NK-Therapien bei Infertilität: keine wissenschaftliche Grundlage
Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist weder die Bestimmung der eventuell erhöhten Zahl natürlicher Killerzellen im Blut noch eine therapeutische Intervention diesbezüglich medizinisch gerechtfertigt. Im Gegenteil: Für derartige Behandlungen bestehen bekannte Risiken für Mutter und Kind.
Immer häufiger bieten Kliniken und Ärzte bei unerfülltem Kinderwunsch Tests an, bei denen die Menge der natürlichen Killerzellen (NK) im Blut der Frau bestimmt wird. Doch bezüglich des Nutzens dieser Tests fehlt jede wissenschaftliche Grundlage, warnen Wissenschaftler in einem aktuellen Artikel im British Medical Journal.
Die Tests basieren auf der Theorie, dass Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch erhöhte NK-Werte aufweisen. Häufig werden dann sogar starke Medikamente, wie etwa Steroide oder Immunsuppressiva, eingesetzt, um die Zahl der NK-Zellen im Blut zu reduzieren.
Die Autoren weisen in der aktuellen Veröffentlichung darauf hin, dass die Tests keinerlei Aussagekraft bezüglich der Vorgänge im Uterus haben. Zwar reicherten sich die NK-Zellen in der Frühschwangerschaft im Uterus an - die Rolle, die sie in diesem Zusammenhang spielen, sei jedoch bislang nicht geklärt. Darüber hinaus seien jene Behandlungen, welche auf eine Verbesserung der Fertilität durch eine Reduktion der NK-Zellen im Blut zielten, in der Reproduktionsmedizin bislang ohne Wirknachweis geblieben und daher nicht indiziert: Sowohl die aktuellen Leitlinien vom Britischen Royal College of Obstetricians and Gynaecologists als auch zwei große randomisierte Studien kommen zu dem Schluss, dass bislang keine Beweise für den Nutzen einer solchen Therapie vorliegen. Vielmehr stellten die bekannten Nebenwirkungen dieser Medikamente eine Gefahr für Mutter und Fötus dar, so die Wissenschaftler weiter.
Es sei eine der großen Herausforderungen der reproduktionsmedizinischen Forschung, die genaue Funktion uteriner NK-Zellen zu verstehen, schreiben die Forscher. Allerdings seien Behandlungen außerhalb klinischer Studien nicht gerechtfertigt, bevor nicht mehr über die Rolle dieser Zellen im Rahmen einer normalen Schwangerschaft bekannt sei. Gerade Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch seien besonders gefährdet, finanziell ausgebeutet und umfangreichen Behandlungen ausgesetzt zu werden, die bis jetzt keine rationale wissenschaftliche Basis haben, so die Schlussfolgerung der Autoren.
Quelle: Nach Informationen des British Medical Journal, November 2004
Quelle: http://www.kinderwunschzentrum-mainz.de/