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Emotionale Aufarbeitung

  • catweazle
  • 20. April 2004 um 21:41
  • catweazle
    Gast
    • 20. April 2004 um 21:41
    • #1

    Hallo!

    Haben gerade erfahren, dass der "normale" ICSI-Weg für uns nicht mehr in Frage kommt aufgrund meines Alters.
    Uns wurde der Vorschlag gemacht nach Valencia zu gehen. Ich merke, dass ich irgendwie Probleme mit dem Thema habe. Entweder ganz und gar eigenes oder Adoption. Adoption kommt aus verschiedenen Gründen auch nicht in Frage.
    Wie kommt Ihr mit dem Gedanken klar, dass das Kind wohl des Partners Eigenschaften mitbekommt, aber nichts von Euch? Für mich kommt es mir vor, wie ein Kuckucksei. In ganz verzweifelten Minuten und Stunden kommt Wut in mir hoch. "natürlich hat wieder der Mann den Vorteil".
    Kennt Ihr solche Gedanken und Gefühle auch? Wie seid Ihr damit umgegangen?

    Hilfe!!!

  • Martina
    Eizelle
    Beiträge
    7
    • 20. April 2004 um 22:48
    • #2

    Emotionale Aufarbeitung

    Hallo Catweazle

    Deine Zweifel, Vorbehalte und Ängste können wohl alle hier verstehen. Der Entscheid für eine Eizellspende fällt nicht leicht; zu viele moralische und ethische Fragen rücken in den Vordergrund. Die Diagnose muss erst verarbeitet, Trauer Entäuschung und Wut ausgelebt werden. Vor ca. 3 Jahren hätte ich mit Bestimmtheit gegen EZ-Spenden argumentiert, hätte auf die Natur verwiesen und evt. so was wie das Schicksal eingebracht - tja, - mit all den Holpersteinen die uns im Leben auf unsere Wege gelegt werden, reifen wir und lernen gewisse Dinge differenzierter zu betrachten.

    Auch wir haben uns eingehend mit einer möglichen Adoption auseinander gesetzt und uns schlussendlich dagegen entschieden.

    Ich verstehe jedoch deinen Satz "natürlich hat wieder der Mann den Vorteil" nicht so richtig. (Auch er könnte ja zeugungsunfähig sein?) Ich für meinen Teil bin aufrichtig froh, dass mir der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind (auch wenn genetisch nicht mein) medizinisch erfüllt werden kann. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass es bei uns klappen wird und ich bin mir sicher, dass ich in den Kindesaugen meinen geliebten, vertrauten Mann erkennen werde.


    Martina

  • catweazle
    Gast
    • 21. April 2004 um 10:45
    • #3

    Emotionale Aufarbeitung

    Hallo,

    ja bei der kategorischen Ablehnung war ich auch schon. Es kam mir damals vor, als würde mein Mann "fremdgehen" und mir das Kind "unterjubeln". (Ich weiss biologisch ist das Blödsinn, aber emotional ist es halt doch möglich).
    Mein Ausspruch von wg. "Mann hat wieder den Vorteil" hätte ich sicher nicht gemacht, wenn ich nicht wüsste, dass mein Mann das Problem hätte. Aber seine Jungs sind fit.
    Langsam beginnt sich allerdings meine Einstellung zu ändern, da der Kinderwunsch doch sehr gross ist. Ich bemerke allerdings auch eine gewisse Erleichterung, dass es mir nicht mehr auferlegt ist und klar ist, dass es vorbei ist. Der Druck, den man sich ja doch meist selbst macht, ist abgefallen. Es ist klar, von meiner Seite her geht's einfach nicht. Nun kann ich mich auf den Gedanken konzentrieren, was weiter. Bin ich bereit für eine Spende oder nicht.

  • Tapabo
    4-Zeller
    Beiträge
    47
    • 21. April 2004 um 16:32
    • #4

    Was kriegt man mit

    Hallo Catweazle,

    ich selbst bin adoptiert und habe meine leiblichen Eltern erst kennengelernt, als ich schon 37 war. Klar war ich total froh, endlich mal jemandem zu ähneln. Von meinem Vater habe ich wohl die Augenringe, von meiner Mutter die guten Nerven.

    Bei meinem Mann und mir scheinen sowohl Eizellen als auch Sperma nicht völlig hoffnungslos, aber doch suboptimal zu sein. Und natürlich ist eine Samenspende wesentlich einfacher. Da ich aber nie so richtig wissen werde, von wem die die eine oder andere Eigenschaft geerbt habe, ist es mir auch nicht so wichtig, selbst eine genetische Mutter zu sein. Denn wer weiss, vielleicht würde das Kind garnicht so toll werden wie ich :wink: , sondern irgendwelche üblen Eigenschaften von meinen beiden Großmüttern mitkriegen. Mein Mann hat da mehr Einblick in seine Verwandschaft und für ihn scheint es auch wichtiger zu sein, seine Gene weiter zu geben.

    Liebe Grüße, Tapabo

  • zoe2
    4-Zeller
    Beiträge
    49
    • 21. April 2004 um 18:51
    • #5

    Emotionale Aufarbeitung

    hallo catweazle

    ich hatte nie so richtige emotionale Probleme mit der EZS, denn ich sehe das so: Das Sperma kommt zwar von meinem Mann, aber ich trage das Kind neun Monate in mir. In dieser ganzen Zeit stehen die Männer weitgehend außen vor - und ich bin ganz fest davon überzeugt, das das entscheidende neun Monate sind. Ich bin jetzt in der 14 SSW und ich hatte von anfang an nie das Gefühl der Fremdheit. Ich denke Du solltest Dich darüber freuen, das wenigstens das Sperma Deines Mannes in Ordung ist, denn Probleme an mehreren Fronten verkomplizieren und erschweren die Sache nur.

    Eine Möglichkeit der "Gleichberechtigung" wäre aber eine Embryonenspende, habt Ihr darüber schon mal nachgedacht??

    grüsse zoe

  • catweazle
    Gast
    • 21. April 2004 um 19:39
    • #6

    Emotionale Aufarbeitung

    Vielen Dank für Eure offenen Antworten. Das war auch noch so ein Punkt, ob ich denn mit dem Wissen, dass das Wesen in mir gar nichts mit mir sondern nur mit meinem Mann zu tun hat, eine emotionale Bindung herstellen kann. Ob diese emotionale Bindung genauso stark ist, als wenn ich noch die Hälfte dazugegeben habe. Gut, man weiss auch bei 100 % eigenen Kindern letztendlich nicht, was später herauskommt. Und die Basis gibt man auch in den ersten drei Jahren mit.
    Aber ich merke, dass der Wunsch doch sehr gross ist und meine Bedenken langsam bröckeln.

  • barbara
    Eizelle
    Beiträge
    8
    • 22. April 2004 um 13:21
    • #7

    Emotionale Aufarbeitung

    möchte mich Zoes letzer Frage anschließen: Habt Ihr schon mal über Embryonenadoption nachgedacht? Immerhin kriegt da ein Embryo eine Chance zur Entwicklung, der sonst wahrscheinlich irgendwann verworfen würde.

  • catweazle
    Gast
    • 22. April 2004 um 20:08
    • #8

    Emotionale Aufarbeitung

    Hallo ihr Alle,

    nein an eine Embryonenspende haben wir noch nicht gedacht. Aber was Zoe geschrieben hat, hat auch heute noch meine TCM-Ärztin bekräftigt. Dass durch die Schwangerschaft doch eine starke emotionale Bindung entwickeln kann. Na, ich werde Euch auf dem Laufenden halten, was meine Entscheidung angeht.

  • frowlein
    Blastozyste
    Reaktionen
    3
    Beiträge
    714
    • 23. April 2004 um 11:06
    • #9

    Emotionale Aufarbeitung

    Hallo, catweazle ... ( ;) )

    spannendes Thema.

    Kurze Geschichte hierzu:
    Obwohl Freunde und Familie wissen, wie unsere Valencia-Twins "entstanden" sind, wird´s immer wieder vergessen, weil´s u.a. wirklich so ist, dass einer dem Papa und der andere mir ähnelt - rein optisch.
    Wesensübereinstimmungen sind ebenfalls ganz klar auszumachen.
    Gleiches haben wir gerade wieder gestern bspw bei Kathinkas Baby festgestellt (ebenfalls Valencia), dass schon jetzt mit seinen 6 Wochen der Mama ähnelt. Das fanden wir alle ziemlich unfassbar.

    Also: Entweder sucht Valencia wirklich sehr sehr gut die Spenderinnen aus...oder da spielt noch etwas anderes mit... wer weiss, wer weiss..

    Ich fänd´s interessant, mal zu lesen, wie das bei anderen Schon-EZS-Eltern aussieht mit den Ähnlichkeiten....

    Ach ja, und sonst gilt für uns: ICH bin die Mama! Und dann gibt´s da auch noch eine Spenderin, die Mama geholfen hat, Mama zu werden.

    Das mit der emotionalen Bindung während der Schwangerschaft kann ich ebenfalls nur bestätigen, möchte aber ergänzen, dass eine Bindung zwischen Adotivkindern und -eltern der EZS-Elternschaft wohl in nichts nachsteht!

    [size=18px]Parenthood comes from the heart, not from the genes![/size]


    Also, egal, wie Ihr Euch entscheidet, ich denke, Ihr habt das "richtige" Herz!

    Alles Liebe.

    frowlein :)

    Bj.62, POF dx 1999,
    EZS IVI
    Ostern 2000: neg.
    Okt. 2000 --> Zwillinge 06/01 (Ende 36.SSW, 1x spontan, 1x Notsectio)

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