Hallo, alle,
hier habe ich bei wunschkinder.de einen interessanten Überblick über Immunprobleme und die Therapiemöglichkeiten gefunden. Leider habe ich den Namen der Verfasserin nicht finden können. Tut mir Leid!
Immuntherapien bei Einnistungsstörungen
1) etwas Theorie vorab
Das Immunsystem ist ein zunehmend in seiner Bedeutung erkannter Einflussfaktor im Bereich Schwangerwerden und Schwangerbleiben.
Um es ziemlich vereinfacht auszudrücken, es kann zu träge/inaktiv sein oder zu aktiv/aggressiv. Das Immunsystem hat die Aufgabe, fremde (und schädliche) Eindringlinge und entartete Zellen zu zerstören und zu beseitigen und gleichzeitig die eigenen Gewebestrukturen, falls diese gesund sind, intakt zu lassen. Hierzu verfügen die beteiligten Zellen über komplexe Kommunikationsmittel Botenstoffe, die bremsend oder aktivierend wirken, indem sie an Rezeptoren auf anderen Zellen andocken.
Obwohl es ein Gegensatz in sich ist, muss der Embryo als zwar (teilweise) fremd, aber unbedingt schützenswert erkannt werden. Die sonst auf Vernichtung ausgerichteten Zellen sollen ihm sogar noch aktiv helfen bei der Einnistung. Und genau das ist die Schwierigkeit, es handelt sich um einen echten Drahtseilakt...
Am leichtesten ist hier die Überaktivität zu erklären der Embryo wird vom Immunsystem (besonders beteiligt sind hierbei wohl die natürlichen Killerzellen, die sich um die Zeit der Ovulation und danach in ziemlich großer Anzahl in der Gebärmutterschleimhaut aufhalten) angegriffen und vernichtet.
Bei der zu schwachen Reaktion des Immunsystems sind die Zellen nicht in der Lage, mit dem sich einnistenden Embryo zu kommunizieren und ihm dann auch zu helfen.
Die selben Zellen, die, wenn im Übermaß vorhanden, dem Embryo zum Verhängnis werden, haben an sich eine sogenannte Ammenfunktion zu übernehmen, wenn das biologische Gleichgewicht stimmt.
2) Therapie bei zu schwachem Immunsystem
Die Therapie soll das Immunsystem in der Anzahl der Zellen und/oder deren Aktivität stimulieren. Hierfür gibt es verschiedene Ansätze:
a) Aktive (Partner)-Immunisierung
Hierbei wird dem Partner nach HLA-Typisierung und Feststellung von zu großer Ähnlichkeit Blut entnommen, die Leukozyten isoliert und der Frau unter die Haut gespritzt. Es kommt zu einer mehr oder weniger starken Reaktion, von manchmal nur leichter Rötung bis zu einer schmerzhaften tiefroten Schwellung. Hier ist leider auch das Risiko der Methode zu nennen, im Extremfall kann es zum u.U. tödlichen anaphylaktischen Schock kommen. Da die Erfolgsrate auch nicht gerade extrem hoch ist (die Angaben schwanken zwischen 6 und 10%), ist sie nicht ganz unumstritten. Sie hat aber einen entscheidenden Vorteil: Sie ist, verglichen mit den nachfolgenden Methoden verhältnismäßig billig.
Mittlerweile wird vermutet, dass der Hauptnutzen der aktiven Immunisierung aber gar nicht so sehr in der Bildung der entsprechenden Antikörper liegt, sondern sie auch bei zu starkem Immunsystem von Nutzen sein könnte (und sie daher auch für die Eizellspende und auch bei Samenspende einsetzbar sein sollte). Der Effekt hält ca. ½ Jahr an. Nach einer Lebendgeburt sollte er theoretisch lebenslang anhalten, (aber es gibt schon ein Gegenbeispiel dafür hier im Forum!)
b) Leukonorm
Bei Leukonorm handelt es sich um ein aus menschlichen Leukozyten gewonnenes Medikament, welches nach etlichen Filtrations- und Reinigungsvorgängen nur noch Bruchstücke der ursprünglichen Leukos enthält. Es umfasst sämtliche Inhaltsstoffe (also auch Botenstoffe!) bis zu einer bestimmten Größe. Leukonorm ist das einzige offiziell zur Behandlung von immunologisch bedingten Fehlgeburten sowie Einnistungsstörungen zugelassene Medikament.
Bei Einnistungsstörungen sollte es an 5 aufeinander folgenden Tagen gegeben werden ab dem Tag der Punktion. Mittlerweile gibt es auch da Abwandlungen beim Anwendungsschema.
Wie genau die Wirkung erfolgt, ist noch unklar, aber es scheint hierbei keine Senkung der Anzahl der Killerzellen aufzutreten. Einige befürchten gar eine mögliche Steigerung.
c) G-CSF (=Granulocyten-Kolonie-Stimulierende Faktoren)
Dieses sind bislang in diesem Bereich experimentell eingesetzte Medikamente (z.B. Neupogen, Granocyte), die als Botenstoff die Vermehrung entsprechender Gruppen von Zellen anregen. Die Substanzen sind, jedenfalls verglichen mit Leukonorm und den später beschriebenen Immunglobulinen, noch recht billig.
Da sich nicht ausschließen lässt, dass die stimulierende Wirkung eben auch die Killerzellen betrifft, ist der Einsatz wahrscheinlich auf ein nicht überaktives Immunsystem begrenzt. Die Methode wird sich, wenn sie weiter entwickelt wird, wahrscheinlich auch mit den oben angeführten kombinieren lassen.
2) Therapie bei überaktivem Immunsystem
a) evt auch aktive Immunisierung
Es gibt Hinweise darauf, dass die Injektion von Leukozyten, und zwar nicht einmal unbedingt des Partners, noch ganz andere Effekte haben könnte, und zwar eine Senkung der Killerzellen im Blut sowie Beeinflussung anderer Faktoren. Es wird mittlerweile angenommen, dass diese womöglich bedeutsamer sind als der Effekt bezüglich der Antikörper.
b) IVIG (=intravenöse Immunglobuline)
Bei überaktivem Immunsystem (mit erhöhten Killerzellen >15%) ist wahrscheinlich die Therapie mit Immunglobulinen am erfolgversprechendsten. Diese werden mit 500mg/kg Körpergewicht alle 4 Wochen oder nach einer entsprechenden Startdosis und weiterführend mit 300mg/kg KG alle 3 Wochen je nach Studie durchgeführt. Die IVIGs senken die Anzahl der Killerzellen im Blut. Die Therapie ist extrem teuer und aufwendig (es muss sehr langsam infundiert werden).
Natürliche Killerzell Aktivität (Zytotoxizität)
NK-Zellen sind Lymphozyten, die einen CD56-Marker haben.Sie sind präsent in gestionalem Endometrium während der Sekretionsphase des Menstruationszyklus und in der Decidua während der Schwangerschaft. Deciduale Killerzellen haben eine dichotomale ) bei eindringenden Trophoblasten auslösen, was zu fehlschlagender oder nicht vollständiger Einnistung führen kann (24). Diese endogene TNF alpha Produktion scheint auch bei der Induktion von natürlicher Killerzellaktivität involviert zu sein und in die weitere Bildung von CD56+, CD16+NK (25). Neutralisierende Antikörper zu TNF verhindern die Interleukin 2 induzierte Zytotoxizität und LAK-Zellbildung (LAK?). Es wird berichtet, dass monoklonale Antikörper zu P55 und P75 TNFR (?) Interleukin 2 induzierte Killerzellaktivität verhindern (26).
Immunglobulin (IVIG) hat die Fähigkeit NKs im peripheren Blut zu regulieren und zu deaktivieren (und wahrscheinlich auch T-Zellen zu aktivieren) innerhalb von 12 Wochen nach Verabreichung (27).In der Tat stellt der in vitro Test zur Messung der NKs gegenüber einer titrierten Dosis von IVIGs als Zielzellen ( s.g. K562) fest, ob aktivierte natürliche Killerzellen im Übermaß verhanden sind und wie viel IVIGs notwendiger weise zugesetzt werden müssten um den Effekt der Aktivierung zu neutralisieren.
Diese Ergebnisse zeigen, dass es eher die Aufspürung von natürlicher Killerzellaktivität eher ist, als das Vorhandensein von APA+, die einen Marker darstellt für die Identifikation von Frauen mit einem erhöhten Risiko von Einnistungsstörungen und dass die Behandlung mit IVIGs bei erhöhter Killerzellaktivität, die Raten von Einnistung und Ergebnis bei IVF verbessern kann.
c) Corticosteroide (Cortison; meist Prednisolon oder Dexamethason)
Bei überreaktivem Immunsystem ist dieses eine preiswerte Alternative, wird gerne mit Heparin/ASS kombiniert eingesetzt, bei erhöhten Killerzellen könnten sich IVIG als erfolgreicher herausstellen.
d) Heparin oder Heparin/ASS
Diese Kombination wird gerne bei Auftreten bestimmter Autoantikörper gegeben. (Einige gehen mit Störungen der Blutgerinnung einher, was sich hiermit auch günstig beeinflussen lässt.)
e) Trental (Pentoxifylline)
Dieses Mittel, das auch durchblutungsfördernd (wie so viele hier!) wirkt, soll in der Lage sein, immunmodulierend im Sinne einer Begünstigung einer Schwangerschaft zu wirken und hierbei u.a. die natürlichen Killerzellen zu senken. Es handelt sich hier um ein Anwendungsgebiet, welches nicht im Beipackzettel erwähnt wird (Off-label-use). Wenn sich dieses in weiteren Studien beweisen lässt, gäbe es eine seriöse, preiswerte Konkurrenz zu den IVIGs.
Einige Anmerkung von mir: Trental scheint eher bei nicht so stark erhöhten NK`s gegeben zu werden, ebenso wie Colostrum, ein Kuh-Vormilchpräparat. Letzeres hat dazu den Vorteil, risikolos zu sein und relativ preiswert.
Bei Werten über 2o, 22% scheint eine IVIG-Therapie angeraten zu sein.
Bei mir (überaktives Immunsystem) meinte Dr.Lewandowski, dass die aktive Immunisierung wohl kontraindiziert gewesen wäre. In der Tat hatte sich die Immunreaktion danach verstärkt.
Wenn einmal eine Immunreaktion aufgetreten sein sollte, sollte man vor einem weiteren Versuch unbedingt die Immunologie abklären lassen, Frau Dr. Reichel ist ja die erste Adresse dafür.
Immunreaktionen finden häufig zum Zeitpunkt der Einnistung (ET + 2-6, je nach Entwicklungsgrad der Embryos) statt; sie scheinen häufig nachts zu beginnen, so dass man sie beim Aufwachen bemerkt. Symptome: Herzrasen, harter Puls, hoher Blutdruck, Schwäche, Schweißausbrüche, manchmal auch verbunden mit Gebärmutteraktivität/kontraktionen. Dauer: 36-48Std. Immunreaktionen können auch später stattfinden oder völlig unbemerkt bleiben.
Viele Ärzte erkennen diese Art von Störung nicht an und verweisen auf eine englische Studie, bei der Patientinnen mit erhöhten NK`s mit solchen verglichen wurden, die normale NK`s hatten, und die Schwangerschaftsraten nahezu identisch waren. Allerdings wurde dort die Scheidemarke auf 12% festgesetzt, also ziemlich niedrig. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die signifikante Grenze höher liegt. Bei denen hier im Forum, die solche Immunreaktionen erlebt hatten, lagen die NKS ab 22% aufwärts. Die SS-Rate nach IVIG-oder Leukonorm-Therapie kann sich unserer kleinen Gruppe hier durchaus sehen lassen.
Hier noch ein artverwandtes Beispiel einer Studie mit Hashimoto-Patientinnen mit erhöhtem NK:
PROBLEMSTELLUNG: Vergleich der Wirkung einer alleinigen Heparin/Aspirin (H/A)Therapie mit H/A in Kombination mit einer Intravenösen Gammaglobulin(IVIg)-Immuntherapie auf das IVF-Ergebnis bei Patientinnen, die positiv auf Schilddrüsen-Antikörper (SD-AK) getestet wurden.
METHODEN: Wir bestimmten 82 Frauen unter 40 Jahren, deren Unfruchtbarkeit ausschließlich auf weiblichen Ursachen beruhte. Alle waren positiv auf organspezifische Schilddrüsen-Antikörper (TPO-AK und/oder Tg-AK), aber negativ auf Phospholipid-Antikörper getestet worden. 37 dieser Frauen (Gruppe A) erhielten nur H/A, während 45 (Gruppe B) H/A in Kombination mit IVIg bekamen.
ERGEBNISSE: 10 (=27%) aus Gruppe A und 23 (=51%) aus Gruppe B erreichten Lebendgeburten nach Abschluss eines einzigen IVF/ET Zyklus (P=0,027)
SCHLUSSFOLGERUNG: Wir folgern daraus, dass eine IVIg Therapie bei SD-AK+ Frauen die IVF-Erfolgsrate signifikant verbessert.
Gruß Rom.y