Ich muss heute mein Unglück hier abladen. Ich weiß leider wieder mal, dass es nichts wird, und diesmal endgültig. Leider gehöre ich zu den Frauen, die unmittelbar nach dem Transfer Symptome kriegen, und das ist nicht zu „übermerken“ – die Gebärmutter regt sich deutlich, kontrahiert, zieht, und ich kann sie in ihrer Form gut wahrnehmen, weil sie irgendwie ausstrahlt. Es zieht auch in den Eierstöcken und ein bestimmter Bauchschmerz tritt auf. Sehr schnell melden sich auch die Brüste, zunächst mit kleinen Funkimpulsen innendrin, dann beginnen sie weh zu tun.
Das war bei den letzten 5 Transferen jedes Mal so, unterschiedlich stark. Einmal so intensiv und deutlich, dass nach 3 Tagen bereits die Brustwarzen dunkel und hart waren, und die obere Busenhälfte deutlich stärker gepolstert und gerundet, als sie es normalerweise ist, und mir bereits den ganzen Tag übel war… Da konnte man das sogar schon gut sehen, von außen. Mein Mann hat nur gestaunt. Es ist auch wirklich verrückt, ich weiß.
Und entweder kam dann die brutale Reaktion, die mich mit niederhaute, oder es schlief sanft ein, wie dieses Mal. Die ersten beiden Tage ein eindeutiges positiv, dann begann es zu schwinden. Am Tag 5, gestern, war wieder eindeutig Grabesstille in mir drin; die Gebärmutter wieder zurückgetreten in das normale Schweigen der Organe; der Busen wieder ruhig. Der Kopf nüchterner, ohne den leichten Weichzeichner der ersten Tage, ohne das Gefühl der „aufsteigenden Säfte“…Das ist leider alles ziemlich eindeutig, ich kenne das diese Gefühle nur zu gut.
Das Globulin hat also bei mir nicht gewirkt. Ich habe 2 Tage lang gemerkt, dass das Immunsystem auf dem Plan war; der Herzschlag war härter als sonst und ich fühlte mich, als wäre eine Erkältung im Anzug oder so was. Ich habe mittlerweile gelernt, das Gefühl zu identifizieren, wenn mein Immunsystem aktiv wird. Das war jetzt wohl die globulinmäßig abgemilderte Variante, aber für die zarten kleinen Wesen hat es anscheined immer noch gereicht.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie bitter mich die Tage bis zum Test dann ankommen. Diese Farce noch durchstehen zu müssen. Gott sei Dank reicht dieses Mal ein Urintest. Beim Blutabnehmen zu sitzen, meist weinend, und meine Nicht-Schwangerschaft ebenso deutlich zu spüren wie die „Schwangerschaft“ der ersten Tage--- das waren mit die schlimmsten Momente meines Lebens.
Jetzt heißt es wohl Abschied nehmen vom Kinderwunsch. Nach 7 Jahren Kinderwunschbehandlung, denen 7 Jahre „den Mann bequatschen“ vorangingen – den ich vom erbitterten Kinderablehner immerhin dazu brachte, dass er nun selber leidet wie ein Hund. Nach wer weiß wie vielen Operationen auf beiden Seiten, 8 ICSI/IVF/EZS-Versuchen, eimerweise Tränen, 2 regelmäßigen schweren psychischen Krisen pro Jahr und komplett auf KiWu-Versuche abgestelltem Lebens- und Jahresrhythmus… Abschied nehmen von dem einzigen, was mir für mein Leben ganz klar war: das ich einmal Kinder haben würde. Ich bin eine von den „geborenen Müttern“, Kinderwagen-Guckerin von Kindesbeinen auf, immer diejenige, die mit den Kindern „kann“, auch mit schwierigen… Ich bin von häuslichem Naturell, mit Talent für den Alltag, gesegnet mit einem nichts weniger als perfekten Ehemann, der auch einen perfekten Vater abgegeben hätte. Wir wären gute Eltern geworden. Das muss reichen.
Wie mein Mann es einmal ausgedrückt hat: „Ein Kind hätte es gut bei uns. Wir machen immer so viele Witze!“
Aber nun ist einfach definitiv das Ende der Fahnenstange erreicht, alles versucht, was irgend Erfolg versprach. Mein Immunsystem lässt einfach kein Fremdgewebe in mir zu. Da kann die innere Wiege noch so weich ausgepolstert sein - an diesem Wächter ist anscheinend kein Vorbeikommen. Das muss ich wohl akzeptieren. Nein, akzeptieren werde ich das nie. ES IST EINE SCHANDE, DASS ICH KEINE KINDER BEKOMMEN KANN!!! Ich werde es bestenfalls hinnehmen, mich irgendwie dran gewöhnen, das Beste draus machen. An diejenigen denken, die aus anderen Dingen das Beste machen müssen – aus einem Leben als Single, gesundheitlichen Einschränkungen, dem Verlust eines lieben Menschen, Fehlentscheidungen im Leben. Wenn man genau hinsieht, sind das nicht wenige. Trotzdem, es schmerzt: Von 12 ungewollt kinderlosen Paaren, die wir einmal kannten, sind wir die einzigen, die übrig geblieben sind.
Nun, auch das ist ein Aspekt der Kinderwunschbehandlung - ob er hierher gehört, weiß ich nicht - aber "wann ist Schluss" - den Punkt darf man nicht verpassen, glaube ich. Eine Kinderwunschbehandlung bietet glaube ich auch eine gewisse Suchtgefahr.
Das wollte ich doch mal gesagt haben.
Rom.y