Deutschland wird im Jahr 2035 weltweit das Land mit der ältesten Bevölkerung sein. Die Bundesregierung appellierte daher an die Wirtschaft, sich verstärkt auf die Bedürfnisse älterer Menschen einzustellen.
Selten war ein Bericht der Bundesregierung so alarmierend wie der an diesem Freitag im Bundestag vorgelegte 5. Altenbericht. Denn darin wird ganz nüchtern konstatiert, dass Deutschland um 2035 weltweit das Land mit der ältesten Bevölkerung sein wird. Bundes- Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die die Ergebnisse einer Sachverständigenkommission präsentierte, sieht in den düsteren Zahlen eine Herausforderung - vor allem für die Unternehmen in Deutschland. Sie sollten sich verstärkt auf die Bedürfnisse älterer Menschen einstellen, sagte von der Leyen in der Aussprache über den Altenbericht.
Das Werk trägt denn auch den Titel «Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft - Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen». Von der Leyen wies darauf hin, dass die Altersgruppe der über 60-Jährigen schon heute ein Drittel des privaten Konsums in Deutschland bestreite. «Da ist ein ganzes Segment an Produkten und Dienstleistungen, die wir besser ausschöpfen können», sagte die CDU-Politikerin. Dabei müsse man sich «sputen, dieses zu tun, ehe andere Länder erkennen, was für ein Potenzial in diesem ´silbernen Marktsegment´ liegt». Nach Angaben der Ministerin bestreiten Bürger über 60 im Jahr immerhin ein Drittel aller Konsumausgaben in Deutschland. Dies entspreche einem Gesamtbetrag von 315 Milliarden Euro.
Die Ressortchefin mahnte außerdem, die Fähigkeiten und Erfahrungen der Senioren auch auf dem Arbeitsmarkt besser zu nutzen. Noch nie habe es eine ältere Generation gegeben, die so gut ausgebildet und so gesund sei wie heute. Viele ältere Menschen seien »körperlich und geistig fit«, betonte von der Leyen. Sie verfügten über Fachwissen und jahrzehntelange berufliche Erfahrung. »Das sind Ressourcen, auf die wir nicht länger verzichten dürfen.«
Wenn heute in Deutschland nur 45 Prozent der 55- bis 65-Jährigen arbeiteten, «lassen wir Potenziale des Alters brach liegen», kritisierte Leyen. Dagegen seien in Dänemark rund 60 Prozent dieser Altersgruppe und in Schweden sogar etwa 70 Prozent erwerbstätig. Dies müsse für Deutschland ein Ansporn sein. (nz)
Quelle: Netzzeitung vom 02.02.2007