Da kann ich nur dazu sagen, wie grau doch alle Theorie ist - ob sich die Frau wohl jemals Kinder gewünscht hat bzw. welche bekommen hat?
Positionen zur Gewinnung und Vermarktung von Eizellen
Ansprechpartnerin: Gabriele Pichlhofer, e-mail: pichlhofer@web.de
Die aktuelle Situation
Die Verwendung fremder Eizellen ist nach dem Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten; in den meisten europäischen (und außereuropäischen) Ländern ist das Verfahren nicht geregelt, wird aber angewandt. In der Diskussion um ein mögliches Fortpflanzungsmedizingesetz wird auch die Frage debattiert, ob die Eizellspende als Verfahren im Rahmen der In-vitro Fertilisation (IVF) hier zur Anwendung freigegeben werden soll. Die Verwendung fremder Eizellen ermöglicht eine Ausweitung der Indikation für eine IVF. Bereits jetzt findet ein "Befruchtungstourismus" ins europäische Ausland statt. Deutsche IVF-Zentren vermitteln Eizellspenden in Kooperation mit ausländischen Zentren.
Risiken für die Spenderin
Im Gegensatz zur Spermaspende, die seit dem letzten Jahrhundert dokumentiert ist, ist die Verwendung fremder Eizellen für die künstliche Befruchtung ein relativ neues Verfahren. 1984 wurde zum ersten Mal über die Geburt eines Kindes nach einer Eizellspende berichtet.
Anders als die Spermaspende, die keinerlei Risiko für den Spender bedeutet, ist die Gewinnung von Eizellen ein komplizierter Prozeß mit hoher Eingriffstiefe: der Körper der Spenderin wird medikamentös dazu gebracht, mehrere Eizellen heranreifen zu lassen. Diese werden der Frau dann meist ultraschallgeleitet durch die Scheide entnommen. Bei der Punktion der Eizellen kann es in einigen Fällen zu vaginalen Blutungen und Infektionen kommen. Zudem besteht das allgemeine Risiko der Anästhesie.
Die zur Stimulation verabreichten Hormonpräparate stehen im Verdacht, hormonabhängige Karzinome, wie Eierstockkrebs auszulösen. Eine "Begleiterscheinung" der Hormongaben ist das Überstimulationssyndrom. Es kann zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum oder zur Zystenbildung an den Eierstöcken kommen. In seiner schweren Ausprägung hat das Überstimulationssyndrom lebensgefährliche Auswirkungen. Es handelt sich dabei um ein Phänomen, das in dieser Häufigkeit überhaupt erst von Ärzten erzeugt wurde. Die gesundheitliche Belastung der Frauen bestätigen selbst einige Reproduktionsmediziner und –medizinerinnen, wenn sie vorschlagen, daß nur Frauen, die sich einer IVF-Behandlung unterziehen, als Eizellspenderinnen in Frage kommen, da es nicht vertretbar sei, daß sich gesunde Frauen diesem Risiko zum Nutzen Dritter aussetzen.
Kommerzialisierung
Durch die Nutzung moderner Medien, wie das Internet, ist die Kommerzialisierung von Eizellen kaum mehr einzugrenzen. In den USA bieten Agenturen Eizellen zu einem Preis von etwa 6000 US-Dollar an. In Anzeigen werden inzwischen bis zu 100.000 US-Dollar für eine Eizellspende geboten. Auch in europäischen Ländern findet ein Verkauf statt.
Allgemein gilt als ethischer Grundsatz, dass Körpersubstanzen, gleich ob sie regenerativen oder reproduktiven Organen entstammen, nicht bezahlt werden sollen. Aus diesem Grund wird daher auch im Fall der Eizellspende innerhalb Europas lieber von Aufwandsentschädigung gesprochen. Der Begriff der Spende impliziert die Freiwilligkeit der Entscheidung. Faktisch bedeutet dies jedoch, dass Frauen ermutigt werden, ja Erwartungen ausgesetzt sind, dass sie Teile ihres Körpers möglichst unentgeltlich bereitstellen. Der geforderte Altruismus knüpft an ein klassisches Frauenbild an: Frauen sollen ihre Ressourcen möglichst ohne materielle Erwartungen zur Verfügung stellen. Propagiert wird überdies in einigen Ländern (wie Großbritannien) der Tausch von Eizellen gegen andere Leistungen: ökonomisch schlechter gestellte Frauen erhalten gegen Abgabe der Hälfte ihrer Eizellen die IVF-Behandlung gratis. In diesem Fall kann ein inhärenter Zwang zur "Spende" aus ökonomischen Gründen nicht ausgeschlossen werden, es handelt sich um eine versteckte Kommerzialisierung. Zudem ist zu erwarten, dass Frauen stärker stimuliert werden, um eine entsprechende Anzahl von reifen Eizellen zu produzieren.
Eizellen für die Forschung
Eizellen gelten als begehrter Rohstoff, nicht nur für die Reproduktionsmedizin, sondern auch für die Forschung. Sie sind die Ausgangsbasis für: "therapeutisches" Klonen (Stammzellforschung) und "reproduktives" Klonen, die Keimbahnforschung und die Erforschung der Embryonalentwicklung (siehe hierzu auch unsere Positionen zur Embryonenforschung). Wegen der Knappheit an verfügbaren Eizellen werden inzwischen weitere Möglichkeiten erschlossen, um Eizellen zu gewinnen: die Reifung fötaler Eizellen (aus Keimzellen oder Eierstockgewebe), die Entnahme von Eierstockgewebe im Rahmen von Operationen oder posthum und die Reifung von Eizellen in vitro.
Positionen
Durch die Verwendung fremder Eizellen wird die Vorstellung propagiert, daß zur Behandlung gesundheitlicher Störungen, Ansprüche auf fremde Körperteile erhoben werden können. Besonders auf Frauen könnte damit ein ethisch begründeter Druck zur Erfüllung fremder Wünsche verstärkt werden. Als höchst problematisch erachten wir die Inanspruchnahme der körperlichen Dienste Dritter für die Erfüllung eines persönlichen Wunsches. Die Spenderin setzt sich dafür einem hohen medizinischen Risiko aus. Wir betrachten die Eizellspende als medizinethisch nicht legitimen fremdnützigen Eingriff.
Mit der Verwendung fremder Eizellen werden bis dato nicht dagewesene biologische wie soziale Beziehungen und Verwandschaftsverhältnisse geschaffen. Tiefverwurzelte Vorstellungen über die eigene Herkunft werden aufgelöst. Dies kann zu Identitätskonflikten führen. Die Überwindung von biologischen Grenzen stellt einen soziokulturellen Tabubruch dar.
Aufgrund der Knappheit an verfügbaren Eizellen für die Forschung ist nicht auszuschließen, daß Frauen durch einen finanziellen Anreiz gedrängt werden, beispielsweise im Rahmen einer IVF-Behandlung ‚überzählige‘ Eizellen für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen.
Wir sehen in der Eizellspende eine Ausweitung der IVF, die weit in soziokulturelle Werte eingreift und Frauen auf eine Rolle als reproduktive Geberinnen festlegt. Eizellen werden im Inneren des Körpers einer Frau produziert. Die Verfügbarmachung bedeutet einen weiteren Schritt hin zur Kontrolle des weiblichen Körpers und instrumentalisiert Frauen und ihre reproduktiven Fähigkeiten.
Forderungen
Wir fordern die Aufrechterhaltung des Verbotes der Verwendung fremder Eizellen für die IVF. Im Hinblick auf physiologische, psychologische und soziale Auswirkungen auf Frauen und ihre Gesundheit ist eine Zulassung der Eizellspende nicht zu verantworten. Eine Eizellspende für Forschungszwecke ist ebenso zu verbieten. Die Verfügbarmachung von Eizellen ist die Voraussetzung für eine Forschung an Embryonen, wie auch für die Keimbahnmanipulation.
Darüber hinaus fordern wir ein Verbot der Vermarktung von Eizellen. Zwar ist die Verwendung fremder Eizellen verboten, nicht aber der Handel damit.
Die Eizellspende sollte nicht isoliert betrachtet werden, vielmehr müssen die ihr zugrundeliegenden Praktiken der IVF kritisch beleuchtet und die medizinischen Risiken sowie die ethischen und soziokulturellen Implikationen wissenschaftlich aufgearbeitet und öffentlich diskutiert werden.