Frontal21 vom 14. Januar
Die neuen Wunschkinder
Teil 2
Bei den überzähligen Embryonen gibt es eine Einteilung nach Merkmalen wie Blutgruppe und Hautfarbe. Kinder aus dem Katalog?
von Friedrich Kurz
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http://www.eizellspende.de
IVI Fruchtbarkeitsklinik
Das verneint Professor Devroey von der Uniklinik Brüssel: "Da redet ihr immer über diese Designer-Babies mit blauen Augen, mit schwarzen Haaren. Das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist es bei der Präimplantationsdiagnostik lediglich, Krankheiten zu vermeiden, eine Krankheit zu analysieren."
Embryonen aus Spanien
Eine weitere Adresse für deutsche Paare ist die Fruchtbarkeitsklinik IVI im spanischen Valencia. Über 5000 unfruchtbare Patientinnen wurden hier schon zu Müttern, 1000 von ihnen kamen heimlich aus Deutschland angereist. Der Preis für ein Embryonen-Baby liegt bei etwa 5500 Euro. Die Eizellen spenden oft spanische Studentinnen, schlicht um Geld zu verdienen. Etwa 7000 Spender-Embryonen liegen dort in den Tiefkühl-Behältern.
Antonio Pellicer
Auch Klinik-Chef Professor Antonio Pellicer wehrt sich gegen den Vorwurf, dass in seiner Klinik Designer-Babys entstehen. Die Patientinnen könnten sich nicht Haar- und Augenfarbe oder andere Merkmale aussuchen. Er betont: "Sie können die Charakteristiken nicht auswählen."
Frontal21: "Kein Foto-Album?
Pellicer:"Nein, absolut kein Fotoalbum! Auf den Anmeldeformularen achten wir nur auf einige Äußerlichkeiten, auf die Blutgruppe, also nur auf einige Charakteristiken."
Die letzte Chance
Auch Tina aus Münster möchte nicht erkannt werden. Mehrfach versuchte sie schwanger zu werden - einmal mit einer in Deutschland erlaubten Befruchtungsmethode - vergeblich. Dann mit der in Deutschland verbotenen Eizell-Spende in den USA - wieder vergeblich. Die Embryonenspende in Valencia sah sie als ihre letzte Chance. Sie bekam eine Tochter.
Peter Wodarg
Auch sie will nicht erkannt werden: "Ich halte es sogar für eigentlich ziemlich schlimm, dass deutsche Frauen zum IVF-Tourismus gezwungen werden. Und ich denke, wenn sich jemand sehr ein Kind wünscht, eine Familie gründen möchte, dass er dazu die Chance bekommen sollte. Wir haben eh zu wenig Kinder in dieser Gesellschaft."
Embryonenwirtschaft
Der Handel mit Embryonen ist überall in Europa gesetzlich verboten. Doch deutsche Politiker und Medizin-Ethiker sind grundsätzlich gegen die Embryonen-Adoption. Dazu Peter Wodarg von der SPD: "Ich denke, dass besonders die wirtschaftlichen Anreize zu Fehlsteuerungen führen. Ich glaube, wir müssen sehr, sehr genau unterscheiden, mit welchen Maßnahmen können wir Frauen helfen und welche Maßnahmen dazu führen würden, dass es zu einer Embryonenwirtschaft, zu einer Herstellung und Produktion mit Qualitätssicherung von Menschen führt. Das wäre in der Tat etwas, das gegen das Würdegebot des Grundgesetzes verstoßen würde."
Jochen Taupitz
Professor Jochen Taupitz, Medizinrechtler und Mitglied im Nationalen Ethikrat ist der Auffassung: "Es ist durchaus legitim, dass eine Rechtsordnung entscheidet, wann sie bestimmten Wünschen gerade nicht nachkommt. So schwer dies für den einzelnen Menschen auch sein kann. Sehr wohl muss das Schicksal dieser Paare uns dringender Anlass sein, wie man ihnen allerdings helfen kann."
Krankheit: Unfruchtbarkeit
Deutsche Politiker missachteten die Bedürfnisse unfruchtbarer Frauen, sagt Doktor Michael Thaele vom Bundesverband reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands.
Michael Thaele
Thaele: "Viele Menschen in Deutschland, auch unter den Politikern sind noch der Meinung, dass ungewollte Kinderlosigkeit als Schicksal zu akzeptieren ist. Die Weltgesundheitsbehörde hat aber ganz klar festgelegt, dass die Unfähigkeit, sich ohne fremde Hilfe fortzupflanzen, eine Krankheit darstellt. Die Politik sollte endlich mal Farbe bekennen und sollte handeln. Es geht nun schon über viele Jahre, dass viele Probleme in der Fortpflanzungsmedizin nicht gelöst sind in Deutschland. Wir haben schon den Eindruck, dass man sich auf der politischen Seite um die Lösung dieser Fragen drückt. "