Re: Zervix Insuffizienz
Hallo Ihr Lieben,
ich habe einige sehr liebe e-mails bekommen und ich muß sagen, ich fühle mich endlich verstanden. Ich lasse meine Freunde noch nicht an mich heran, aber Nachbarn. Kollegen. mein Frauenarzt - alle sagen "ach wie schrecklich", aber verstehen tut es doch keiner von denen. Sie alle sagen "beim nächsten mal klappt's". Beim nächsten mal !! Verdammt, ich habe JETZT mein Wunschkind verloren ! Ich habe mich auf sie gefreut und Pläne geschmiedet ! Ich will sie wieder haben !
Ich habe angefangen, alles aufzuschreiben, wie ich mich fühle. Ich habe ihr einen Brief geschrieben, weil ich mich schuldig fühle, dass ich sie nicht behalten konnte. Ich wollte sie nicht hergeben ! Der 11. Juni wird für mich immer der Horrortag bleiben ! Er fing an mit einem Nervenzusammenbruch. Es waren schon 3 Tage vergangen seit der Aussage des Arztes, dass in den nächsten 12h die Fruchtblase platzt und mein Kind kommen würde. Man tat nichts ! Und Du liegst da und wartest. Wartest auf etwas was Du gar nicht willst ! Ich hatte solche Angst, dass es auf der Toilette passiert oder wenn ich allein bin. Am 3.Tag haben sie beschlossen, die Fruchtblase zu perforieren. Das war das Todesurteil für Franzi.
Nachdem das Fruchtwasser weg war, ging der Muttermund komplett zu und kippte irgendwie nach hinten. Ich hasste meinen Körper, warum quält er mich so ? 5 Std. lag ich am Tropf und wartete auf Wehen und darauf, dass der verdammte Muttermund aufgeht, wenn er aufgehen soll. Ich solle loslassen sagten die Ärzte, soll mich entspannen. Wie das gehen soll, haben sie nicht gesagt. Dann haben sie mir mein Kind regelrecht aus dem Körper gezerrt. Ich lag da wie auf der Schlachtbank, heulte nur noch, hatte jegliche Art von Würde oder Stolz verloren. Die Hebamme war die Einzige, die sich sehr liebevoll um uns und Franzi gekümmert hat. Sie ließ uns so viel Zeit miteinander wie wir brauchten. Immer wieder sehe ich sie vor mir, so klein und zart und doch schon alles dran. Wie soll man denn jemals mit diesen Erlebnissen fertig werden ? Bei der anschließenden OP ließ die Plazenta sich nicht lösen und ich blutete so stark, dass sie mir um ein Haar die Gebärmutter raus genommen hätten. Von all dem wissen die Kollegen und Nachbarn nichts. Für sie ist das alles in ein paar Wochen vergessen. Für uns wohl lange nicht. Ich habe ihren Fußabdruck eingerahmt und stecke abends eine Kerze für sie an.
Ich danke Euch für Euer Mitgefühl. Ihr versteht, wie es ist, ein Kind zu verlieren das nur Ihr kennt.
Suzan