Liebe Forumsfrauen,
lange habe ich nicht mehr in diesem Forum geschrieben. Einige wenige aus dem Pronatal - Ordner werden sich vielleicht noch an mich erinnern - Anfang des Jahres 2009 hatte ich eine Eizellspende bei Pronatal und das große Glück, mit Zwillingsmädchen schwanger zu werden.
Eines meiner Zwillingsmädchen mußte in der 21. SSWoche sterben, und das ist auch der Grund, warum ich mich heute wieder hier im Forum melde.
Es starb an den Folgen einer akuten Ringelrötelninfektion, durch Herzschwäche, Anämie und Wassereinlagerungen.
Es gibt keine Behandlungsmöglichkeit , außer ab der 20. SSWoche den Versuch, Bluttransfusionen durchzuführen, die aber auch wieder ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko nach sich ziehen ; bei Zwillingen eine eine sehr schwierige Entscheidung.
Bei meinem Mädchen wurde der Versuch dazu nicht in Erwägung gezogen, die Ärzte sagten, sie wäre noch zu klein und zu schwach.
Ich selber bin in der 12. SSWoche akut erkrankt, ich habe mich mit großer Sicherheit auf einem Spielplatz angesteckt.
( Wie sehr ich mir wünsche , die Zeit zurückdrehen zu können und diesen Tag anders ablaufen zu lassen, könnt ihr euch sicher vorstellen... )
Die Inkubationszeit bei Ringelröteln für Ungeborene ist sehr lang. Bis man weiß, ob die Kinder sich angesteckt haben, und wenn ja, ob und wie sie diese Krankheit überstehen, vergehen viele quälende Wochen.
Diese wöchentlichen US- Untersuchungen waren sehr belastend, man lebt nur von einem Termin zum nächsten und schwebt ständig zwischen Hoffen und Bangen.
Dann hatten wir die 20 SSWoche erreicht, und ich begann schon vorsichtig Hoffnung zu schöpfen, daß alles gut ausgehen würde.
Dieser schwarze Tag, an dem der untersuchende Arzt gleich nach Beginn den Satz sagte " Das eine Kind ist leider verstorben" , den werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen.
Irgendwie habe ich die restlichen Schwangerschaftsmonate überstanden, zerfressen von Trauer und Schmerz und der Angst, daß auch mit dem zweiten Mädchen etwas Schlimmes passieren würde
- das Fehlgeburtsrisiko war eine Zeitlang sehr hoch, wenn bei dem gestorbenen Baby die Fruchtblase geplatzt oder sich die nicht mehr gebrauchte Plazenta abgelöst hätte ,
oder wenn die Infektion auf das zweite Kind übergegriffen hätte, aber dann hätte man allerdings schon leichter mit der Transfusion behandeln können.
Für mich waren Ringelröteln bis dahin eine harmlose Kinderkrankheit, was für gefährliche Auswirkungen in einer Schwangerschaft auftreten können, wußte ich nicht.
Es wird auch nicht wie bei den " normalen" Röteln zu Beginn einer Schwangerschaft getestet, da es, wie gesagt, keine effektive Behandlungsmöglichkeit gibt und auch bis dato keinen Impfstoff. Daran wird allerdings, wie mir der Pränatalarzt sagte, zur Zeit verstärkt gearbeitet, damit in Zukunft vorbeugend geimpft werden kann.
Da es bei einer akuten Infektion in den ersten 12 Wochen meist zu einem Abgang kommt, ist wohl auch die Dunkelziffer recht hoch.
Große Teile der Bevölkerung sind wohl bereits nach einer Erkrankung immun, nur wissen es wohl die wenigsten genau, ob sie dazugehören.
Ich möchte euch ans Herz legen, grade denen, die bereits Kinder haben, oder die berufsmäßig viel mit kleinen Kindern zu tun haben:
Laßt euren Immunstatus überprüfen. ( Im Regelfall bezahlt dies die gesetzliche KK leider nicht )
Habt ihr bereits Antikörper, ist alles in Ordnung, ihr wart bereits in der Vergangenheit einmal daran erkrankt, und Ringelröteln bedeuten keine Gefahr mehr.
Seid ihr dagegen, so wie ich es war, negativ, dann seid bitte vorsichtig, wenn irgendwo oder bei irgendwem Ringelröteln festgestellt werden, und geht dem allen soweit möglich aus dem Weg.
Eine Zeitlang habe ich im Sternenkinder-Forum Trost und Hilfe gesucht, um irgendwie mit der schrecklichen Situation fertig zu werden. Dabei bin ich auf - für mich - erschreckend viele Frauen mit dem gleichen Schicksal gestoßen.
Unsere Kinder hier sind so hart erkämpft, so sehr gewollt und geliebt. Auch darum habe ich meinen Bericht geschrieben. Wenn es eine Möglichkeit gibt, eine Gefährdung von ihnen abzuwenden, wenn nur ein weiteres ungeborenes Kind nicht daran erkrankt, wäre ich froh.
Seit langem wollte ich schon schreiben, habe es aber nie fertiggebracht. Gestern kam nun ein abschließender Bericht vom Geburts-KH und hat alles in mir wieder aufgewühlt. Da wußte ich plötzlich, daß ich jetzt meine Geschichte, meine Warnung, für euch aufschreiben kann.
Seid lieb gegrüßt, eure Gloria