Hallo, ihr Lieben,
mal was ganz anderes...dieses Forum kann man ja auch anders nutzen als nur für die Bekanntgaben der forhen Botschaft.... hier also aus dem reichen Erfahrungsschatz meiner immerhin schon 13-tägigen Mutterschaft – grins - einige praktische Tipps/Erfahrungen rund um die Entbindung. Vielleicht kann ja die eine oder andere Erstgebärende was damit anfangen? Eigentlich sollte so was ja in die Vorbereitungskurse – aber da malt man ja lieber „Visionen vom Leben mit dem Baby“ – vorzugsweise in rosarot, versteht sich…
•Ich hatte außer meinem Mann eine Freundin mitgebracht, die selbst auch eine schwere Geburt hatte durchstehen müssen. Ursprünglich hatte ich das so entschieden, weil mein Mann sich unsicher war, ob er dabei sein wollte. Uns beiden war es wichtig, dass er wenn, dann von sich aus dabei ist, und so hatten wir vereinbart, dass er im gemütlichen Aufenthaltsbereich vor dem Kreißsaal wartet, wenn er feststellt, dass es nichts für ihn ist. (Mein Mann ist ein sehr maskuliner Typ, der sich in sehr weiblichen Kontexten – und das ist eine Geburt ja nun mal – schnell unwohl fühlt…). Damit er diese Freiheit hat und ich in dem Fall nicht alleine bin, kam meine Freundin mit. Und das war eine sehr gute Entscheidung. Mein Mann blieb dann doch dabei, war aber sehr froh, zwischenzeitlich mal eine Pause machen zu können und eine halbe Stunde durch den Park zu laufen. In der zweiten Hälfte der Geburt konnte ich dann locker zwei Leute beschäftigen. Vor allem auch war es sehr gut, eine Frau dabei zu haben, die genau wusste, wie hart so eine Geburt sein kann, wie elend ich mich fühlte - und die trotzdem die Hoffnung in den Augen behielt. (Übrigens sagte meine Nachsorge-Hebamme dazu: Ihrer Erfahrung nach wäre es nur in etwa der Hälfte alle Geburten sinnvoll, dass der Mann dabei wäre. In der anderen Hälfte wäre es nutzlos bis schädlich; es wären sogar im Kreißsaal schon Ehen kaputt gegangen. Es wäre grundfalsch, dass die Begleitung des Mannes heute ein Standard wäre, dem sich die Männer kaum mehr entziehen könnten.)
•Ich hatte für danach ein Einzelzimmer im Krankenhaus reserviert, auch darüber war ich nachher sehr froh. Ich habe (als Kassenpatientin) dafür 48€/Nacht bezahlt, und es geht nur, wenn ein Zimmer frei ist. Es war sehr schön, zunächst mit dem Baby ganz alleine zu sein, muss ich sagen. Und einfach Raum für Zärtlichkeit und Schmuserei zu haben und ganz in dieser Sphäre bleiben zu können – ohne Erwachsenen-Unterhaltungen, ohne Fernsehen etc. Das Baby ist ja in den ersten Stunden nach der Geburt oft wach und man kann sich wirklich ganz nah sein. Das ist so eine „Blase der Zärtlichkeit“, die man kaum haben kann, wenn noch eine andere Person dabei ist. Dazu die praktischen Vorteile: kein Klogang mit blutigen Beinen vor unbekannten Besuchern, kein weinendes Baby, dass den Nachtschlaf stört (mein Murkel hat sich nicht einmal gemuckst in den ersten Tagen – ein echtes Idealbaby…neben mir im Bett total zufrieden…). Außerdem kann man dann die Brust, wie es empfohlen wird, an den empfindlichsten ersten Stilltagen viel an der Luft trocknen lassen – ohne den Ehemann der Bettnachbarin zu schockieren…also, das war mir wirklich jeden Cent wert, diese Privatsphäre. Die ersten Tage mit dem Neugeborenen sind etwas ganz Besonderes, diese spezielle Stimmung ist auch sofort vorbei, wenn der Alltag zuhause wieder anfängt. Sollte man sich wirklich gönnen. Ich bin dann nach drei Nächten nach Hause, damit auch mein Mann dem Baby nahe kommen kann – aber die drei Tage waren für den Murkel und mich sehr wichtig. „Die beste Vorbereitung für eine gelungene Stillbeziehung“ sagte meine Nachsorgehebamme dazu.
•Wenn ihr für euch eine PDA nicht ausschließt, das notwendige Beratungsgespräch rechtzeitig vor der Geburt absolvieren. Das heißt ja nicht, dass man die bekommen muss, man kann das immer noch während der Geburt entscheiden (Zeitfenster: 3-7cm Muttermund-Eröffnung). Aber während der Wehen Beratungsgespräche zu absolvieren ist natürlich völliger Käse, muss aber ggfs. trotzdem gemacht werden. Ich hatte auch die Einwilligung für einen evtl. Kaiserschnitt und Spinalanaesthesie rechtzeitig vorher abgegeben.
•Was mir super gut getan hat, ist KRAFTBRÜHE während und nach der Geburt. Ein wahres Zaubermittel, das ich allen Entbindenden und Stillenden wärmstens ans Herz legen will. Gibt Kraft während der Wehen und danach. Ich hatte von meiner TCM-Heilpraktikerin dafür spezielle stärkende Suppenkräuter bekommen, (kann man sicher auch bei ihr bestellen, falls keine andere Quelle zur Hand). Huhn, Kräuter, Ingwer 3-4 Std. auskochen, danach viel Gemüse – Sellerie, Petersilienwurzel, Pastinaken, Möhren, Lauch ganz oder in groben Stücken 1 Std mitkochen lassen. Abseihen, Huhn und Gemüse wegwerfen. Brühe abschmecken, entfetten, entsprechend portionieren / einfrieren.) Leicht konsumierbare Energie, schmeckt wirklich prima (nicht zu vergleichen mit den medizinischen Kräutern der TCM – die sind ja oft fürchterlich im Geschmack), vor allem aber: sehr kräftigend. also: man genießt und genest.
•Für die erste Zeit zuhausen evtl. sowas wie Energiebällchen vorbereiten, kleine, kalorienreiche Happen, die man schnell einwerfen kann und die einen mit Notfall-Energie versorgen – man braucht viel zwischendurch, und öfter mal klappt es anfangs nicht so mit der Ess-Still-Koordination, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Ich bin beim Stillen regelrecht geschmolzen, hatte nach 5 Tagen bereirts mein Ausgangsgewicht wieder…die Kleine pumpt aber auch ab wie ein alter Matrose, ich komme kaum nach mit Essen.
•Ein bis zwei gute vorne zu öffnende Hausanzüge sind wichtig, in denen man schlafen kann, sich aber auch einigermaßen angezogen fühlt.
•Man braucht nach der Geburt Inkontinenzbinden, die ganz großen (Apotheke), ca. 2-3 Päckchen. Mit normalen Binden kommt man in den ersten beiden Wochen nicht hin. Dazu einen dicht schließenden Eimer für die Toilette, ein Spülgefäß für warmes Wasser (Plastikkännchen etc) und ganz weiches Klopapier. Sowie Milchzucker, um den Stuhl weich zu halten.
•Und man sollte Kräuterblut im Haus haben, falls man Blut verloren hat. (Eisentabletten machen den Stuhl hart).
•Für den Tag des Milcheinschusses einen Weißkohl (hält sich) und ein locker sitzendes Bustier (Still-BH unerträglich an dem Tag) im Haus haben. Weißkohlwickel nehmen die Entzündungsgefahr aus der Brust. Blätter ins Eisfach tun, mit einer Flasche crunchen und nach dem Stillen unter das Bustier auf den Busen tun.
•Ich habe die Brustwarzen vorher gut abgehärtet, viel gebürstet und möglichst wenig BH getragen, weil ich üble Nippel-Probleme bei Freundinnen mitbekommen hatte. Das hat sich sehr bewährt. Am 2. Tag hatte ich zwei Mini-Blasen, danach war kein Pflegebedarf mehr (bin hellhäutig, also empfindlicher).
•Probleme hatte ich mit dem Anpressschmerz beim Stillen. Einige Tage habe ich Paracetamol nehmen müssen, weil mir das wie Feuer durch Rücken und Kopf schoss. (4x o,5/Tag ist ok). Vielleicht besser im Haus haben.. Die Verspannung schadet, das kann den Milchfluss behindern. Jetzt, nach etwa 1o Tagen, wird es besser.
•Für evtl. Stillkrisen Fencheltee und losen Traubenzucker im Haus haben.
•Vor der Geburt bereits Kinderarzt klarmachen.
Wenn man das vorher besorgt, kann man dem Mann ein paar dämliche Laufereien in den ersten Tagen ersparen – die Zeit verwendet man besser aufs Schmusen und Baby bestaunen…
Viele Grüße
Romy