Re: Mir bricht fast das Herz jedesmal wenn sie weinen oder schreien müssen
Hallo ihr,
ich habe das Glück, ein Baby zu haben, das kaum schreit – fast gar nicht. Und bei EINEM ist es sowieso einfacher. Ich denke, bei einem Neugeborenen und sehr kleinen Baby sollte man alles sofort befriedigen. Je älter das Kind wird, desto länger wird die Leine, an der die Mutter ist. Und die darf man auch nutzen. Zum Leben-Lernen gehört auch, warten zu lernen, und auch, mit Frust fertigzuwerden. Wohlgemerkt: in altersgerechter Dosierung. Aber die Fähigkeit zum Triebaufschub ist eine zentrale Fähigkeit für ein gelungenes Leben. Und Frustrationstoleranz braucht man auch unbedingt. Insofern halte ich es für falsch, als Mutter immer zu springen - auch wenn man sein Kind sehr liebt und lange auf es hat warten müssen. Ab einem gewissen Alter muss man dem Kind auch ein Gegenüber sein.
Ich denke, da kommt es vor allem auf die offenen Ohren der Mutter an. Babys schreien ja ganz unterschiedlich, und da muss man die Nuancen raushören. Vor einiger Zeit fuhr ich in die Stadt. Beim Aussteigen hörte ich an einer anderen Haltestelle ein Kind im Kinderwagen schreien, und zwar in höchster Not. So, dass meine Brust anfing zu laufen und mir die Tränen kamen. Die Mutter stand teilnahmslos neben dem Kinderwagen, ohne ihn auch nur zu schuckeln, und rauchte. Furchtbar, es ging mir noch tagelang nach. Aber seit diesem Erlebnis weiß ich, wie sich ein Kind anhört, das wirklich in Not ist, und ich höre, dass das Knötern von unserem Murkel wirklich nur Pipifax ist. Insofern hatte dieses schreckliche Erlebnis noch sein Gutes. Ich habe dadurch einen Maßstab bekommen.
Meine Hebamme hat mir ganz am Anfang gesagt: Lernen Sie unbedingt, etwas Geschrei auszuhalten. Ruhig weiteratmen, werden Sie auf keinen Fall nervös oder hektisch. Das Kind muss die Mutter als „Fels in der Brandung“ erleben, also Sicherheit und Ruhe verkörpernd. Die Mutter sollte reagieren, aber keine Getriebene sein. Ein Neugeborenes könne bereits etwa 5min aushalten.
Ich finde auch nicht, dass „Jedes Kind kann…“ ein Horrorbuch ist. Es wird dort empfohlen, das Kind anderthalb bis 3 Minuten schreien zu lassen, und dann wieder zu ihm zu gehen. Dort geht es um etwas ältere Kinder, nicht um kleine Babys. Das können Kinder meiner Meinung nach aushalten. Außerdem geht es um solche Fälle, in denen wirklich ein Problem da ist, in denen die Mutter beispielsweise mit den Nerven am Ende ist, weil sie keinen Schlaf mehr bekommt. Da muss dann etwas getan werden, selbst wenn es am Anfang weh tut. Es geht doch auf Dauer allen Beteiligten damit besser. Ansonsten gibt das Buch doch nur Tipps, wie man den Schlafrhythmus der Kinder geschickt händelt.
Was mich sehr viel mehr nervt: Mütter, die eine Dauergenervtheit ihren Kindern gegenüber ausstrahlen, und Mütter, die ostentativ raushängen lassen, welche Belastung ihre Kinder sind, wie anstrengend die sind. Und die das sogar in Anwesenheit ihrer Kinder sagen. Da kriege ich die Krise.
Gruß Romy