Re: Ihr Kinderlein kommet
Hallo, ihr Lieben alle,
ich will mich doch wieder einmal an einem Bericht versuchen; ich schaffe es leider nicht, die lieben Nachfragen alle individuell zu beantworten. (Vielen Dank!) Noch ist es einigermaßen ruhig im Nebenzimmer. Wenn auch das Hühnchen schon keckert… „Hühnchen“, das ist unser „Intellektueller“; ein feinnerviges, nervöses, schreckhaftes Kind. Schon das Annehmen des Schnullers ist jedes Mal ein Reichsparteitag. Bis er den endlich richtig im Mund hat und er fest sitzt, durchlebt er wahre Dramen.
Unser Steppenreiter ist inzwischen zu „Knöpflein“ avanciert. Knöpflein ruht so sehr in sich, dass ich anfangs schon einen Hörschaden befürchtet habe. Ich staune immer wieder über die Verschiedenartigkeit der beiden. Optisch und vom Wesen her – einfach unglaublich. Der eine Glatze, der andere eine wilde Mähne. Der eine der absolute Oberhemd-Typ (jetzt schon!), der andere mit schmutzigen Fingernägeln (jetzt schon!). Der eine schreit jammernd, der andere wütend und läuft dabei dunkelrot an. Aber beide sind ausgesprochen süße Jungs - vor allem jetzt, wo sie endlich lächeln. Das heißt, Knöpflein lächelt charmant und sieht dabei aus wie das Inbild des Lausebübchens. Hühnchen hingegen fuchtelt aufgeregt mit weit aufgerissenem Mund herum, was dann wirklich zum Totlachen aussieht.
Beide sind übrigens wahre Riesen geworden. Habe ich erzählt, dass sie in den ersten 6 Wochen jeder 1ocm gewachsen sind und 2kg zugenommen haben?
Ja, Zwillinge. Das ist wirklich ganz was anderes als ein Kind. Ich fühle mich oft eher als Säuglingsschwester denn als Mutter. Es ist was ganz anderes, ein Kind zu stillen oder zwei. Alleine, das man dauernd hin- und hergucken muss und den Blick nicht einfach ruhen und versinken lassen kann. Oder: Mit einem Kind zu spielen. Oder dabei zu wissen, dass man dieses Spiel gleich mit dem zweiten wiederholen wird. Man kann halt nie ganz bei einer Sache bleiben, man hat ja immer noch Nr. 2 auf dem Schirm. Es ist irgendwie wie tanzen und dabei auf einen wichtigen Anruf warten. Oder so. Man muss Sachen beimessen, die man eigentlich verschwenden möchte. Man braucht so was wie Professionalität, um mit zweien gut fertigzuwerden und selbst nicht draufzugehen. Und eigentlich hätte ich meine Professionalität lieber im Büro gelassen… Ich bin jedenfalls froh, dass meine von langer Kinderlosigkeit geschundene Seele erst mal an einem Einling genesen konnte. Stundenlang schmusen, ein schlafendes Baby einfach so im Arm halten – das ist einfach nicht mehr drin.
Zumal da ja noch ein Kind ist, und was für eins. (Meine Tochter ist einfach ein Kaliber, in jeder Hinsicht.) Im Krankenhaus sagte mir eine Ärztin: Bis eine Familie ein einzelnes Folgekind „verdaut“ hat, dauert es 3 Monate. Sind die Folgekinder jedoch Zwillinge, muss man mit 1 Jahr rechnen. Verdaut wäre der Zuwachs dann, wenn man es sich nicht mehr anders vorstellen könnte. Das erscheint mir realistisch. Das ist schon eine heftige Invasion, zwei Windelpupser. Eine Nachbarin kam unlängst zu Besuch und erschrak beim Reinkommen regelrecht: Hier ist ja alles voll Babys! Der mittlerweile Dreijährigen wird es mit Sicherheit auch so vorkommen. Und wenn ich als Mutter schon feststelle, dass es schwieriger ist, zu zwei Kindern gleichzeitig eine Beziehung aufzubauen…
Mittlerweile nehmen ihre ausgefeilten Mordphantasien („ich baue eine Falle und erspieße sie mit dem Speer!“) ab; sie schafft es meistens, eine halbe Stunde entspannt im selben Raum zu spielen, in dem auch die Jungs sind. Das ist schon ein großer Fortschritt, denn man hat vorher gesehen, wie sich sofort ihr Fell sträubte, sobald ein Baby auf der Bildfläche erschien. Manchmal gibt sie jetzt auch einen verlorenen Schnuller zurück. Die Namen der Jungs benutzt sie noch nicht, und bis zu einem gemeinsamen Familienfoto wird es noch dauern. (Bei Freunden von uns gab es neulich das erste gemeinsame Geschwisterfoto – die beiden Kinder sind jetzt 8 und 5! Vorher konnten die nicht aushalten, kurz nebeneinander zu stehen, es gab sofort Randale…) Wie bei dir, Narzisse: Im Kindergarten erzählt sie sehr positiv von zuhause, auch von den Babys, und spielt fürsorgliche Mutterspiele. Da freue ich mich sehr drüber. (Immer wieder erstaunlich, wie anders Kinder sich im Kindergarten verhalten – dort zeigen sie zuverlässig ihre große Seite)
Und natürlich ist mein Mann viel für sie da, täglich, und auch mich hat sie täglich eine Zeitlang für sich alleine. Aber sie ist halt (hallo Claudia!) als lang ersehntes Wunschkind viel (im Nachhinein sage ich "zuviel") Aufmerksamkeit gewöhnt... und da sie kein Spielzeug mag (noch nie mochte, auch als Baby nicht) und nur Rollenspiele spielt, braucht sie halt auch immer jemanden...
Also, wir sind auf dem Weg zur Großfamilie, aber der ist noch lang. Zumal die Babys schreien, jeden Abend zwischen etwa 18.3o und 23.oo. Gemütliches Zusammensein zu fünft ist also kaum drin. Das Geschrei unterbindet zuverlässig jedes Singen, Vorlesen oder Spielen, und daher lege ich mich mit den Kleinen meist ins Bett und versuche, sie am Körper ein bisschen zu beruhigen - oder ihnen zumindest das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein. Warum sie schreien, weiß ich nicht. Manchmal ist es offensichtlich die Verdauung, an anderen Tagen pupsen sie nicht und schreien trotzdem. Überreizung kann es eigentlich nicht sein, denn bei uns geht es ruhig zu (noch). Und tagsüber sind die Jungs so lieb und ruhig, dass es eigentlich auch keine Schmerzen oder KISS oder derartiges sein können. Und das Geschrei klingt nicht alarmierend. Letztens habe ich es tatsächlich geschafft, mit 2 aus Leibeskräften brüllenden Babys im Arm einzuschlafen. (Da kommt natürlich die Erschöpfung zu. Ihr könnt euch vorstellen, wie anstrengend das Ganze ist, da ich ja mangels Abenden meine Arbeit nur am ganz frühen Morgen erledigen kann… Bis 6 Uhr schlafen ist derzeit „ausschlafen“ für mich, und das ist nur am Wochenende drin…)
Bei der Gelegenheit möchte ich doch noch mal Werbung für Kraftsuppen/Bouillons machen. Ich finde es so bedauerlich, dass kaum jemand dieses alte Hausmittel noch kennt oder anwendet. Jede Mutter, vor allem jede stillende Mutter, sollte das nehmen!! Nichts bringt einen besser wieder auf die Beine und bringt soviel Kraft. Und super Milch scheint es auch zu geben. Ohne meinen „Flüssigschlaf“ würde ich die derzeitige Belastung nicht durchhalten. Für alle, die es interessiert (ich habe das auch schon öfter verschenkt zu Geburten), hänge ich noch das „Rezept“ an. Auch während der Geburt gibt Brühe Kraft!
So, und nun noch einmal vielen Dank an alle, die unsere Familiengründung Teil 2. mit ihren Gedanken begleiten. Und bitte versteht, dass meine postings derzeit kurz sein müssen und auch Antworten auf PNs meistens knapp ausfallen!
Viele Grüße
Romy
Kraftsuppe: 1 Huhn mit Salz + 1 Stück Ingwer in kaltem Wasser aufsetzen. Ca. 4 Std. köcheln lassen, Wasser gelegentlich auffüllen. Nach 4 Std. geschnittenes Gemüse (eher fein geschnitten) dazu geben. (Ich nehme Sellerie, Möhren, Petersilienwurzel, Pastinake und Petersilie.) Nochmals 1,5 Std. köcheln lassen. Dann abseihen und alle Einlagen wegwerfen. Abschmecken (Curry, Pfeffer, Muskat, Zitrone, etwas Zucker). Brühe abkühlen lassen, dann den erstarrten Fettdeckel abnehmen und wegwerfen. Die Brühe in Portionen unterteilen und einfrieren. Nur auf Trinktemperatur erhitzen. Schmeckt hervorragend und ist in 1o Sekunden unten, wenn es sein muss. Ich tu mir immer abends ein frisches Päckchen in den Kühlschrank und lasse es dort auftauen.
Ich koche noch chinesische Suppenkräuter mit. Die gibt es „allgemein“ schon in vielen Apotheken, speziell für Geburt bei allen TCM-Heilpraktikern.
Wenn ich die verschenkt habe, dann fertig gefroren in Beuteln. Gerade für Mehrfachmütter ist das ein tolles Geschenk, da die Frauen weniger Zeit haben und aber schon viel für die Kinder besitzen.