Demographiebericht der EU zeigt unterschiedliche Trends der Bevölkerungsentwicklung / Lebenserwartung bei Männern zwischen 65 bis 78 Jahren
BRÜSSEL (taf). In Irland gebären Frauen die meisten Kinder, in Spanien haben Frauen die höchste Lebenserwartung und in Litauen ist die Säuglingssterblichkeit am höchsten. Dies sind Schlaglichter des kürzlich in Brüssel veröffentlichten EU-Demographieberichts 2003 für die erweiterte EU der 25 Staaten.
Die Bevölkerung in der erweiterten EU wuchs im Jahr 2003 um etwa 1,9 Millionen Menschen auf 456,4 Millionen. Dieser Zuwachs war zu 90 Prozent (1,7 Millionen) auf Zuwanderung zurückzuführen.
Die natürliche Wachstumsrate, also die Differenz zwischen der Zahl der Geburten und der Zahl der Sterbefälle, betrug (pro 1000 Einwohner) in Irland 8,2 ‰, in den Niederlanden 3,7, Zypern, 3,6 und Frankreich 3,5. Die höchsten natürlichen Rückgänge wurden in Lettland (4,9 ‰), Ungarn (4,1) und Estland (3,7) gemessen. In Deutschland betrug der Wert 1,7 ‰. Dort wurden 715 000 Lebendgeburten, aber 858 000 Sterbefälle verzeichnet.
Während Südeuropa bei der Lebenserwartung der Geheimtip für Frauen ist, scheint es für Männer eher der Norden zu sein: Frauen leben in der EU am längsten in Spanien (83,7 Jahre) und Männer in Schweden (77,9 Jahre). Die Lebenserwartung bei Männern ist mit 65 bis 66 Jahren in den baltischen Staaten am niedrigsten. Ganz anders bei den Frauen: In Estland, Lettland und Litauen erreichen sie ein Alter von 77 bis 78 Jahren, ebenso in der Slowakei und Ungarn. Zum Vergleich: In Rußland haben Männer derzeit bei ihrer Geburt lediglich eine Lebenserwartung von unter 60 Jahren.
Der Durchschnitt der Lebenserwartung im Europa der 25 lag bei Frauen im Jahr 2003 bei 81,1 Jahren (1980: 76,8 Jahre). Die durchschnittliche Lebensspanne der Männer hat mit 75,8 Jahren noch nicht einmal den Wert der Frauen von vor 20 Jahren erreicht. Der Unterschied in der Lebenserwartung im Jahr 2003 betrug zwischen Frauen und Männern in der erweiterten EU im Schnitt 6,3 Jahre - zu Lasten der Männer. In Deutschland lag der Wert für Männer unter dem EU-Durchschnitt bei 74,9 und für Frauen bei 79,5 Jahren.
Ganz unterschiedlich hat sich in den Staaten die durchschnittliche Zahl der Lebendgeburten je Frau im gebärfähigen Alter entwickelt. Die Werte variieren zwischen 1,17 Kindern (Slowakei) und 1,98 Kindern (Irland). In manchen Ländern ist diese sogenannte Gesamtfruchtbarkeitsrate seit 1980 gestiegen. So zum Beispiel in Dänemark von 1,55 (1980) auf 1,76 (2003). Vor allem in den ehemals sozialistischen Ländern ist jedoch wie etwa in der Tschechischen Republik ein deutlicher Rückgang von 2,10 (1980) auf 1,18 Kinder (2003) zu verzeichnen.
In Deutschland hat sich seit 1980 die Zahl der Kinder von 1,56 auf 1,34 je Frau verringert. EU-weit ergibt sich damit ein Wert von 1,48 Kindern. Zum Vergleich: In Indien beträgt die durchschnittliche Kinderzahl je Frau 2,91, in den USA 2,07.
Die höchsten Säuglingssterbeziffern verzeichnet die Eurostat-Statistik in vielen der neuen Mitgliedstaaten aus Ost- und Mitteleuropa. So etwa in Lettland, wo 9,4 von 1000 lebend geborenen Kindern im ersten Lebensjahr sterben oder in der Slowakei (7,9). Ausgenommen von diesem Trend waren im Jahre 2003 die Tschechische Republik (3,9 je 1000) und Slowenien (4,0).
Im Europa der 15 liegt die Säuglingssterblichkeit bisher bei einem Wert von 4,5 je 1000 Lebendgeburten. Die niedrigste Säuglingssterblichkeit weist Schweden mit einem Wert von 2,8 auf. Deutschland liegt mit 4,2 unter dem EU-Schnitt.
Mehr Geburten als Todesfälle in der EU
Bevölkerungsentwicklung im
Jahr 2003 in 1000 Einwohnern
Länder
Lebendgeburten
Sterbefälle
EU
4 730.9
4 530.6
Belgien
112.0
107.0
Tschechien
93.7
111.3
Dänemark
64.7
57.6
Deutschland
715.0
858.0
Estland
13.2
18.2
Griechenland
104.2
104.4
Spanien
436.4
383.4
Frankreich
760.3
549.6
Irland
61.5
28.8
Italien
544.7
573.0
Zypern
8.1
5.5
Lettland
21.0
32.4
Litauen
30.6
41.0
Luxemburg
5.3
4.1
Ungarn
94.6
135.8
Malta
4.0
3.2
Niederlande
200.7
141.1
Österreich
76.9
77.2
Polen
351.1
365.2
Portugal
112.5
108.6
Slowenien
17.3
19.3
Slowakei
51.7
52.2
Finnland
56.6
49.0
Schweden
99.2
93.0
Großbritan.
695.6
611.8
Quelle: Eurostat
Quelle: Ärztezeitung