Re: Zwillingschwangerenforum
Liebe Lilly_1980,
ich melde seit Jahren wieder hier im Forum, weil mich Dein Schicksal sehr bewegt hat... Es gibt hier niemanden, der sich genau in Deine Lage versetzen kann, weil nur Du die ganz genauen Umstände und Deine Gedanken kennst...
Trotzdem möchte ich Dir ganz viel MUT machen! Meine Zwillinge (zweieiig), ohne Komplikationen während der Schwangerschaft und in der 35. Woche geboren, wurden kürzlich 4 Jahre alt. Ein richtiger Freudentag! Sie sind superhübsch und intelligent.
Ich will Dir jetzt nicht erzählen, dass alles super-einfach war, nur eine Freude und immer nur Sonnenschein... Das wäre eine glatte Lüge! Ich kann mich noch gut an einige Mail-Kontakte hier vor einigen Jahren erinnern, wo mir auch andere Zwillingsmütter berichten haben, dass das alles in Realität sehr anstrengend war. Gerade in den ersten 2 Jahren... Aber diese Sachen haben wir und damals nur per privaten E-Mail-Kontakten getraut auszusprechen... Zu "unpassend" erschien das unter all diesen rosarot gefärbten, gefühlsduseligen Berichte, wie super-toll und wie super-easy doch alles ist... (Damit will ich wirklich niemand auf den Schlips treten, ich habe jetzt auch nicht weiter hier die Beiträge gelesen...).
Die Wirklichkeit sah - für mich persönlich - knallhart aus. Eine totale Lebensumstellung und monatelang totaler Schlafentzug (wer das nicht selber mal erlebt hat, und zwar das volle Programm - massiver Schlafentzug und zwei schreiende Babys gleichzeitig, die auch noch vielleicht gleichzeitig ganz schlimme Bauchschmerzen oder andere Auas haben, kann auch nicht mitreden...). Ich könnte jetzt noch weiter berichten... Aber ich will Dir ja MUT machen. Trotzdem finde ich, dass man auch mal eine andere Realität beschreiben darf und muss...
Ich habe hatte auch Angst, zumal ich auf mich allein gestellt war und bin. Was ich aber gelernt habe: Man muss sich von Anfang an Hilfe holen, so viel wie man auch nur kriegen kann! Ich habe ab de ersten Sekunde nach der Geburt erst gar nicht versucht, alles allein zu machen. Ich bin sicher: Ich wäre gescheitert… Ich habe jede nur erdenkliche Hilfe angenommen. Jemand hat die Wäsche gewaschen, Einkäufe für mich erledigt, geputzt, ist auch mal mit den Kindern spazieren gefahren etc. Ich habe festgestellt: Selbst wenn jemand sich nicht traut auf zwei Babys aufzupassen, gibt es doch genug Menschen, die einen Hilfe und Unterstützung anbieten. Und die kann eben auch darin bestehen, Einkäufe zu erledigen, Putzen, Behördengänge zu erledigen, nachts auf die Babys aufzupassen, damit man mal schlafen kann etc.
Ich habe gelernt nach Hilfe zu fragen und diese auch gerne anzunehmen. Und ich habe festgestellt: Du bekommst auch Hilfe, wenn Du die Menschen (Verwandte, Freude, Nachbarn etc.) danach fragst…
Und eine Sache will ich Dir noch sagen: Nach den ersten zwei Jahren wurde die Sache langsam besser… Zwar haben sich die Kinder immer gnadenlos gestritten (passt ja auch nicht so ganz zu der rührenden Vorstellung zwei Babys würden sich immer nur lieb haben… Es kann auch das genaue Gegenteil der Fall sein, wo die sich richtig mit jedem Holzspielzeug die Köpfe einschlagen, wenn sie nur in die Nähe kommen… Meine Kinder waren praktisch bis sie 3 Jahre alt waren, wirklich fast keine einzige Sekunde unbeaufsichtigt…), heute aber, im 4. Lebensjahr sind sie wirklich miteinander verbunden, lachen zusammen, spielen zusammen und haben trotzdem ihre eigenen Freunde… Es ist mir als Mutter eine tiefe Freude, sie zusammen lachen zu sehen, ihre Unbeschwertheit zu beobachten, mich an deren LEBEN erfreuen zu dürfen!!!!
Ich weiß nicht woher zu kommst, vielleicht wäre es Dir eine Hilfe, andere Zwillings-/Drillingseltern „live“ zu erleben/kennenzulernen. Wenn Du Interesse hast, kann ich Dir gerne per PN schreiben, wo ich herkomme und dann lade ich Dich ein, meine EZP-Zwillinge kennenzulernen.
Vielleicht kannst Du ja auch bei dem Eltern-Thead posten, woher zu kommst und Dir einfach anschauen, wie es so ist, mit mehreren GLEICHALTEN Kindern. Ich denke nämlich schon, dass es ein großer Unterschied ist, wenn mehrere Babys gleichzeitig schreien und man gar nicht weiß, wem man zuerst helfen soll. (Das hat mich anfangs total fertig gemacht, aber man lernt sehr schnell, wie es klappt. Und es klappt dann auch…) Manchmal gibt es auch solche Stammtische, wo sich Zwilling-/Mehrlingseltern treffen (nicht virtuelle, sondern in echt). Die habe ich auch während meiner Schwangerschaft kontaktiert, die waren super-hilfsbereit!!! (Gibst in größeren Städten)
Ich wünsche Dir von Herzen alles erdenklich Gute!!!! Bitte überdenke Deine Überlegung mit der Reduktion, Du kannst eben auch ALLE verlieren. DAS WAS DU BEKOMMST an Freude, Energie, Liebe, das wirst Du nicht wieder bekommen…
Vor einem Jahr hatte ich dann selber einen Schicksals-„Schlag“ zu verkraften, an dessen Folge ich heute noch arbeite. Und ich kann Dir versichern, dass eine Kinder mir dabei immer sehr helfen. Bitte denk noch einmal nach, wer Dir jetzt helfen könnte – vielleicht ein Priester, eine gute Freundin, Mehrlingseltern, damit Du nicht so einsam eine Entscheidung treffen musst..
lilo