Hallo,
ich bin jetzt gerade von meinem Erstbesuch am Institut Marques zurück und habe jetzt ein sehr gutes Gefühl bei der ganzen Sache (bei mir geht es um das Eizellspende-Programm).
Um den Bericht vollständig zu machen, vielleicht noch ganz kurz zur Vorgeschichte: Ich habe speziell nach einer Klinik gesucht, die einerseits professionell ist, andererseits ohne lange Wartezeiten arbeitet. Deshalb hatte ich mehrere Kliniken angeschrieben, ob ich dort alle erforderlichen Untersuchungen beim Erstbesuch gebündelt machen kann. Ich hatte bei allen Kliniken auch direkt immer darauf hingewiesen, dass ich alles extra bezahle etc. Und alle haben alle gesagt, dass das nicht möglich ist und ich alles auf jeden Fall vorher machen muss.
Ok und das Institut Marques war eben das erste Institut, das sagte, Sie können alle Bluttests auch bei uns im Rahmen des Erstbesuchs machen, überhaupt kein Problem. Auch meine Ergebnisse vom letzten ICSI in Deutschland waren schon länger her, wir haben tatsächlich alles dort machen können.
Aber jetzt der Reihe nach...
Ich hatte anfangs auch etwas „Kommunikationsprobleme“. Ich hatte zuerst eine kurze E-Mail auf Deutsch geschrieben und bekam prompt auch eine E-Mail auf Deutsch, die in sehr gutem Deutsch war. Es handelt sich ganz sicher um eine Standardantwort, die alle deutschen Patienten bekommen mit der Preisliste und allgemeinen Infos. Daraufhin habe ich wieder auf Deutsch einige Fragen gestellt und zwei Wochen keine Antwort bekommen. Das hat mich stark irritiert. Daraufhin habe ich noch mal eine E-Mail auf Englisch geschrieben und bekam wieder schnell Antwort. Man sagte mir, dass es Probleme mit dem E-Mail-Postfach gegeben hätte und ich bitte meine Fragen noch mal stellen soll.
Dann habe ich direkt gefragt, ob ich etwa 4 Wochen später kommen könne. Ich habe direkt zwei Tage vorgegeben, an denen ich gut konnte. Von da an lief und läuft die Kommunikation wirklich sehr gut auf Englisch. Ich bekam direkt eine Antwort, dass ich genau an dem Tag kommen könnte, den ich wollte. Ich hätte um 10 Uhr einen Termin bei Frau Doktor Redondo.
Das war jetzt am Mittwoch. Ich hatte ein Hotel in der Nähe der Klinik gebucht. Für den Transfer würde ich es aber glaube ich auch allgemein empfehlen, (relativ) in der Nähe zu wohnen, weil das Verkehrsaufkommen in Barcelona Richtung Innenstadt ziemlich mörderisch ist. Vom Flughafen zur Klinik sind es etwa 20 Minuten. Die Klinik liegt sehr gut (vor der unmittelbaren Innenstadt mit extremen Verkehrsaufkommen/Staus), weil an der Avenida Diagonal, die man dann in Richtung Innenstadt fahren kann, sehr viele Restaurants, Cafes und auch direkt in der Nähe ein Corte Ingles (Kaufhaus mit Supermarkt unten) ist.
Der Paseo Manuel Girona 33 ist das kleine Backsteingebäude rechts von der Clinica CIMA, das man auf der Homepage sehen kann. Dort findet das Erstgespräch statt. Wir kamen also an, und wurden gleich von Maria, einer russischstämmigen medizinischen Assistentin, sehr freundlich in Empfang genommen. Obwohl dort während unserem ganzen Aufenthalt einige andere Paare und auch Spenderinnen waren, wurden wir individuell, zuvorkommend und ruhig behandelt. Es waren dort ein amerikanisches Paar, eine russische Patientin rief auf dem Handy der medizinischen Assistentin an und es waren auch zwei spanische Paare da, was ich als besonders gutes Zeichen gewertet habe, weil in Spanien ja viele Kliniken miteinander konkurrieren. Und wenn das Institut Marques dann auch unter Spaniern einen guten Ruf genießt, ist das glaube ich ganz gut. Ich habe wie gesagt auch mehrere Spenderinnen gesehen, die waren jung (zwischen 20 und 25 Jahre).
So, dann bekam ich zwei Formulare, wo ich zuerst meine allgemeinen Angaben machen musste (unter anderem Adresse, Beruf, ob wir Universitätsabschluss haben, die Passportnummern etc.) Dann bekam mein Mann ein Formular (auf Englisch), in dem er angeben musste (wieder mit Angabe von Passportnummer – also nicht vergessen), was im Falle seines Todes mit seiner Samenprobe passieren soll. Ob es zerstört werden soll oder ob ich es dann „nutzen“ darf. Und ob es nur für das eine Mal verwendet und dann vernichtet werden soll, ob es für zwei Jahre aufgehoben werden soll oder ob es länger aufbewahrt werden soll. (Wollte ich eigentlich, aber dann hätte man eine Bankverbindung angeben müssen, und die hatte ich nicht). Die Aufbewahrung kostet pro Jahr 190 Euro. Man sagte mir, dass man jederzeit seine Meinung ändern kann, und einfach eine Notiz an das Institut Marques schreibt.
Und dann hatte ich noch ein mehrseitiges Formular, in dem noch mal alle Bedingungen standen, was ich mir nicht so genau durchgelesen hatte, weil ich annahm, dass es später mit der Ärztin zusammen gemacht wird. Dann wurde mein Mann relativ kurz nach unserer Ankunft gebeten, seine Samenprobe abzugeben. Diese Probe wird während des ärztlichen Gespräches untersucht und man bekommt dann direkt Bescheid gesagt, ob die Qualität gut genug zum Einfrieren ist. Wenn ja, wird es direkt eingefroren, und der Mann braucht dann nicht noch mal zu kommen.
Danach sind wir dann zum Gespräch mit Frau Doktora Redondo. Sie ist Spanierin und spricht, glaube ich, sehr gut Deutsch. Sie hat uns direkt gefragt, ob wir Deutsch oder Englisch oder Spanisch sprechen wollen. Wir haben uns auf Englisch geeinigt, ich kann jetzt gar nicht mehr genau sagen, warum. Sie spricht, wie gesagt, glaube ich, sehr gut Deutsch. Sie hat dann erklärt, dass Sie ausländische Patienten betreut und es Ärzte gäbe, die die Spanier betreuen etc. Dort arbeiten viele Ärzte, ich hatte den Eindruck, sehr viele Frauen. Dann wurden wir allgemeine Sachen gefragt wie Medikamenteneinnahme, Allergien, Größe, Gewicht. Sie hat eine Fotoaufnahme mit der Digitalkamera gemacht. Und dann haben wir über das Prozedere gesprochen. Die Erfolgschancen stünden pro TRansfer bei 60 Prozent. Dort würden die Spenderinnen nicht überstimuliert, in der Regel (Ausnahmen sind natürlich möglich) könnte man etwa mit 6 Eizellen rechnen. Die Spenderinnen sind jung und kommen oft von der Uni (kann ich wie gesagt bestätigen, da einige neben uns gesessen haben).
Was ich besonders interessant fand: Frau Redondo erklärte uns, dass es immer auch eine Ersatzspenderin („backup donor“) geben würde. Denn manchmal komme es vor, dass die Spenderin nicht wie erwartet reagieren würde oder – in seltenen Fällen – auch unzuverlässig sei oder eben die Behandlung abbreche. In diesem Fall würde die Ersatzspenderin spenden. So dass die Klinik garantieren könne, dass die Behandlung ohne große Zeitverzögerung stattfinden kann. Als Zeithorizont wurde uns ein Zeitraum von etwa 5 bis 6 Wochen bis zum Transfer genannt. (Ich kann jetzt leider nicht beschwören, ob das allgemein ist oder nur bei mir, weil ich meine Periode zufälligerweise zwei Tage später bekommen sollte …).
Man könne die Qualität der Eizellen garantieren, weil die Spenderinnen eben sehr jung und gesund seien und auch die Eizellen untersucht werden würden. Ich fragte noch, ob Sie Erfahrung mit dieser Immunoglobin-Therapie (oder so ähnlich) hätten, weil ich Endometriose habe und das hier im Forum gelesen habe. Sie sagte, dass sie das in Spanien nicht machen würden, weil es keine Studie geben würde, die den Erfolg belegt. Aber wenn ich es machen wollte, könne ich es machen. Das wäre kein Problem. (Nur am Rande: Angesicht der Erfolgsquoten dort habe ich mich entschlossen, es so zu machen, wie die es vorschlagen. Sollte das fehlschlagen, kann man immer noch weitersehen…)
Grundsätzlich kann man dort auch Präimplantationsdiagnostik machen, wenn man ganz sicher sein möchte, dass auch wirklich alles in Ordnung sei. In unserem Falle hat Sie gemeint, es sei nicht nötig, das bei meinem Mann kein genetisches Problem bekannt sei und die Eizellen von der Spenderin „gut“ seien (mit der ganz „normalen“ Wahrscheinlichkeit eines Gendefektes – ich hoffe, man drückt das so aus). Grundsätzlich kann man das vor dem Transfer aber auch noch machen lassen.
Dann bekam ich ein Päckchen mit allen Medikamenten, die ich bis zum Transfer brauche. Am ersten Tag der Periode soll ich mit der Pille anfangen. Das war dann zufälligerweise heute. Also habe ich, gleich nachdem ich zuhause angekommen war, die 1. Tablette eingenommen und auch gleich eine E-Mail geschrieben. Ich bekam dann direkt eine halbe Stunde später einen Anruf von einer Ärztin des Institut Marques, dass meine E-Mail angekommen sei und dass Sie jetzt eine Spenderin suchen würden. Während des Gespräches hatte mir Dra. Redondo erklärt, dass sie nicht unbedingt immer persönlich antworten würde, sondern es auch andere Ärzte sein könnten (dort arbeiten einige). Hauptsache wäre, dass ich schnell eine Antwort bekomme. Sie würde aber auf jeden Fall alle E-Mails später lesen und ich wäre dann auch "ihre" Patientin.
Das I.M. sucht jetzt die Spenderin (ich hatte ehrlich gesagt den Eindruck, dass das I.M. dort wirklich mit sehr vielen Spenderinnen zusammenarbeiten, die Universität liegt unmittelbar neben der Klinik) und wir werden synchronisiert. Dann soll ich in etwa 2 Wochen einen Anruf vom I.M. bekommen, dass ich mit der Einnahme aufhören soll. Nach der darauf folgenden Periode fange ich dann mit Östradiol (??)-Pflastern an, alle vier Tage ein Pflaster. Und dann am 6./7./8. Tag (an einem dieser Tage) muss hier in Deutschland die Dicke der Gebärmutterschleimhaut gemessen werden.
Und jetzt kommt die große Überraschung bzw. für mich ein weiterer Pluspunkt: Dra. Redondo fragte mich, ob Sie mir den Kontakt zu einem Arzt in meiner Heimatstadt machen soll, zu dem ich hingehen kann. Sie würde in Deutschland mit mehreren Ärzten zusammenarbeiten. Das finde ich ziemlich gut, ehrlich gesagt. Was ich sehr nett finde, ist, dass Sie mir jetzt den Kontakt zu dem Arzt in Deutschland herstellt. Ich hätte mittlerweile zwar auch eine Alternative gefunden, aber so ist es sicher besser.
Nachdem wir dann alles geklärt hatten und wir alle Fragen stellen konnten, die wir wollten, hat Sie bei mir noch denn Probetransfer und Ultraschall gemacht. Das war alles ok und verlief sehr diskret.
Frau Redondo verabschiedete sich noch, und erklärte mir die ganze Sache mit dem E-Mail-Verkehr (dass eben auch jemand anderes antworten könne) und dass wir uns dann in etwa 5 bis 6 Wochen wiedersehen würden zum Transfer. Zwischendurch kam dann auch noch der Anruf vom Labor, dass das Sperma von meinem Mann eingefroren werden kann, es wäre alles ok.
Dann holte uns Maria wieder ab, wir haben die Anzahlung (1.300 Euro gemacht). Und weil wir noch die Bluttests dort gemacht haben, sind wir auch noch in die Klinik CIMA nebenan gegangen, wo dann auch später der Transfer stattfinden wird. Es war sehr modern und alle Mitarbeiter waren wirklich „natürlich“ freundlich – es wirkte nicht aufgesetzt.
Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube, man hat uns diese Blutests (Aids, HIV, Hepatitis, Blutgruppe) nicht berechnet. Das war es bis jetzt. Eben bekam ich wie gesagt direkt den Telefonanruf, dass meine E-Mail angekommen sei (ich sollte eine schreiben, wenn ich mit der Pille anfange) und man mit der Suche der Spenderinnen beginnen würde. Die Ärztin sprach Englisch mit mir und erklärte mir wieder, dass sie dort in Spanien Probleme mit ihrem E-Mail-Postfach hätten. Deshalb würde sie anrufen und sie würde mich auch wieder anrufen, wenn ich mit der Pille aufhören soll.
Ich glaube, dass dort praktisch alle Mitarbeiter Englisch sprechen und es deshalb viel einfacher ist, wenn man gleich Englisch spricht. (Das war einfach, es hat gut geklappt. Alle haben einfaches, leicht verständliches Englisch gesprochen). Mein Eindruck kann falsch sein, aber ich glaube, dort sprechen nicht so viele Deutsch... Ist, wie gesagt, ein subjektiver Eindruck.
Alles in allem habe ich einen sehr positiven Eindruck bekommen. Ich glaube, diese Klinik kann eine echte Alternative sein, wenn man a) keine Wartezeiten möchte (das scheint 100 Prozent zu stimmen), b) einen synchronisierten Ablauf möchte, c) freundlich behandelt werden möchte und auch einen gewissen „Service“ in Anspruch nehmen möchte – mir fällt jetzt kein besseres Wort ein – zum einen konnte ich mit meinem Mann dort alle Bluttests beim Erstgespräch machen und zum anderen stellt mir die Ärztin dort einen Kontakt zu einem Arzt in Deutschland her, bei dem ich die Untersuchung machen lassen kann. Und das ist mehr, als ich von einer anderen Klinik im Ausland bisher angeboten bekommen habe.
Ok, das war jetzt mein Bericht über den Erstbesuch beim Institut Marques. Ich werde dann wieder vom Transfer berichten und beantworte natürlich sehr gerne alle Fragen!
Marianne27