Hallo, ihr Lieben,
hier ein Bericht aus Warschau, für alle, die sich für eine evtl. Behandlung bei Dr. Lewandowski interessieren.
Jeder wird feststellen, dass der Vorlauf dort ziemlich speziell ist. Dauernde Anrufe, ein impulsiver, teilweise schwer zu verstehender Arzt, der einem auch häufiger mal etwas anderes erzählt, und gerne überraschend neue Untersuchungen anfordert…Zumindest bis vor kurzem: war auch das Behandlungsschema mehr als missverständlich. Es kostet also Nerven, und auch den Mut, sich selber als Nervensäge zu präsentieren. Gute Erfahrungen habe ich übrigens mit der tüchtigen Joanna Dworska-Mamia gemacht, die die mails präzise und prompt beantwortet. Überhaupt habe ich es irgendwann vorgezogen, per Fax und mail zu kommunizieren. Da konnte ich mein Anliegen beim ersten Versuch auch loswerden. Jeder Anruf braucht nämlich mindestens 3 Versuche, bis es endlich mal passt…
Andererseits kümmern sie sich dort wirklich ungewöhnlich um einen, bis zur Hotelbuchung und der Wegerklärung für den Taxifahrer, was der Doc persönlich macht…und Schokolade gibt es auch.
Dr. Lewandowki ist ein außergewöhnlich engagierter Arzt, der auch etwas sehr Liebevolles an sich hat. Er nimmt auch starken Anteil am jeweiligen Fall, es hat also etwas recht Persönliches. Am Telefon tat ich mich eher schwer mit ihm. Vis à vis ist er aber wirklich sympathisch. Er ist halt ne „Type“, also eher ein Original, und man kann mit ihm – oder auch nicht. Der ungefilterte, ungebrochene Stolz auf Klinik und Leistungen ist uns Deutschen sicher erst mal ein wenig fremd. Das Gockelige wird aber durch einigen Humor abgemildert und wirkt dann eher amüsant. Die Klinikführung umfasst also „Sehen Sie hier: der Mitarbeiterparkplatz“ und „Hier, für Samenspende, Fotos von Paris 192o!“ und derlei Schoten mehr. Zudem stellt euch auf genauestes Studium der aufgehängten Erfolgslisten ein! Immerhin habe ich auf diese Art erfahren, dass Mischlingsschwangerschaften stärker und im Ultraschall früher sichtbar sind. Das ist natürlich interessant.
Evtl. werdet ihr beim Transfer auch gestreichelt und geküsst, wenn eure Gebärmutter „brav“ist…. Mein Mann sagte, Dr. Lewandowski wäre beim Transfer ein Bild der Andacht gewesen.
Die Klinik ist sehr groß, repräsentativ und sehr gut ausgestattet. Allerdings kann ich jetzt nicht in den Chor derer einstimmen, die sagen, so etwas hätten sie in Deutschland noch nie gesehen. Es gibt auch deutsche Praxen, die ähnlich eindrucksvoll und gut organisiert sind, z.B. die bemerkenswerte Praxis von Dr. Fischer in Hamburg, die zudem wirklich perfekt organisiert ist.
Nun, all das sind ja eigentlich Nebenkriegsschauplätze.
Novum hat keine Extra-Spenderinnen, also junge Frauen, die sich gezielt zur Abgabe stimulieren. Die Eizellen dort sind also solche, die von normalen IVF’s übrig bleiben. und freigegeben werden. Das hat den Nachteil, dass es nicht so viele sind – und vermutlich lassen sie den Frauen auch die besten selbst. Das ist ja auch richtig so. Der Vorteil liegt darin, dass viele der Eizellen schon „Geschwister“ haben, also genetisch zuverlässiger sind.
Dr.Lewandowski sagte, er fände keine Frauen, die bereit wären, sich ausschließlich zur Spende zu stimulieren. Das Volk sei zu stolz dazu.
So ist natürlich auch die Koordination anders – keine Abgleichung mit dem Zyklus der Spenderin, keine gute Terminierbarkeit, ein bisschen Zufall bis zuletzt. Ich bekam dann doch nur Kryos, weil die erhoffte frische Eizelle sich nicht gut entwickelte.
Hotel: Wir waren im „Campanile“ ca. 75 Euro/Nacht. Man braucht übrigens kein Taxi zu nehmen. Es sind nur 2 Stationen mit der Tram, und das ist billiger. (Aus dem Bahnhof rechts Richtung Jerzeloski (oder so, irgendein langes Wort mit J) raus. Dann eine Tram nehmen, die nach rechts fährt. Tickets beim Fahrer, 3 Zloty. (Taxi: 1o Euro) Im Prinzip kann man das auch zu Fuß gehen.
Sehenswürdigkeiten: Warschau ist keine schöne Stadt, aber dafür dürfen wir uns natürlich selber auf die Schulter klopfen. (Nach dem Warschauer Aufstand 44 hat Hitler die historischen Gebäude nach der Rangfolge der Bedeutung für die Polen durchnumeriert und sie in derselben Reihenfolge sprengen lassen).
Die kleine Altstadt (stare miasto) lohnt sich jedoch sehr. Man sollte ruhig einige Stunden dafür einplanen. Wir haben dort auch vorzüglich gegessen.
Zur Klinik raus braucht man ein ortskundiges Taxi, etwa 12 Euro pro Fahrt. Die Klinik liegt außerhalb und ist anscheinend schwer zu finden. Man kann auch die Klinik bitten, einem einen Fahrer zu schicken.
Soweit erst mal.
Die Globuline machen mich immer noch ziemlich matschig im Kopf. Nun, so erträgt sich die Wartezeit leichter. Auch das Bryophyllum soll einen übrigens beruhigen; das ist sicher in der Wartezeit eine gute Sache. Zumal es ja in erster Linie die Einnistung fördert. Aber etwas Gelassenheit tut auch gut.
In jedem Fall stelle ich beruhigt fest: Dies ist mein letzter Versuch. Wenn es nicht hinhaut, dann kann ich auch ohne Kinder weiterleben. Ich bin froh, diesen Punkt jetzt in mir zu finden.
Grüße an alle
Rom.y