bin, ehrenhaft zu handeln). Auch nicht wegen dem Wort „Lebenslüge“. Es ist zwar ein hartes Wort, aber natürlich trifft es. Was in mir rumorte, war das „wenn du damit glücklich wirst“. Ich kam zu dem Schluss: das ist der falsche Maßstab. Mit diesem Maßstab stellst du dir selber ein Bein, Britta. Darum geht es nicht. Es geht darum, einen Modus zu finden, mit dem man leben kann. Den man vor sich selber vertreten kann. Und bei dem Dilemma bedeutet das immer „abwägen“. Mit schwarz-weiß-Vorstellungen kommst du nicht weit. Da steht nicht auf der einen Seite die strahlend weiße, unschuldige, für jedermann akzeptable udn heilsame Wahrheit und auf der anderen Seite die schwarze, verwerfliche Lüge. Schon die Benennung in „Wahrheit“ und „Lüge“ erschwert ein solches Abwägen; ich halte es für sinnvoller, die Optionen „Wissen“ und „Nicht-Wissen“ zu nennen. Es ist jedermann aus der eigenen Lebenserfahrung klar, das Nicht-Wissen manchmal die bessere Option ist.

    Und triff deine Entscheidung nicht nur anhand abstrakter moralischer Kriterien, sondern frag dich auch praktisch und pragmatisch: Was passiert, wenn ich das tue? Sehr häufig kommt man nämlich zu entgegengesetzten Ergebnissen, wenn man Probleme auf diesen beiden Ebenen durchdenkt (ein häufiges Problem in der Politik)

    Da uns objektive Informationen fehlen – es gibt leider keine EZS-lerinnen hier, die schon ältere Kinder haben und uns ihre Erfahrungen mitteilen könnten – kann es eigentlich nur eine Richtschnur für das eigene Handeln geben: Wie würde ich es für mich selber haben wollen, wenn ich selber Ergebnis einer EZS wäre? Würde ich es wissen wollen oder nicht? Wäre ich fähig gewesen, als Kind oder Jugendliche damit halbwegs adäquat umzugehen? Hätte es mir genutzt oder geschadet?

    Ich für mich muss/kann diese Fragen für mich ganz eindeutig beantworten und muss dann natürlich auch dementsprechend handeln.

    Und, bei der offenen EZS gebe ich auch zu bedenken, dass du eine Frau mit ihrem Handeln von vor 1o oder 15 Jahren konfrontieren wirst. Es kann gut sein, dass sich deren Einstellung dazu in der Zwischenzeit erheblich geändert hat, z.B. weil sie in der Zwischenzeit eigene Kinder bekommen hat oder eine Partnerschaftsdynamik zu beachten ist. Das finde ich auch eine heikle Kiste.

    Aber ich finde es für dieses Forum sehr vorteilhaft, dass jemand die Option „offene EZS“ erkundet und bitte dich, Britta, andere von deinen Erfahrungen und Gedanken profitieren zu lassen.

    Vielleicht kannst du deine Formulierungen dabei ein bisschen mäßigen.

    Viele Grüße
    Romy


    P.S. Bei mir weiß meine Mutter Bescheid. Als wir nach der Geburt meiner Tochter das Thema streiften, sagte sie dazu: „Das kannst du deiner Tochter nicht erzählen. Wie willst du denn DAS erklären?“ Das finde ich eine sehr gute Frage.

  • glueck07
    Morula
    Beiträge
    570
    • 16. Juni 2007 um 20:43
    • #31

    Re: offene EZP

    Romy, Deine Antwort bereitet dieses Thema mit allem Für und Wider gut auf. Ich bin in jedem Satz Deiner Meinung.
    Britta, bitte berichte uns weiter, manchmal sind die Wege des Erkenntnisgewinnes unterschiedlich, und ich respektiere Deine Meinung. LG von Bourgon

    Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.
    Demokrit, griech. Philosoph

  • Britta_1
    Morula
    Beiträge
    213
    • 17. Juni 2007 um 15:02
    • #32

    Re: offene EZP

    Hallo,
    ich gehöre hier vielleicht zu den priviligierten Frauen, die in jungen Jahren schneller als geplant Mutter geworden ist. Jetzt klappt es aufgrund meines Alters nicht mehr. Und damit habe ich eine psychische Belastung weniger, kein genetisch eigenes Kind zu haben.
    Jeder kann hier seine eigene Meinung vertreten. Ich kann sie nicht nachvollziehen. Warum ist es so schwer, in den Ländern, in denen nur die anonyme Variante angeboten wird, die Spenderin zu fragen, bist du einverstanden, daß dein Name hinterlegt wird, und ein entsprechendes Kreuzchen machen? Die Empfängerin könnte dann ebenfalls gefragt werden, ob sie eine anonyme oder offene Spende möchte. Warum muss ich für einen entsprechenden Wunsch viel mehr bezahlen, und warum bin ich mit meiner Meinung so allein? Ich bleibe dabei. Ich finde es nicht okay, in einem solch elementaren Bereich zu lügen und hoffe für euch, daß ihr damit keine Schwierigkeiten bekommt. In seltenen Fällen kann es eben doch herauskommen.
    Und geht bitte nicht zu hart mit mir ins Gericht.
    Britta

  • Britta_1
    Morula
    Beiträge
    213
    • 17. Juni 2007 um 18:02
    • #33

    Re: offene EZP

    Ich bin`s nochmal. Meine Recherchen bezüglich den Ländern, in denen offene EZP möglich ist, stelle ich dann ein, wenn ich ausreichende Antworten habe und sie nicht bruchstückhaft liefern muß. Ich finde, der Vergleich mit dem Fremdgehen hinkt. Wenn ich fremdgehe, dabei schwanger werde und meinem Partner und dem Kind gegenüber für immer schweige, ist er annähernd vergleichbar. Ich muß zugeben, daß das eine vergleichbar schwierige Situation ist.
    Für mich steht fest: Offene EZP ist für mich der einzig gangbare Weg. Ich gehe ihn so oder gar nicht. Und je länger ich darüber nachdenke, wann man es dem Kind sagen sollte, komme ich zu dem Schluss, daß es am besten ist, dies so früh wie möglich auf kindliche Art zu tun. Du hast noch eine Mama...Dann bleibt die Schockwirkung später aus.
    Vielleicht bin ich diejenige, die zu hart mit euch ins Gericht geht. Eben weil ich mich in das Kind hineinversetze.
    Britta

  • Meteor
    4-Zeller
    Beiträge
    79
    • 17. Juni 2007 um 22:21
    • #34

    Re: offene EZP

    Hallo Britta,
    ich freue mich für dich, dass du hier so klare Entscheidung für dich treffen konntest. Und ich denke mit dieser Entscheidung bist du weiß Gott nicht allein, auch nicht in diesem Forum. Es gibt ja auch einige Länder auf der Welt, die sich darauf eingestellt haben wie USA oder Großbritannien und sicherlich noch ein paar mehr.

    Es ist und bleibt aber ein Dilemma egal wie du dich entscheidest, es wird ein Risiko bleiben. Wichtig ist jedoch dass du (und nur du!) mit dieser Entscheidung leben kannst. Das Abwägen hier ist eine persönliche Entscheidung, die jede Frau für sich selbst treffen muß, hier gibt es kein Falsch oder Richtig!

    Somit geht es mir wie Bourgon: ein offenes Forum mit unterschiedlichen Ansichten kann uns nur bereichern.
    Salam alaikum und viel Glück wünscht
    Meteor

  • maria
    8-Zeller
    Beiträge
    108
    • 17. Juni 2007 um 22:32
    • #35

    Re: offene EZP

    liebe britta,
    ich glaube, jede meinung verdient respekt, daher liegt es mir fern, deine zu verurteilen. ich denke nur, die meisten von uns, die beschlossen haben, die ezs zu "verschweigen" tun es nicht aus egoistischen gründen, sondern gerade, weil sie sich in die kinder hineinversetzen. du spricht davon, zu sagen, irgendwo gibt es noch eine mutter. eben dies ist der springende punkt. "irgendwo", aber wo? außerdem finde ich das wort "mutter" für jemand, der eine eizelle gespendet hat, übertrieben und nicht passend. wären wir davon überzeugt, daß das leben eines menschen vorwiegend durch sein genetisches erbe bestimmt wird, wären wir wahrscheinlich einen solchen weg nie gegangen.
    und außerdem versetze ich mich auch in die lage einer spenderin, für die vielleicht das wissen um ein (odere mehrere) "konkrete" kinder auch psychisch sehr belastend sein kann. ich war in meinen jugendjahren sehr "fruchtbar" und wurde beim ersten "fehltritt" ungewollt schwanger. wäre es damals möglich gewesen, hätte ich wahrscheinlich auch gespendet. das leben(bzw. die schlechte medizinische behandlung) hat dafür gesorgt, daß ich auf natürlichem wege nicht mehr schwanger wurde. ich stelle mir vor, wie ich mich dann gefühlt hätte, als der kinderwunsch bei mir entstand und ich feststellen mußte, daß es nicht ging, wenn ich gewußt hätte, "irgendwo" sind kinder aus meinen eizellen entstanden und ich habe keine.
    ich glaube, die offene ezs ist für alle beteiligten eine sehr heikle und psychisch "ungesunde" angelegenheit. das "geheimnis" mit mir zu tragen fällt mir oft schwer, aber ich denke, damit muss ICH, und kein/e andere/r leben.
    nichtdestotrotz, deine entscheidung steht fest und ich wünsche dir nur das beste. vielleicht gelingt es dir, so natürlich und offen damit umzugehen, daß dein kind sogar stolz darauf sein kann, eine solche "ganz spezielle" herkunft zu haben.
    liebe grüße
    maria

  • Britta_1
    Morula
    Beiträge
    213
    • 19. Juni 2007 um 18:57
    • #36

    Re: offene EZP

    Hallo Romy, Maria, von Bourgon, Meteor und alle anderen,
    ihr seid sicher keine gefühlskalten Frauen, die den Schritt der EZP wohl überlegt haben und liebevoll mit euren Kindern umgehen. Und ich kann es verstehen, daß man ein kleines Kind nicht aus seiner Welt herausreissen kann. Sollte man auch nicht unbedingt. Wenn es heranwächst und das Thema Adoption oder ähnliches aufkommt, kann man immer noch feststellen, wie das Kind reagiert, ob es etwas über seine Herkunft erfahren möchte. Mein Vater hat seinen Vater übrigens nie kennengelernt, da er bereits vor seiner Geburt verstorben ist.
    Ich könnte das allerdings nicht, nie etwas sagen und für immer schweigen. Ich empfinde das als Betrug am Kind und an den nachfolgenden Generationen. Ich wäre mit mir nicht im Reinen. Als Kind würde, wenn ich es auf anderem Weg als über meine Eltern erfahren sollte, ein solcher Bruch entstehen, der kaum zu kitten wäre, wenn überhaupt. Und die Tatsache, nie etwas über die Herkunft meiner genetischen Mutter zu erfahren, wäre für mich unerträglich und würde in ewiger Suche enden. Wer den Film über das Adoptivkind Arun Dohle, der die homepage connectedindianroots betreibt, gesehen hat, weiß, wovon ich spreche.
    Daher ist meine Entscheidung: Nur offene EZP. Das ist für mich ein Weg ohne Schuld, ohne Schwierigkeiten. Ich sehe nur rosarot, kann nicht einsehen, daß die Vorteile bei der anonymen Form überwiegen. Habt ihr euch im Vorfeld mit dem Thema offene EZP beschäftigt, gab es das noch nicht,
    oder habt ihr euch bewußt für die Anonymität und ein ewiges Schweigen entschieden?
    Ich weiß, daß dieser Beitrag wieder heftige Kritik auslöst. Aber das Recht auf Abstammung eines jeden Menschen achte ich sehr hoch. Mein Vater wußte über die Herkunft seines Vaters und konnte Fragen stellen, auch wenn er ihn nie kennenlernen konnte.
    LG, Britta

  • romy
    Blastozyste
    Beiträge
    995
    • 19. Juni 2007 um 20:25
    • #37

    Re: offene EZP

    Nein, Britta, ich wollte es erst sagen. Habe mich dann im Laufe des Darüber-Nachdenkens anders entschieden.
    "Ohne Schwierigkeiten" wird der Weg der offenen EZS bestimmt nicht sein!

    Gruß Romy

  • Baerin61
    Blastozyste
    Beiträge
    798
    • 20. Juni 2007 um 07:45
    • #38

    Re: offene EZP

    Hallo,

    habe bisher still hier mitgelesen. Natürlich machen wir uns auch Gedanken aber wir haben beschlossen, es auf uns zukommen zu lassen und zu sehen wie es sich entwickelt - wenn es denn klappt! Ich hoffe ehrlich gesagt, dass das Thema auch mit den Jahren aus der jetzigen Tabuzone rauskommt. Noch wird ja vieles, was mit Genmanipulation etc. zu tun hat sehr skeptisch gesehen und ruft gerade in D oft regelrechte Hysterie hervor. Ich habe jedoch den Eindruck dass das Thema durch die immer mehr in die Öffentlichkeit rückenden Paare die aus was für Gründen auch immer, kein eigenes Kind bekommen können, langsam ins Bewusstsein der Bevölkerung dringen. Es gibt so viele auch junge Frauen die früh diese Diagnose bekommen. Es gibt immer mehr Frauen die erst in fortgeschrittenem Alter diesen Schritt gehen können / wollen und denen die Natur dann einen Strich durch die Rechnung macht. Ich habe einfach die Hoffnung dass Eizellspende mit den Jahren so normal sein wird wie jede andere Organspende auch und dass diese Kinder dann gar nichts "besonderes" mehr sein werden. Organspende ist ja auch so ein Tabuthema in Deutschland, das wird in anderen Ländern Europas viel lockerer gesehen und ich denke diese Menschen sind auch dem Thema EZS eher zugänglich.
    Tja, und ob ein Mensch dann mit dem Wissen gut oder schlecht umgehen kann ist wohl so unterschiedlich wie jedes Individuum. Erinnert sich jemand an den Fall des Mannes der 2 fremde Hände transplantiert bekam und diese einfach nicht akzeptieren konnte und sie sich schlussendlich wieder abnehmen liess? Andere Organempfänger sind glücklich und dankbar und wollen auch gar nichts über den Spender wissen und grübeln nicht darüber nach. Meines Wissens nach ist auch Organspende in den meisten Ländern anonym. Was wenn eines Tages Eierstockspende möglich sein wird? Wir leben in einer Welt in der vieles machbar ist und sein wird was vor einigen Jahren noch absolut undenkbar gewesen wäre und ich denke wir und die nachfolgenden Generationen werden lernen (müssen), selbstverständlicher mit diesen Möglichkeiten umzugehen.
    Sollten wir uns mit der Zeit entschliessen, es unserem Kind zu sagen, wird es auf jeden Fall so beiläufig wie möglich geschehen, ohne hervorzuheben dass das etwas ganz besonderes oder aussergewöhnliches oder gar anrüchiges ist. So wie ich mir auch ein Organ transplantieren lassen würde, wenn es denn notwendig sein sollte. Oder auch eines spenden und auch nicht wissen wollen würde wem ich damit etwas gutes getan habe. Diese Themen müssen einfach aus der Tabuzone raus und somit denke ich die Zeit arbeitet für uns.
    Und wie Romy schrieb, ohne Schwierigkeiten wird keine der Möglichkeiten sein. Ich hatte von einer Freundin das spontane Angebot bekommen, dass sie mir Eizellen spenden würde. Abgesehen davon dass sie vom Typ her für uns nicht in Frage kommt (Asiatin) weiss ich, dass sie selbst gerne Kinder hätte, ihr Partner aber nicht. Was, wenn ich ihr Angebot angenommen hätte? Was wenn sie in einigen Jahren feststellt dass sie keine eigenen Kinder mehr bekommen kann, aber genau weiss, es existiert eigentlich ein Kind von ihr und das ist sogar "greifbar" ? Muss man sich nicht die Frage stellen ob die Spenderinnen in dasselbe Dilemma stürzen wie die Kinder? Werden sie ihr restliches Leben darüber nachdenken dass irgendwo genetische Kinder von ihnen existieren, vor allem wenn ihnen selbst diese Möglichkeit irgendwann verwehrt sein sollte? Werden sie sich auf die Suche nach diesen Kindern machen? Wird es irgendwann normal sein dass ein Kind mehrere "Elternteile" haben wird, so wie es immer mehr Patchworkfamilien gibt?
    Es bleibt schwierig und deshalb habe ich die Hoffnung dass die Eizellspende, Embryosspende oder Samenspende irgendwann in der Zukunft einfach "normal" sein wird und ihr nicht mehr dieses besondere und spezielle anhaftet.

    VG
    Die Bärin

    VG
    Die Bärin

  • Britta_1
    Morula
    Beiträge
    213
    • 21. Juni 2007 um 20:02
    • #39

    Re: offene EZP

    Hallo,
    dem Kind ein Auskunftsrecht ab dem 18. Lebensjahr zu erteilen, halte ich für eine gute Sache. Danach entwickelt sich ohnehin, was sich entwickelt, und das ist auch sehr vom Kind und dem Umgang mit ihm abhängig, was man daraus macht. Wer sagt denn, daß sich keine Freundschaft entwickeln kann, wenn man es denn will? Warum muss man sich und die genetische Mutter als Rivalen sehen?
    Und zu dir Maria: Was ist dir denn passiert, daß du durch Ärztepfusch unfruchtbar geworden bist? Hast du dein Kind verloren?
    Britta

  • Baerin61
    Blastozyste
    Beiträge
    798
    • 22. Juni 2007 um 09:42
    • #40

    Re: offene EZP

    [quote author=Britta_1 link=topic=3868.msg34200#msg34200 date=1182448931]
    Hallo,
    dem Kind ein Auskunftsrecht ab dem 18. Lebensjahr zu erteilen, halte ich für eine gute Sache. Danach entwickelt sich ohnehin, was sich entwickelt, und das ist auch sehr vom Kind und dem Umgang mit ihm abhängig, was man daraus macht. Wer sagt denn, daß sich keine Freundschaft entwickeln kann, wenn man es denn will? Warum muss man sich und die genetische Mutter als Rivalen sehen?
    Britta
    [/quote]

    Hallo Britta,

    was wenn es der genetischen Mutter vor dem 18. Lebensjahr einfällt dass sie Ansprüche auf das Kind erheben möchte? Eventuell ohne Dein Einverständnis mit dem Kind Kontakt aufnimmt und es aufklärt? Rivalin eben genau in dem Fall dass sie ein Kind durch EZS hat und selbst irgendwann keines mehr bekommen kann und dann denkt sie kann Ansprüche auf das Kind stellen? Das ist doch völlig rechtsfreier Raum!!

    VG
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