Hallo, hier mal wieder was zum Lesen - etwas seltsam mutet mir der letzte Abschnitt über die Belgierin mit dem entnommenen Eierstockgewebe an ?
Kryobanken:
Leben konservieren bei minus 196 Grad
Mit tiefgekühlten Eizellen können Frauen ihren Kinderwunsch auf Eis legen und zu einem späteren Zeitpunkt realisieren. Doch Kritiker warnen vor Gefahren
Kinder bekommen und Karriere machen: Beides unter einen Hut zu kriegen ist für Frauen oft ein Problem. Manche suchen nach einem technischen Ausweg. Es kämen zunehmend junge, gesunde Frauen, um sich unbefruchtete Eizellen entnehmen und einfrieren zu lassen, berichten Professor Hans van der Ven und Dr. Markus Montag von der Bonner Universitätsfrauenklinik. „Klappt es später mit dem Kinderwunsch auf natürlichem Weg nicht, bieten Eizellen aus jungen Jahren bei einer künstlichen Befruchtung die größten Chancen“, erklären sie.
Noch allerdings wird das tiefgekühlte Biomaterial nur in Einzelfällen verwendet. Die US-amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin warnt vor den Risiken des Verfahrens, das weltweit bisher rund 100 Geburten ermöglichte. Langzeiteffekte auf die Nachkommen seien unerforscht. Unbefruchtete Eizellen gelten als besonders anfällig, beim Tiefkühlen Schäden bis hin zu genetischen Defekten zu erleiden. Doch die Möglichkeit einer chancenreicheren Nachwuchsplanung rückt mit ihnen näher. Es wäre eine weitere Revolution durch eine Technik, die seit Jahrzehnten für Umwälzungen in der Medizin sorgt. Das Haltbarmachen durch Einfrieren (Kryo konservierung) lässt manche Zellen und kleine Gewebestücke Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte unbeschadet überdauern. Da zu lagern sie bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff.
Einfrieren ohne Eiskristalle
Der Weg in solche Kälte und wieder heraus ist ein Kunststück. Zellen sterben, sobald sich in ihnen Eiskristalle bilden. Durch Gefrierschutzmittel sowie geeignete Einfrier- und Auf taugeschwindigkeiten umgehen Mediziner diese Gefahr. „Dafür braucht jeder Zelltyp sein spezifisches Programm“, weiß Dr. Birgit Glasmacher vom Helmholtz-Institut für biomedizinische Techik der Universität Aachen. Manche Zellen allerdings lassen sich nicht schadlos tiefkühlen.
Besonders erfolgreich war die Technik bislang in der Reproduktionsmedizin. So frieren Ärzte heute in vielen Ländern frühe Embryonen ein, die nach einer künstlichen Befruchtung im Labor „übrig“ blieben. In Deutschland ist das verboten. Aufbewahren dürfen hiesige Ärzte nur Eizellen unmittelbar nach der Befruchtung – im so genannten Vorkernstadium, wenn eine Samenzelle eingedrungen, ihr Kern aber noch nicht mit dem mütterlichen Zellkern verschmolzen ist. Solche wieder aufgetauten, befruchteten Eizellen verwendeten Ärzte in Deutschland im Jahr 2004 bei fast 17 000 künstlichen Befruchtungen. Etwa jeder zehnten Frau verhalf dies zu einem Kind. „Wir raten allen Paaren, überzählige Vorkernstadien kryokonservieren zu lassen“, erklärt Markus Montag. Kommt es beim ersten Versuch nicht zur Schwangerschaft, seien weitere Anläufe möglich.
Männer im Vorteil
Das Tiefkühlen von unbefruchteten Eizellen hingegen bleibt wegen der Risiken umstritten. Männer sind hier im Vorteil: Die kleinen und anspruchslosen Samenzellen lassen sich relativ einfach einfrieren. Damit erhalten sich Männer, denen durch Krankheiten die Unfruchtbarkeit droht, ihre Chance auf Kinder – ohne sich dabei auf eine Mutter festzulegen.
Mehr Chancengleichheit für Frauen verspricht jetzt die so genannte Vitrifikation. Bei dieser Technik wird das meiste Zellwasser vor dem Einfrieren durch Gefrierschutzmittel ersetzt. „Da mit überleben die Prozedur 90 Prozent der Eizellen statt bislang nur 60“, berichtet Montag. Spätschäden bei Nachkommen hält er für unwahrscheinlich. Auf jeden Fall müsse man dies aber in Studien untersuchen. Und es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Am 23. September 2004 brachte eine 32-jährige Belgierin, die nach einer Chemotherapie unfruchtbar geworden war, ein ganz natürlich gezeugtes Kind zur Welt. Sie hatte sich vor der Behandlung Eierstockgewebe entnehmen lassen. Als die Ärzte ihr dieses kryokonservierte Gewebe Jahre später zurücktransplantier ten, konnte die Frau bald darauf schwanger werden. Auch hiesige Zentren empfehlen jungen Patientinnen vor einer Krebsbehandlung, sich auf diese Art die Chance auf ein Kind offen zu halten.
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