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Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

  • sasuna
  • 29. April 2006 um 21:04
  • Josi
    Morula
    Beiträge
    596
    • 15. Juli 2006 um 16:32
    • #21

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    [quote author=Tapabo06 link=topic=2898.msg22099#msg22099 date=1152907295]
    Die Arbeit so reduzieren, dass das Kind damit d´accord geht, ist nicht bei jedem drin. Bei mir sind beispielsweise noch die Pflege eine dementen Mutter und ihre sonstigen Belange zu organisieren und das lässt sich einfach nicht deligieren. Und ich glaube auch, dass ab es einem gewissen Alter schon wichtig ist, eine Spielgruppe zu haben (statt Einzelbetreuung durch die Babysitterin), auch wenn dies zunächst nur bedeutet, einander zu beobachten.
    [/quote]


    Stell ich mir nicht grad einfach vor, wenn du eine demenzkranke Mutter betreuen mußt, das kostet sicher viel Kraft. Bist du allein zuständig, oder bekommst du noch Unterstützung? Meine SM hatte früher auch einen Pflegefall hier im Haus, IHRE Schwiegermutter, das war so eine Rundumdieuhrbetreuung, die sie letztendlich ihre Gesundheit gekostet hat. Pflege kann einem glaube ich sehr an die Substanz gehen....


    Wenn du einen guten Babysitter hast, dann wirklich Glückwunsch. Einer Bekannten, die seit einiger Zeit ihre Zwillis, drei Monate älter als die meine, von einer sehr empfohlenen Babysitterin dreimal die Woche betreuen ließ, ist folgendes passiert:
    Sie kam nachmittags unverhofft nach Hause, da hängt die Babysitterin mit dem Handy am Ohr auf der Couch und hatte die Zwillis vor der Glotze - es lief grade eine dieser unsäglichen Nachmittagsgerichtsshows- geparkt. Jetzt ist sie wieder ohne Babysitter und sucht verzweifelt eine gute Betreuungsmöglichkeit.


    Tapabo, hast du dir eigentlich Renee Holler gekauft? Ich hab gestern bei amazon das von dir empfohlene Buch bestellt, dazu noch "das kompetente Kind" von Juul. Und freu mich schon auf ein gemütliches abendliches Lesestündchen ;)

  • Josi
    Morula
    Beiträge
    596
    • 15. Juli 2006 um 16:38
    • #22

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    [quote author=manda link=topic=2898.msg22103#msg22103 date=1152946253]
    Als unsere twins 2 Monate alt waren, haben wir eine Tagesmutter engagiert, die mich an einem Vormittag in der Woche entlastet, da wir niemand von der Familíe in der Nähe haben. Mit ihr haben wir eine gute Wahl getroffen - die Kinder fühlen sich sehr wohl bei ihr und sie kommt super mit dem Doppelpack klar. Danach fühle ich mich auch wieder richtig vollgetankt, und das kommt auch den Kindern zugute.
    [/quote]

    Manda, das hört sich wirklich gut an. Darf ich dich fragen, was so eine Tagesmutter für ihre Dienste verlangt, gibt es da Tarife oder ist das regional unterschiedlich?

  • manda
    Blastozyste
    Beiträge
    790
    • 15. Juli 2006 um 20:13
    • #23

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    Hallo Josi,

    der Tagesmütterverein, über den wir unsere Tagesmutter gefunden haben, gibt als Empfehlung 3-6 € je Kind und Stunde an. Wir zahlen 6 € die Stunde für beide.

    Dass die Babysitterin Eurer Bekannten die Babys einfach vor den Fernseher gesetzt hat, finde ich unmöglich. Man kann bei einer Fremdbetreuung natürlich nie sichergehen, aber so, wie ich unsere Tagesmutter einschätze, dürfte das nicht passieren. In Erziehungsfragen sind wir uns einig, und ihre Kinder sind wirklich goldig und gut erzogen.

    Dass die Firma meines Mannes mitspielt, ist natürlich super. Aber grade in einem großen Betrieb ist das etwas leichter als z.B. bei einem Mittelständler, zumal wenn es bereits einige Vorreiter in ähnlicher Position wie seiner gibt, da kann man kaum Nein sagen.

    Viele Grüße,

    manda

  • Tapabo06
    8-Zeller
    Beiträge
    121
    • 15. Juli 2006 um 21:22
    • #24

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    Hallo Ihr alle,

    bei unserer Babysitterin bin ich mir 100% sicher, dass sie mit der Kleinen spielt, denn diese "erzählt" ja pantomimisch von ihren Erlebnissen (schwenkt den Arm von oben nach unten: "djuu-djuu-djuu" - Alles klar, es wurde wieder viel gerutscht!).

    Mit Krabbelgruppen hatte ich nicht so Glück, in der ersten wurde mir zu viel mit handbemalten Seidentüchern gewedelt ;) (im übertragenen Sinne, es ging so viel um die Befindlichkeiten der Mütter, dass schonmal mitten im Lied aufgehört wurde zu singen, so dass die Kinder da lagen und darauf warteten, dass mal wieder ein bisschen Struktur kam), die zweite war mit Abschluss des 1. Lebensjahrs zuende, Familien zogen weg oder Frauen fingen wieder an zu arbeiten, bei der 3. war die Leiterin so chaotisch, dass sich nach den Osterferien fast niemand mehr angemeldet hatte...
    Wie ist denn das bei Euch, einige von Euch sind ja vielleicht auch nicht mehr 29 (ich bin 42) - habt Ihr nie das Gefühl, nicht so ganz dazuzugehören?

    Zum Thema Pflege der demenzkranken Mutter, so tut es mir leid, wenn mein Posting missverständlich angekommen ist: Gepflegt wird sie durch einen Betreuungsdienst. Da sie noch in ihrem eigenen Haus in einem anderen Ort wohnt, organisiere ich, dass der Haushalt weiterläuft, regle Finanzen, Krankenkasse, Gartenpflege, besuche sie, besuche sie oft, wenn sie im Krankenhaus ist, halte den Kontakt zu ihren Geschwistern, schicke der Nachbarin zum Geburtstag Blumen, damit sie einen Anreiz hat, meine Mutter mal zu besuchen, etc. Da der Zustand sich immer mal wieder ändert, ist auch immer irgend etwas zu regeln, mit Leuten zu verhandeln und besprechen.

    Renée Holler war ganz interessant zu lesen, insbesondere dort, wo ganz unterschiedliche Konzepte beschrieben werden, mit gewissen Dingen umzugehen, z.B. alle Dinge die leicht kaputt gehen wegzuräumen, oder aber dies gerade nicht zu tun und den Kindern zu erklären, dass sie diese Dinge in Ruhe lassen sollen. Durch die thematische Strukturierung werden solche Gegensätze natürlich ganz schön deutlich, aber ich hätte mir doch eingehendere Schilderungen der einzelnen Kulturen gewünscht, um nicht nur interessante Hinweise zum Nachdenken, sondern ein tiefergehendes Verständnis für die unterschiedlichen Sichtweisen auf Kinder zu bekommen.
    Immerhin konnte ich meine hochschwangere Freundin, die sich schon neurotisch vorkam, weil sie anfing, Konserven und Tiefkühlgerichte zu kaufen, in Ihren Unternehmungen unterstützen, indem ich ihr von einer asiatischen Kultur erzählte, in der die Frauen in der Schwangerschaft sogar eigens ein Feld mehr bestellen, um Vorräte für die erste Zeit anzulegen. Interessant fand ich auch, dass das Windelwaschen doch eine relativ junge Angelegenheit zu sein scheint, jedenfalls, wenn man von den sogenannten Naturvölkern ausgeht, die Holler da beschreibt. In kälteren Klimazonen waren Wegwerfwindeln (Blätter, Moos, etc.) üblicher.

    Liebe Grüße, Tapabo

    ------------------------------------------------------------
    2 Kinder durch EZS - Tochter 01/05, Sohn 05/07

  • maria
    8-Zeller
    Beiträge
    108
    • 17. Juli 2006 um 23:06
    • #25

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    ihr lieben,

    wie schon gesagt...keine minute zeit...deshalb komme ich erst jetzt dazu, eure antworten/diskussion zu lesen. ich war heute .- so zwei mal in der woche - bis halb neun an der uni, danach wollte das kleine luder - wie so oft seitdem es so warm ist - partout nicht einschlafen und jetzt habe ich mir endlich ein wenig zeit am computer gegönnt.
    eigentlich bin ich diejenige, die euch bewundert, für organisationstalent, für das wissen um kinderentwicklung, erziehung, ernährung usw. usw. und schließlich seid ihr eh den ganzen tag mit den kindern allein...
    wenn der gatte da ist (im sommer alle zehn tage für eine oder zwei nächte, im winter viel seltener, denn er arbeitet 4000 km entfernt von hier) merke ich - obwohl seine beschäftigung mit seiner tochter auf das minimum reduziert ist und er in zehn monaten nie eine windel gewechselt hat - wie "leicht" es doch ist, wenn jemand da ist, dem man einfach sagen kann "schau du mal kurz auf sie und ich gehe schnell duschen". aber sonst bin ich so daran gewöhnt, alleine zu sein, daß ich mir nicht einmal vorstellen kann, wie es anders sein könnte. auch kenne ich kaum frauen mit kindern und kaum familien. nur lauter mitte fünfzig-intellektuellen, die meistens allein leben und ganz für ihren beruf existieren (ich glaube... unter anderem um nicht SO zu werden, wollte ich unbedingt ein kind). und bei krabbelgruppen ging mir ähnlich wie manda... ich hatte den eindruck, die krabbelnden seien eher die mütter und die kinder schauten etwas perplex zu.
    seit der geburt meiner tochter hatte ich "fremde hilfe". in den ersten monaten waren es drei stunden am tag, fünf mal in der woche. meistens war ich auch zu hause, oder ich habe die zeit ausgenützt, um einkaufen zu gehen.
    seitdem ich arbeite, wird meine kleine 5 mal die woche für fünf stunden betreut. ab und an kommt auch jemand für ein paar stunden am wochenende (zwei kindermädchen wechseln sich ab). ich fahre meistens ins büro, denn ich habe festgestellt, daß ich zu hause - trotz betreung - nichts schaffe. mit den kindermädchen (keine "offiziellen" tagesmütter oder babysitterinnen) hatte ich großes glück. die eine ist eher mütterlich, die andere eher eine große spielkamaradin. beide lieben meine tochter sehr und ich denke, daß ist die beste "referenz" und die beste grundlage, um vertrauen zu haben. meine piccola hat beide sehr sehr gerne und strampelt immer vor freude in allen richtungen, wenn sie nur ihre schritten auf der treppe hört. so gehe ich mit einem guten gefühl zur uni. natürlich, wird manchmal den schlafanzug falsch aufgeknöpft, oder den falschen badezusatz benutzt, aber ich rege mich gar nicht auf und denke, daß es viel wichtiger ist, daß es meiner tochter mit ihnen sehr gut geht. über erziehungsvorstellungen haben wir nicht gesprochen, es sind aber zwei intelligenten frauen und ich glaube, sie werden keine gravierenden fehler machen. daß ab und zu während der wm die junge lateinamerikanerin vor dem fernseher auf einer decke sich mal ein fußballspiel angeschaut und dabei mit ihr gespielt hat, finde ich auch nicht so tragisch, eher lustig...
    vielleicht hört sich für euch alles sehr rabenmütterlich an und ihr denkt, daß ich mich zu wenig um meine tochter kümmere. aber seit monaten arbeite ich täglich (kind+uni) mehr als 15 stunden am tag ohne pause und wenn ich gegen halb drei ins büro gehe, habe ich das gefühl, mein arbeitstag liegt schon hinter mir (piccola wacht um sieben oder halb sechs auf) und ich würde mich am liebsten hinlegen...
    und ich möchte noch ein zweites kind, mit 46 jahren und ein phantom als vater... bin ich vollkommen verrückt?
    ich möchte aber nicht, daß meine tochter "allein unter greisen" aufwächst und mir sind meine geschwister im leben eine große freude und eine große unterstützung (leider trennen uns mehr als 1000 km)...

    so, ich möchte noch schreiben, aber es wird spät und "gefährlich"

    buona notte
    maria

  • Tapabo06
    8-Zeller
    Beiträge
    121
    • 18. Juli 2006 um 22:44
    • #26

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    Liebe Maria,

    wenn man nicht alles selbst macht! Und sei es das bisschen Familie, dass man gern um sich hätte.

    Ich habe ein bisschen in deinen alten Beiträgen gestöbert und kann deinen Wunsch nach einem Geschwisterkind für dein Mädchen sehr gut nachvollziehen. Ich selbst bin ohne Geschwister aufgewachsen, so dass ich deren Wichtigkeit vielleicht nicht so ganz nachvollziehen kann, aber auch ich hätte gern ein zweites Kind und verstehe auch, dass du ein zweites Kind möchtest.

    Wenn man denkt, wieviel Zeit dabei draufgeht, andere nette Mütter kennenlernen zu wollen, damit das Kind einen Spielkameraden hat und es klappt und klappt nicht: Kinder nett, Mütter neurotisch, Kinder nett, Mütter haben ganz andere Probleme, eigenes Kind krank, eigenes Kind hat andere Interesssen, etc.
    Und dann der eigene Freundes- und Bekanntenkreis, in dem die Kinder schon älter sind, oder die Freundinnen, die tolle Karrieren machen. Während wir in reproduktionsmedizinischer Behandlung waren, fragte mich mal jemand nach unserer Motivation. Mein Mann hat einen katholischen Background, Kinder gehören für ihn irgendwie zum Leben dazu, aber er meinte, ein weiterer Grund Kinder zu haben wäre, dass dann jemand da wäre, der einen mit 50 noch "Du Arschloch" nennt. Und gerade wenn du eine Fernbeziehung hast, so finde ich es nochmal verständlicher, dass du denkst, eine Familie sollte aus mehr als 2 Personen bestehen. Ich finde, dass es sich so anhört, als hättest du die Betreuung gut geregelt. Und das wirst du sicher auch mit einem zweiten Kind tun. Ich habe im Freundeskreis ein Paar, das getrennt in einer Stadt wohnt, aber gemeinsam ein Kind aufzieht und dann jetzt noch ein Zweites bekommen hat und auch gemeinsam aufzieht, ein Paar, das landschaftlich schön mit dem Kind wohnt, das aber abwechselnd seiner Berufstätigkeit ca. 600 km entfernt nachgeht. Klar habe ich anfangs die Luft angehalten, aber bewundernswert ist das alles doch, die Eltern sind authentisch und die Kinder ganz bezaubernd.

    Aber pass auf, dass du dich nicht völlig verausgabst.
    Trägt dein Mann deine Entscheidung mit? Wenn er kein zweites Kind möchte und er viel älter ist als du, dann ist ja vielleicht auch ein intensiveres Familienleben in Sicht, wenn er beruflich kürzer tritt. Und Spielkameraden finden sich dann vielleicht auch in der Elterninitiative oder im Kindergarten. Hast du eine feste Stelle an der Uni, oder bist du befristet angestellt? Das würde für mich auch noch in die Wagschale fallen.

    Liebe Grüße,
    Tapabo

    ------------------------------------------------------------
    2 Kinder durch EZS - Tochter 01/05, Sohn 05/07

  • Josi
    Morula
    Beiträge
    596
    • 19. Juli 2006 um 14:44
    • #27

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    Es ist wirklich interessant, wie sehr sich die Lebensläufe und Vorstellungen unterscheiden........das hier sollte jetzt keine Wertung darstellen, ich finde es eher faszinierend, wie anders das Familienmodell aussehen kann .


    Liebe Grüße

    von Josi

  • Josi
    Morula
    Beiträge
    596
    • 21. Juli 2006 um 17:04
    • #28

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    Mädels,


    das hier habe ich heute noch gefunden, ich fands ganz interessant ;)


    http://www.kindergartenpaedagogik.de/118.html


    Die elementare Bedeutung von Bindungspartnern

    Durch eine einfühlsame und beständige Versorgung lernt der Säugling, dass seine Äußerungen des Wohlbefindens und ebenso seine Unbehagensäußerungen innerhalb kürzester Zeit auf vorhersagbare Weise von ihm zugewandten Menschen verstanden und befriedigt werden können.
    Die besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern oder Personen, die es ständig betreuen, wird Bindung ("attachment") genannt. Wichtig sind Zuverlässigkeit, Einfühlsamkeit und Kontinuität bei liebevoller Pflege.
    Zwischen Bezugspersonen und dem Kind muss die Gelegenheit zu regelmäßigen Zwiesprachen gegeben sein. Denn nur bei Kontinuität in der erzieherischen Betreuung entsteht eine sichere Bindung.

    Es gibt eine biologisch begründete Bereitschaft und Notwendigkeit zur Bindung, allerdings ist die individuelle Verwirklichung von Bindung eines Kindes an seine Bezugspersonen sehr unterschiedlich.
    Auch wenn alle Kleinstkinder Bindungsverhaltensweisen (wie weinen, nachfolgen, anklammern, rufen) bei Gefahr und Angst zeigen, kann die einzelne Bindung zu Mutter, Vater oder einer anderen vertrauten Person von sehr unterschiedlicher Qualität sein.
    Die erlebten emotionalen Erfahrungen mit den Bindungspersonen werden als inneres Arbeitsmodell gespeichert. Dieses Modell kennzeichnet die Erwartungshaltung, mit der das Kleinstkind in seinem weiteren Lebenslauf auf andere Menschen zugehen wird. Es steuert die Fähigkeit zur Autonomie und Selbstregulierung.

    Sicher gebundene Kinder sind kooperationsbereiter, frustrationstoleranter, besitzen bessere Problemlösestrategien, sind Fremden gegenüber freundlicher und aufgeschlossener, spielen länger konzentriert, geraten seltener über Spielsachen oder soziale Angelegenheiten in Streit, lösen ihre Konflikte selbstständiger und nachhaltiger und sind häufiger Initiatoren von Gruppenspielen.

    Dagegen ist eine unsichere Bindung ein Risikofaktor für das Kind. Ein relativ früh erlebter Verlust oder die psychische Unzugänglichkeit der Bezugspersonen kann zu deutlichen Beeinträchtigungen in der sozial-emotionalen Entwicklung des Kindes führen, was im späteren Lebenslauf vor allem in Belastungssituationen deutlich wird.


    Voraussetzungen für eine Bindung außer Haus


    Ab dem sechsten Lebensmonat bis ins dritte Lebensjahr hinein bindet sich ein Kind an einige wenige Bezugspersonen.
    Sie in seiner Nähe zu wissen, ist besonders wichtig, wenn es Neues zu beobachten und zu tun gibt, wenn Unsicherheit und Angst gerade das Stimmungsbild dominieren.
    Typisch für Zweijährige ist, dass sie in bestimmten Zeitintervallen zur Bezugsperson zurückkehren, um sich ihrer Anwesenheit zu versichern, damit sie weiterspielen können.


    Die Situation der außerfamiliären Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren muss aus der Sicht der Bindungstheorie als mögliches Risiko gesehen werden, weil das Kleinstkind eine Trennung von seiner Sicherheitsbasis und von seinen Bindungspersonen als stressvoll erlebt, ohne dass es verstehen kann, warum ihm diese Trennung zugemutet wird.

    Kommt ein Zweijähriges in Fremdbetreuung, so muss seine Erzieherin zu seiner neuen Bezugsperson in dieser Umgebung werden.
    Hierzu braucht es die Hilfe der bereits vorhandenen Sicherheitsbasis. Beim Übergang von der reinen Familien- zur zusätzlichen Fremdbetreuung muss das Kind von einer seiner vertrauten Bezugspersonen begleitet und parallel von "seiner" Erzieherin eingewöhnt werden.
    Am besten hat sich das individuelle Bezugspersonensystem bewährt. Jedes neu hinzukommende Kind bekommt zur Eingewöhnung "seine" Bezugsperson zur Seite gestellt, die nun - zumindest bis das Kind voll integriert ist - seine vorrangige Ansprechpartnerin und Kontaktperson ist.
    Zusammen mit Mutter oder Vater führt sie das Kind in die Gruppe ein und gewinnt langsam aber sicher immer mehr an Bedeutung, während die Elternanwesenheit im Kindergarten immer unnötiger wird.

    Im Beisein des Elternteils kann die Erzieherin zur feinfühligen Spielpartnerin und Trostspenderin werden. Das Kind erfährt ihre Zuneigung, Verlässlichkeit, ihre Schutzfunktion, ihre Hilfsbereitschaft und ihr Informationsangebot. So kann sie langsam als neue zusätzliche Sicherheitsbasis akzeptiert werden, die Zeit des Getrenntseins von der Familie wird dann nicht nur ertragen, sondern mit Spiel- und Erkundungsverhalten ausgefüllt.
    Das setzt aber voraus, dass Elternteil und Erzieherin sich viel Zeit für ein neu einzugewöhnendes Kind nehmen müssen, denn die Eingewöhnung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.


    Zu frühe, zu wenig vorbereitete, vom Kind ungewollte, von Erwachsenenseite jedoch geforderte Trennungen führen nicht zu einer gesteigerten Autonomie, sondern nur zu einem - auch hormonell messbaren - Stressanstieg.
    Bestenfalls zeigen die Kinder keinen Protest mehr beim Abschied, was aber keineswegs bedeutet, dass sie innerlich nicht sehr erregt sein können, was man auch an der erhöhten Zahl von Automanipulationen ablesen kann.
    Wichtig bei einer Trennung ist nicht nur, wer geht, sondern auch, wer bei dem Kind bleibt. Gelingt es der Erzieherin in einer durch alte und neue Bezugspersonen gemeinsam abgesicherten Eingewöhnung eine Bindung zum Kind aufzubauen, dann kann die Trennung von der Hauptperson akzeptiert werden, bald ohne Stress und ohne Trauer.
    Die Trennungszeit wird dann nicht nur überstanden, sondern genussvoll erlebt. In der Eingewöhnungsphase dienen kleine Trennungen von der Mutter zum Austesten, ob der Trennungsschmerz bewältigbar ist und ob die neue Bezugsperson in der Lage ist, als vorübergehende Sicherheitsbasis zu fungieren.
    Funktioniert das, kann man die stundenweisen Trennungen zu halb- oder sogar ganztägigen Trennungsphasen verschmelzen lassen.


    Anzeichen für Wohlbefinden


    Heute wissen wir, dass es Verhaltensmerkmale gibt, an denen das Wohlbefinden eines Kindes in der Einrichtung abgelesen werden kann, was wiederum eine Aussage über die Betreuungsqualität beinhaltet (angeregt durch Grossmann 1998).


    Es weint nach der Eingewöhnungszeit (ca. ein Monat) nicht mehr beim und nach dem Abschied von der Mutter oder sucht Trost bei der Erzieherin,

    es geht gern und freiwillig in die Tageseinrichtung,

    es zeigt wenig "Abseits-Verhalten", d. h. es steht selten unbeschäftigt herum, wandert selten ziellos umher,

    es lutscht wenig am Daumen, am Schnuller oder an einer Flasche und zeigt wenig rhythmische freudlose Bewegungen, Zupfen an Haaren oder Kleidungsstücken (Stereotypien),

    es spielt konzentriert,

    es spielt parallel zu Kindern oder kooperiert mit ihnen und zeigt weniger Aggression als anderes Sozialverhalten,

    es spricht spontan die Erzieherin in Erwartung einer Antwort oder einer freundlichen Interaktion an,

    es erwartet von der Erzieherin Hilfe

    es weiß, dass die Erzieherin Streit schlichten und Konflikte lösen kann

    es kann bei Vermittlung der Erzieherin teilen oder abwechseln,

    es freut sich, lacht oft und weint selten,

    es muss nicht um die Aufmerksamkeit der Erzieherin buhlen,

    es besitzt eine altersgemäße Frustrationstoleranz und kann warten.


    Sollte ein Kleinstkind nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase und trotz vermehrter Zuwendung durch Erzieherin und Mutter einige dieser Kriterien nicht erfüllen, was klar bedeuten würde, dass es sich nicht wohl und sicher fühlt, ist es ratsam, für dieses Kind nochmals die Betreuungssituation zu überdenken und nach einer individuell geeigneteren Lösung zu suchen.


    Literatur

    Bensel, J. (1994): Bevorzugte Interaktionspartner bei Kleinstkindern - Beobachtungen in der Krippe, Psychologie in Erziehung und Unterricht 40, 81 - 93.

    Bensel, J. (1999): Vertrauen schaffen von Anfang an. Wie eine gute Eingewöhnung gelingen kann, ZeT - Zeitschrift für Tagesmütter und -väter (1), 8 - 10.

    Grossmann, K. (1998): Gute Gruppenbetreuung für Kinder unter drei, Frühe Kindheit 1 (3), 4 - 12.

    Grossmann, K., Grossmann, K. E. (1998): Bindungstheoretische Überlegungen zur Krippenbetreuung, S. 69 - 81 in Ahnert, L. (Hrsg.): Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren - Theorien und Tatsachen. Bern, Hans Huber.

    Haug-Schnabel, G., Bensel, J., Kirkilionis, E. (1997): Mein Kind in guten Händen, Freiburg, Herder.

  • delila
    4-Zeller
    Beiträge
    87
    • 8. Dezember 2006 um 11:40
    • #29

    Re: Arbeiten oder zuhause bei dem/den kindern

    Hallo,

    mein Sohn ist mittlerweile 11/2 Jahre alt ein Temperamentbündel, sehr fordernd und auch mein größter Schazt. Er geht zu seiner Tagesmutter seit er drei Monate alt ist für vier Stunden und mit dieser dann 3 mal die Woche in eine Krabbelgruppe. Die Tagesmutter ist gelernte Erzieherin und mein Sohn entwickelt sich prächtig. Er ist viel weitern für sein Alter als andere, die diese Konstellation nicht haben. Ich fühle mich deswegen auch nicht als schlechte Mutter. Es ist wichtiger wie man die Zeit mit seinem Kind verbringt, wie intensiv man sich dann mit ihm beschäftigt. Ich würde es wieder so machen. Ich freue mich auch auf meine Arbeit und empfinde das nicht als Schande. Karriere will ich auch nicht machen, aber mal was anderes sehen und hören als Kind.

    LG Delila

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